GKV Ärzte bekommen 10 Prozent mehr

Im Streit um die Ärztehonorare haben sich die Vertreter der Mediziner am Donnerstagabend gegen die Krankenkassen durchgesetzt. Ihre Vergütung soll im Januar um 2,5 Milliarden Euro erhöht werden. Einen so hohen Aufschlag bekamen die Ärzte noch nie. Die Versicherten müssen mit höheren Beiträgen rechnen.

Berlin - Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und ein eingesetzter Schlichter einigten sich gegen die Stimmen der Kassen auf eine Erhöhung der Vergütung um 2,5 Milliarden Euro, wie der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Berlin mitteilte.

Während KBV-Chef Andreas Köhler das Ergebnis als "wichtigen Schritt" zur Sicherung einer flächendeckenden Versorgung bezeichnete, kritisierte der Verhandlungsführer der Kassen, Johann-Magnus von Stackelberg, die "massive Honorarerhöhung".

Die Erhöhung würden alle Versicherten deutlich in ihren Portemonnaies spüren, sagte GKV-Vize Stackelberg. Weil das entscheidende Beschlussgremium, der Erweiterte Bewertungsausschuss, mit einfacher Mehrheit entscheiden könne, hätten die Kassen diese neuen Belastungen der Beitragszahler nicht verhindern können. Die nun durchgesetzte Honorarsteigerung entspricht einer Steigerung der Belastungen für die Beitragszahler um 0,25 Prozentpunkte.

Ärztevertreter Köhler bezeichnete die neue Vergütungsordnung dagegen als "gerechter und transparenter". Das Verhandlungsergebnis entspreche einem Honorarzuwachs von mehr als 10 Prozent, sagte Köhler weiter. Damit sei die höchste Steigerung der Gesamtvergütung seit Bestehen der ärztlichen Selbstverwaltung erzielt worden.

Auch das Bundesgesundheitsministerium begrüßte die Einigung. Mit dem Votum komme die Gesundheitsreform "ein weiteres großes Stück voran", teilte das Ministerium in Berlin mit. Die Kassenärzte bekämen nun "ein kalkulierbares, gerechteres und auch transparentes Honorarsystem", hieß es in der Mitteilung weiter. Letztlich diene die Honorarreform dem Zweck, "die ärztliche Versorgung der Patienten zu verbessern und zu sichern".

Ulla Schmidt greift ein

Ulla Schmidt greift ein

Der Vorsitzende des Hartmannbunds, Kuno Winn, bezeichnete die Einigung als "dringend notwendiges Zugeständnis im allerletzten Augenblick". Die Entscheidung sei eine Grundlage dafür, um nun weitere Verbesserungen in der ambulanten und stationären Versorgung durchzusetzen. "Bisher haben wir lediglich über Minimalforderungen diskutiert", erklärte der Ärzte-Vertreter.

Die KBV hatte in den Verhandlungen eine Erhöhung des Honorarvolumens um 4,5 Milliarden Euro gefordert, was die Kassen als zu hoch ablehnten. Die Verhandlungsparteien hatten zuletzt unter Zeitdruck gestanden, da sie sich formal bis Ende August einigen mussten. Danach hätte das Gesundheitsministerium eine Regelung festgesetzt.

Die Honorarreform ist Bestandteil der Gesundheitsreform und soll zum 1. Januar 2009 in Kraft treten. Gesundheitsministerin Schmidt hatte den Ärzten ein Plus von etwa 10 Prozent des gesamten Honorarvolumens in Aussicht gestellt, das im vergangenen Jahr bei 23 Milliarden Euro lag. Die Verhandlungen waren Anfang August ins Stocken geraten, die Ärzte drohten damals mit Streiks.

Kritik kam derweil vom SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. "Wir werden große Schwierigkeiten haben, das zu finanzieren", sagte er voraus. Eine solche Erhöhung der Honorare bedeute für die Ärzte faktisch einen Einkommenszuwachs von 20 Prozent. Von den Honoraren gingen normalerweise 50 Prozent für Kosten ab. Da die Kosten der Praxen jedoch nicht stiegen, falle die Honorarsteigerung vollständig zugunsten der Ärzteeinkommen aus. "Das sind spektakuläre Zugewinne, die keine andere Berufsgruppe erzielt", kritisierte Lauterbach.

manager-magazin.de mit Material von afp, reuters und ddp

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