Moskauer Automesse Kaukasus? Na und!

Der Georgien-Konflikt könnte den Autoboom in Russland bremsen, fürchtet Hyundai. Solche Prognosen sehen die anderen Aussteller auf der Moskauer Motorshow als Spielverderberei. Als ob nichts gewesen wäre, feiern sie sich, ihre PS-Boliden und die schönsten Oligarchen-Klischees.

Moskau - Autos sind in Russland - mehr noch als hier zu Lande - ein Ausweis von Wohlstand. Nur, dass man damit in Russland ganz und gar nicht verschämt umgeht. Ein großer, aufgemotzter Geländewagen und auf dem Beifahrersitz eine blonde, aufgemotzte Begleiterin, so lautet das Autoideal und Klischee potenter Oligarchen, befeuert von Benzinpreisen um die 70 Cent.

Entsprechend sieht die derzeitige Automesse in Moskau aus. Big is beautiful, und langbeinig auch. Weltweite Neuerscheinungen gibt es wenige. Die spektakulärste ist der Mazda Kazamai, eine Studie für einen großen, aufgemotzten Geländewagen, was auch sonst.

Dennoch sind die westlichen Hersteller zahlreich auf der Messe vertreten. Schließlich gilt Russland als einer der wenigen boomenden Automärkte der kommenden Jahre.

So erwarten die deutschen Autobauer dort in diesem Jahr ein enormes Wachstum. Während der Gesamtmarkt 2008 voraussichtlich um ein Viertel auf 3,1 Millionen Fahrzeuge steige, werde der Absatz deutscher Pkw-Modelle um rund ein Drittel auf 465.000 Autos zunehmen, lässt etwa der deutsche Verband der Automobilindustrie wissen.

Seit 2004 hätten die deutschen Hersteller ihren Marktanteil auf dem russischen Markt nahezu verdreifacht. Allerdings liegen die deutschen Autobauer, etwa Volkswagen , noch hinter der ausländischen Konkurrenz vor allem aus den USA und Asien zurück.

VW-Werk muss bald erweitert werden

VW-Werk muss bald erweitert werden

Jeder siebte Neuwagen, der derzeit in Russland zugelassen werde, komme von einer deutschen Konzernmarke, sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Auch in den kommenden Jahren sei mit einem hohen Wachstum zu rechnen. Im Oberklasse-Segment seien die deutschen Marken Mercedes-Benz, BMW  und Audi  mit einem Anteil von 60 Prozent klar führend.

Dabei habe die Motorisierung der breiten Bevölkerung habe gerade erst begonnen. Während in Deutschland mehr als 500 Autos auf 1000 Einwohner kämen, seien es in Russland nur 200. Die Erneuerung des Pkw-Bestands werde auch dadurch unterstützt, dass die russische Regierung die Einführung strengerer Abgasnormen beschlossen habe. Allerdings spielt für die breite Bevölkerung das automobile Bling-bling, wie es auf der Messe vielfach zu bestaunen ist, eine untergeordnete Rolle.

Deswegen darf sich VW mit seiner Palette kompakter Autos Hoffnung machen, den Rückstand auf die asiatischen und amerikanischen Hersteller - der Marktanteil liegt bei etwa 4 Prozent - bald aufzuholen.

VW setzt auf Moskauer Werk

Konzern-Vertriebschef Detlef Wittig sagte in Moskau, in ein bis zwei Jahren werde in dem Volkswagen-Werk in Kaluga südwestlich von Moskau die volle Produktionskapazität von rund 150.000 Autos pro Jahr erreicht. Angesichts der rasant steigenden Nachfrage in Russland müsse VW überlegen, die Fabrik in Kaluga zu erweitern.

Wittig bekräftigte, der VW-Konzern wolle in den kommenden Jahren in Russland Marktführer werden. Dazu sei ein Marktanteil von mehr als zehn Prozent notwendig. Bisher erreicht VW einen Anteil von knapp vier Prozent. Nach einem Konzernabsatz in Russland von rund 80.000 Fahrzeugen im vergangenen Jahr will VW im laufenden Jahr rund 145.000 Autos an Kunden ausliefern. Dabei sollen rund 66.000 Autos aus dem Werk in Kaluga kommen, der Rest wird importiert.

Angst vor der Georgien-Delle

Angst vor der Georgien-Delle

Weit weniger optimistisch zeigt sich ein Hersteller, der eigentlich in Russland sehr erfolgreich ist: Hyundai rechnet damit, dass die politische Krise in Georgien den profitablen Autoabsatz in Russland belasten könnte. Die ersten Auswirkungen habe das koreanische Unternehmen bereits zu spüren bekommen, sagte der Chef der Moskauer Niederlassung, Denis Petrunin.

"Mit diesem Stressfaktor im Hintergrund könnten sich die Konsumenten im nächsten halben Jahr beim Autokauf zurückhalten", befürchtete er. Anschließend könnte der russische Markt an Überkapazität leiden. "Um 2010 herum wird der Markt gesättigt sein. Grund ist, dass alle Autohersteller zu ungefähr der gleichen Zeit neue Fabriken aufmachen wollen", sagte Petrunin.

Auch Konkurrent BMW setzt auf den boomenden russischen Automarkt und erwartet in diesem Jahr eine Steigerungsrate des Absatzes von 40 Prozent. Für 2009 sind die Münchener aber vorsichtiger und rechnen nur mit einem Plus von 20 Prozent.

Die größten Sorgen machen sich unterdessen die heimischen Hersteller in Russland. Lada kommt nicht aus der Talsohle, die anderen Automarken rangieren unter "ferner liefen". Auf der Messe trumpft dafür der russische Reifen- und Felgenhersteller Avtoros mit einem extremen Geländewagen auf, konstruiert für den Einsatz in den Schlamm- und Eiswüsten Sibiriens.

Der Z-83 genannte Wagen hat acht angetriebene Räder auf vier Achsen, von denen jeweils die erste und die letzte gelenkt werden kann. Angetrieben wird das 6,20 Meter lange und 3,7 Tonne schwere Allrad-Ungetüm dem Unternehmen zufolge von einem Dieselmotor mit 2,4 Litern Hubraum und 96 kW/130 PS. Auf der Straße erreicht das Gefährt eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde.

Bulliger geht's kaum. Stimmen die Klischees, dann lernen die Moskauer Messehostessen im Z-83 bald das sibirische Hinterland kennen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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