Eon-Vertrieb Jede zehnte Stelle fällt weg

Eon baut seinen Vertrieb radikal um. Sechs der sieben Regionalgesellschaften des Energiekonzerns sollen zusammengelegt werden. 1800 Stellen fallen dem Plan zufolge ohne Kündigungen weg. Der Konzern reagiert auf den Kundenschwund.

Berlin - Der Energiekonzern Eon  steht vor einer umfassenden Neustrukturierung seiner deutschen Vertriebsaktivitäten. Rund 1800 Arbeitsplätze sollen bis Ende 2012 bei den Regionalversorgern des Konzerns wegfallen, teilte der größte deutsche Versorger am Mittwoch mit. Die Stellen sollen sozialverträglich und ohne Kündigungen abgebaut werden. Der Konzern wolle auf diese Weise mehrere Hundert Millionen Euro einsparen.

Die Gesellschaft habe mit den Arbeitnehmervertretern und den kommunalen Mitaktionären eine Einigung erzielt, die sechs der sieben Regionalversorger betrifft, sagte ein Sprecher von Eon Energie in München. Ausgenommen sei vorerst die Thüringer Regionalgesellschaft, wo mit den kommunalen Anteilseignern keine Verständigung erreicht worden sei.

Wie der Vorstandschef der für Deutschland zuständigen Konzerntochter Eon Energie, Klaus-Dieter Maubach, der Tageszeitung "Die Welt" am Mittwoch sagte, werden 40 der 60 Service-Standorte geschlossen. Insgesamt sollen laut Maubach rund 10 Prozent der Stellen im Eon Vertrieb wegfallen. Eon Energie beschäftigt in Deutschland 33.000 Mitarbeiter, davon 15.000 in den Regionalgesellschaften.

Die Planungen für den Konzernumbau hatten vor rund zwei Jahren unter dem Namen "Regi.on" begonnen. Mit dem Konzernumbau will sich Eon kostengünstiger aufstellen, um dem anziehenden Wettbewerb begegnen zu können. "Wir haben jetzt alle Verträge unter Dach und Fach", sagte Maubach.

Zum 1. September will der Konzern in München eine Vertriebsgesellschaft für ganz Deutschland gründen, die die Preisgestaltung und Produktentwicklung übernimmt. Diese Aufgaben liegen bislang in der Hand der regionalen Gesellschaften - mit der Folge, dass es eine Reihe unterschiedlicher Angebote gibt. Die Regionalgesellschaften sollen sich künftig vor allem um die Aufgaben rund um die regionalen Strom- und Gasnetze kümmern. Nach außen hin sollen allerdings die Regionalgesellschaften weiter unter ihren hergebrachten Marken existieren.

"Niemandem wird gekündigt", beteuerte Maubach. "Wir setzen unter anderem auf Altersteilzeit." Die Verlagerungen würden Standorte in ganz Deutschland betreffen. Die Einsparungen sollen laut Maubach mehrere hundert Millionen betragen. Genaue Zahlen wollte der Eon-Manager nicht nennen.

Die Umstrukturierungen sollen bis Ende 2012 abgeschlossen werden. Allein die Eon Regionalgesellschaft in Thüringen beteilige sich nicht an der neuen Struktur, sagte Maubach. Dort hätten die beteiligten Kommunen zu weit reichende Forderungen gestellt.

In den vergangenen Monaten hatte Eon nach Angaben der Zeitung im klassischen Geschäft rund 600.000 Kunden verloren. Neue Anbieter und die eigene Online-Tochter "E - wie einfach" graben zunehmend mit Billigangeboten den Regionalversorgern das Wasser ab. "Glücklicherweise konnten wir diesen Verlust durch unsere Tochter 'E - wie einfach' deutlich überkompensieren", sagte Maubach. Im internetbasierten Verkauf habe Eon mehr als 800.000 Kunden gewonnen.

Trotzdem sei es absehbar, dass die Leistungsfähigkeit der Regionalgesellschaften gesteigert werden müsse. Selbst "E - wie einfach" habe wegen der weltweit gestiegenen Gaspreise seine Preisgarantie für Gas aufgeben müssen. Auch werde derzeit überprüft, ob die Strompreisgarantie bei dem Billiganbieter noch lange zu halten sei.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa-afx

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