Dresdner Bank Tollhaus statt Powerhouse

"Sturm und Drang", "Daphne und Chloé", "Mountain und Valley" oder in Anlehnung an das politische Koalitionssynonym Jamaika einfach nur "Brasilien": die Dresdner Bank sollte schon unter so manchem Tarnnamen vermählt werden.
Von Arne Stuhr

Hamburg - "Wir sind schon mit allen fusioniert worden, nur nicht mit der Weltbank", sagte einst der damalige Dreba-Chef Bernhard Walter, der bei der grünen Bank 1997 die Nachfolge von Jürgen Sarrazin antrat und am 6. April 2000 nach dem spektakulären Scheitern der kurz zuvor verkündeten Fusion mit der Deutschen Bank  zum "globalen Powerhouse" (Rolf-E. Breuer) als Vorstandssprecher zurücktrat.

Bereits im April 1998 hatte Breuer unter dem Tarnnamen "Sturm und Drang" einen ersten Annäherungsversuch Richtung Dresdner Bank unternommen und im Sommer 1999 - Deckname "Daphne und Chloé" - sein Werben erneuert. Walter wurde von seiner Münchener Großaktionärin Allianz  allerdings gleich zweimal zurückgepfiffen und trieb seine Dresdner Bank ("Valley") in einen Flirt mit der HypoVereinsbank ("Mountain"). Diesmal legte HVB-Großaktionärin Münchener Rück  ihr Veto ein.

Erst als Breuer direkt bei Allianz-Vormann Henning Schulte-Noelle um die Hand der Dresdner Bank anhält, lenkt der Brautvater ein. Unter den langjährigen Beobachtern der Frankfurter Bankenszene gelten die Szenen, die sich nun im Frühjahr 2000 in den sonst eher Respekt einflößenden Banktürmen gleich in Serie abspielten, noch immer als unübertroffen. Oder kurz gesagt: Tollhaus statt Powerhouse.

Nachdem manager-magazin.de und die "Bild"-Zeitung am 7.März des Jahres über die kurz bevorstehende Megafusion der blauen und grünen Banker berichtet hatten, luden Walter und Breuer zwei Tage später zur gemeinsamen Pressekonferenz ins Atrium der Dresdner Bank. Obwohl bereits durchgesickert war, dass die Investmentbanker der Deutschen Bank mit dem legendären Edson Mitchell an der Spitze nach der Fusion ihr Dreba-Pendant Kleinwort Benson plattmachen wollten, spricht Breuer noch von einem "Juwel", das "weder geschlossen noch verkauft" werde.

Der Rest ist Legende. Als die beiden Geldhäuser am 5. April 2000 um 15.18 Uhr in einer Ad-hoc-Meldung alle Verhandlungen mit sofortiger Wirkung für beendet erklären, ist die Blamage am Finanzplatz Frankfurt perfekt.

Auch Schulte-Noelle ist schwer beschädigt. Hatte der Allianz-Lenker doch nicht nur eine Lösung für seine Beteiligung Dresdner Bank finden, sondern im Gegenzug als Bezahlung die Deutsche-Bank-Töchter DWS und Deutscher Herold in sein Imperium eingliedern wollen. Besonders die Fondsgesellschaft DWS hatte es den Münchenern angetan. "Wir sind froh darüber, die Chance zu bekommen, einen solchen starken Partner zu bekommen", hatte Schulte-Noelle schon frohlockt.

"Ich habe keinen Fehler gemacht"

"Ich habe keinen Fehler gemacht"

Im Gegensatz zu Walter bleiben Schulte-Noelle und Deutschbanker Breuer ("Ich habe keinen Fehler gemacht") zwar im Amt, können sich beide von diesem Tiefschlag aber eigentlich nie wieder richtig erholen.

Während bei der Deutschen Bank nun der interne Machtkampf zwischen den Londoner Investmentbankern und den Frankfurter Granden tobt, versucht Walters Nachfolger Bernd Fahrholz nur wenige Wochen später einen nächsten Fusionsversuch. Doch noch bevor Fahrholz im Jürgen-Ponto-Hochhaus am 26. Juli hoch über Frankfurts Dächern auf die vor dem Fahrstuhl wartenden Journalisten trifft, hat sich herumgesprochen, dass er und Commerzbank-Primus Martin Kohlhaussen zu dem Schluss gekommen sind, echte Fusionsgespräche gar nicht erst aufzunehmen.

Was folgte war die Komplettübernahme (Codename: "Umbrella") der Dresdner Bank ("Delta") durch die Allianz ("Alpha") im folgenden Jahr für 24 Milliarden Euro, die Verschmelzung der Fondsgesellschaft Dit mit der Allianz Global Investors (2006), diverse Allfinanzkonzepte und ein neues Firmengrün. Diese Kosmetik konnte an den nackten Zahlen - sprich anhaltenden Milliardenverlusten - natürlich nichts ändern, sodass letztendlich auch Allianz-Chef Michael Diekmann, der 2003 die Nachfolge von Schulte-Noelle angetreten hatte, in diesem Jahr die Geduld mit der Dresdner Bank verlor.

Nachdem der Plan, mit der zum Verkauf (oder nun vielleicht auch nicht) stehenden Postbank  zusammenzugehen (Projekt "Brasilien"), zu den Akten gelegt worden war, scheint es für die Dresdner Bank (aktueller und vermutlich letzter Chef ist derzeit Herbert Walter) mit gut acht Jahren Verspätung nun doch auf die Commerzbank  (mittlerweile unter Leitung von Martin Blessing) hinauszulaufen. Natürlich unter wesentlich schlechteren Vorzeichen. Fast würde man der nach zahlreichen Sparrunden auf noch rund 26.000 Mitarbeiter abgehungerten einstigen Bank von europäischer Bedeutung wünschen, dass noch Scherze wie der mit der Weltbank-Fusion über sie gemacht würden.

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