Commerzbank Ratenzahlungen für die Dresdner Bank

Der Verkauf der Allianz-Tochter Dresdner Bank geht in die heiße Phase. Noch an diesem Wochenende wollen sich die Aufsichtsräte von Allianz und Commerzbank zu außerordentlichen Sitzungen treffen, um die diffizile Bankenübernahme auf den Weg zu bringen und so neben der Deutschen Bank einen zweiten nationalen Champion zu formen.
Von Andreas Nölting und Ulric Papendick

Hamburg - Derzeit sind offenbar noch zwei Interessenten für die Dresdner Bank im Rennen: Eben die Commerzbank  und das Pekinger Staatsinstitut China Development Bank. Da ein Verkauf der Dresdner Bank mit ihren vielen deutschen Privat- und mittelständischen Firmenkunden an die Chinesen auf politischen Widerstand aus Berlin stößt, gilt die Commerzbank um Vorstandschef Martin Blessing als eindeutiger Favorit für den Zuschlag durch die Allianz .

Das Problem allerdings: Der Commerzbank fehlt es momentan an der finanziellen Kraft, um die angepeilte Übernahme der gesamten Dresdner Bank (also auch ihres Investmentarms Dresdner Kleinwort) in einem Anlauf zu stemmen. Neben den Belastungen durch die Finanzkrise, die den Vorsteuergewinn im zweiten Quartal mehr als halbierten, engt auch eine Abstimmungsniederlage auf der diesjährigen Hauptversammlung Blessings finanziellen Spielraum ein. Hatten die Aktionäre dem Commerzbank-Management Mitte Mai doch die notwendige Dreiviertelmehrheit für die Ausgabe neuer Aktien verwehrt.

Daher diskutieren die Beteiligten nun eine Übernahme in "zwei Tranchen": 51 Prozent der Anteile könnten demnach baldmöglichst an die Commerzbank gehen, die restlichen 49 Prozent - wenn es denn gut geht - im kommenden Jahr.

Die Ratenzahlungen für die Dresdner Bank sind ein überaus knapp gestricktes Geschäft. Das diskutierte Zahlungsmodell dürfte für den Allianz-Konzern nicht ohne Risiko sein. Denn was passiert, wenn sich die globale Finanzkrise in den kommenden Monaten erneut verschärft, oder sich im Portfolio der Dresdner Bank noch nicht entdeckte Risiken in Milliardenhöhe auftun? "Warum least die Commerzbank denn nicht gleich die Dresdner Bank?", spottet bereits ein Insider.

Entlastung könnte der Commerzbank der Verkauf ihres knapp 10-prozentigen Pakets am Industriekonzern Linde verschaffen. Ein Käufer wird nach Informationen des manager magazins bereits gesucht.

Die von der Politik begrüßte Idee eines zweiten nationalen Bankenchampions löst bei den Arbeitnehmervertretern allerdings deutlich weniger Euphorie aus. Sie befürchten einen personellen Kahlschlag. Es bedarf keiner visionären Fähigkeiten, um zu erahnen, dass es in dem neuen Gebilde nicht für alle insgesamt gut 50.000 Banker der beiden Institute auch künftig noch einen Arbeitsplatz geben wird. Neben den Überschneidungen beim Filialnetz - zusammen kommen die beiden Banken auf rund 1900 Niederlassungen - dürften vor allem Synergien im Backoffice den Abbau von Tausenden Stellen zur Folge haben.

Sollte die Commerzbank trotz aller Unwägbarkeiten dennoch den Zuschlag für die Dresdner erhalten, ginge eine jahrelange Leidensgeschichte zu Ende. Hat die im Frühjahr 2001 nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen mit der Deutschen Bank und auch damals schon der Commerzbank für 24 Milliarden Euro komplett übernommene Dresdner Bank der Allianz bisher doch hauptsächlich Verluste beschert. Einzig die vor zwei Jahren durchgeführte Verschmelzung der ehemaligen Dreba-Fondstochter Dit auf die Allianz Global Investors dürfte sich für die Münchener gelohnt haben.

Kein Wunder also, dass im Vorstand der dann neuen Commerzbank wohl kein Topmanager der Dresdner Bank vertreten sein wird, auch nicht Dreba-Chef Herbert Walter. Allerdings wolle die Allianz, wie es heißt, auf jeden Fall zwei Vertreter in den Aufsichtsrat der Commerzbank senden, an der die Allianz nach dem Deal mit rund 30 Prozent als größter Anteilseigner beteiligt sein wird.

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