Grob Privatjetbauer in Turbulenzen

Grob Aerospace baut edelste Privatjets und tummelt sich damit auf einem Wachstumsmarkt. Dennoch gerät die Firma in Turbulenzen. Nach einem Insolvenzantrag fürchten die Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze in Bayern und die Kunden um ihre bestellten Flugzeuge.

Tussenhausen - Die Zukunft des Unternehmens Grob Aerospace GmbH im Unterallgäu wird nun davon abhängen, ob der bereits entwickelte kleine superleichte Jet SPn mit einem Stückpreis von etwa 5,8 Millionen Euro in Produktion geht. Es sollen bereits rund 100 dieser vielfach für den privaten Gebrauch vorgesehenen Flugzeuge verkauft sein. Topmanager, Showstars und Luxusfluggesellschaften warten gespannt, wie es mit dem Unternehmen weitergeht.

Beim Flugzeughersteller läuft der Geschäftsbetrieb zunächst weiter. Am Dienstag hatte das Unternehmen mit Firmensitz in Zürich überraschend Insolvenz angemeldet. "Kein Mensch ist arbeitslos und die meisten Mitarbeiter glauben fest daran, dass ein Investor gefunden wird", sagte eine Firmensprecherin am Donnerstag in Tussenhausen-Mattsies.

Grob-Chef Niall Olver machte Verzögerungen bei der SPn-Entwicklung für die Probleme verantwortlich. Deshalb sei der wichtigste Geldgeber abgesprungen.

Der Mittelständler ist in großer Not, obwohl die Branche boomt. Der Luft- und Raumfahrtzulieferer Honeywell  erwartet für 2008 weltweit die Auslieferung von 1300 neuen Businessjets und Geschäftsflugzeugen - das wäre ein Rekord. 2006 waren es noch 861 Flugzeuge. Bis zum Jahre 2017 sollen es insgesamt 14.000 Jets im Wert von 233 Milliarden US-Dollar sein. Vor allem der europäische Markt legt deutlich zu.

Klaus Fischer von der Industrie- und Handelskammer in Kempten gab sich optimistisch, dass der Insolvenzverwalter eine Lösung für den Grob-Standort Tussenhausen findet. Für das Unternehmen komme sowohl ein Finanz- als auch ein strategischer Investor infrage. Dies könnte zum Beispiel ein mittlerer Flugzeughersteller sein, dem das Programm von Grob Aerospace ins Konzept passe.

Aus Branchenkreisen war zu erfahren, dass der monatliche Kapitalbedarf bei Grob Aerospace derzeit bei rund fünf Millionen Euro liege. Deshalb sei ein finanzstarker Investor nötig, da das Unternehmen derzeit keine Einnahmen habe und die Entwicklung des SPn-Jets weiterlaufe.

Einen "dramatischen Blitzschlag aus heiterem Himmel" nannte der Unterallgäuer Landrat Hans-Joachim Weirather (Freie Wähler) die Nachricht vom Insolvenzantrag von Grob Aerospace, das zu den bedeutenden Arbeitgebern im Landkreis zähle. "Es handelt sich um ein Unternehmen der Hochtechnologie, das höchstqualifizierte Arbeitsplätze stellt."

Bis vor wenigen Tagen sei man im Unterallgäu im Hinblick auf die niedrige Arbeitslosigkeit noch in bester Stimmung gewesen. Mit 1,8 Prozent liege das Unterallgäu nach Weirathers Angaben bundesweit an zweitbester Stelle. "Die Sorge um die Arbeitsplätze bei Grob ist jetzt natürlich groß. Alle sind schockiert, weil es völlig unerwartet kam." Der Landrat ist jedoch optimistisch, dass es für das Unternehmen eine Zukunft gibt.

Die Auszahlung der Löhne und Gehälter an die rund 400 Angestellten sei mit dem Insolvenzgeld drei Monate lang gesichert, sagte die Unternehmenssprecherin. Den 100 Freiberuflern ohne Arbeitsvertrag könne das Unternehmen derzeit keine Bezahlung zusichern. "Einige sind deshalb bereits zu Hause geblieben."

manager-magazin.de mit Material von dpa

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