Freitag, 21. Februar 2020

IKB Etappen der Krise

Nach monatelangen Verkaufsverhandlungen übernimmt der US-Finanzinvestor Lone Star die Mehrheit an der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB. Im Folgenden eine Dokumentation über die Entwicklung der IKB-Krise, die in Deutschland im vorigen Sommer den Start der in den USA ausgelösten Finanzmarktkrise markierte.

30. Juli 2007: Die KfW übernimmt alle Rechte und Pflichten aus einer Liquiditätslinie, die die IKB der Zweckgesellschaft Rhineland Funding gegeben hatte. Das Volumen wird von der KfW in einem Schreiben an die US-Börsenaufsicht mit etwa 8,1 Milliarden Euro angegeben.

In neuer Hand: Der US-Investor Lone Start hält künftig die Mehrheit an der Mittelstandsbank IKB
DPA
In neuer Hand: Der US-Investor Lone Start hält künftig die Mehrheit an der Mittelstandsbank IKB
2. August 2007: Die IKB teilt mit, dass die KfW nicht nur alle Risiken der Rhineland Funding, sondern darüber hinaus weitere erwartete mögliche Verluste aus riskanten Bilanzpositionen der IKB in Höhe von einer Milliarde Euro übernehmen wird.

15. August 2007: Die KfW schätzt in einem Bericht an die US- Aufsicht das Potenzial des möglichen Verlustes aus der Risikoabschirmung der IKB auf 2,5 Milliarden Euro und bildet dafür eine Rückstellung. Später wird die Risikovorsorge auf 4,8 Milliarden Euro aufgestockt.

16. August 2007: Der inzwischen gebildete Bankenpool aus KfW, öffentlichen und privaten Banken einigt sich auf eine Aufteilung der Kosten für die Risikoabschirmung der IKB bezüglich Rhineland Funding sowie weiterer direkter Investments der IKB in strukturierte Kreditderivate. Demnach trägt die KfW 70 Prozent der Lasten, 30 Prozent übernehmen die übrigen Banken. Dabei sollten die Kosten für die übrigen Banken zunächst auf eine Milliarde Euro begrenzt sein.

28. November 2007: Der Bankenpool einigt sich auf die Übernahme von rund 520 Millionen Dollar (350 Millionen Euro) weiterer Risiken bei der IKB, die bislang nicht unter den Risikoschirm gefallen sind. Dabei handelt es sich um Zusagen, die die IKB dritten Banken gegeben hatte, wenn diese Geld an Rhineland Funding geben. Diese Rückversicherung lief unter dem Namen Havenrock. Rund 43 Prozent dieser Summe trägt die KfW, den Rest die übrigen Banken. In der Folge weist der Fonds für allgemeine Bankrisiken der KfW nur noch 350 Millionen Euro auf.

31. Dezember 2007: Die KfW muss den Wert ihres IKB-Pakets angesichts des Kursabsturzes der IKB-Aktie teilweise abschreiben. Die Aktie war von zeitweise mehr als 30 Euro auf rund 6 Euro zum Jahresende abgestürzt.

7. Januar 2008: Die KfW übernimmt im Rahmen der Umsetzung der jüngsten Risikoabschirmung eine von der IKB emittierte Aktienanleihe im Volumen von 54,3 Millionen Euro. Der Anteil der KfW an der IKB könnte sich damit von 37,8 auf 43,4 Prozent erhöhen. Zwei Tage später wird auch der Rest der jüngsten KfW-Zusage durch Verträge umgesetzt.

13. Februar 2008: Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) teilen nach einer Krisensitzung des KfW-Verwaltungsrats in Berlin mit, dass die IKB weitere 1,5 Milliarden Euro erhalten solle. Davon will der Bund eine Milliarde Euro aufbringen. Da die KfW 800 Millionen Euro als Verkaufserlös aus ihrem IKB-Anteil einplant, umfasst das Rettungspaket brutto sogar 2,3 Milliarden Euro.

19. Februar 2008: Die KfW gibt der IKB gemäß der Vereinbarung 600 Millionen Euro. Das Geld ist als Kredit ausgestaltet.

3. März 2008: Die Suche nach einem Käufer für die IKB zieht sich in die Länge. Nach Informationen aus Finanzkreisen gibt es gut ein halbes Dutzend Interessenten.

20. März 2008: Eine zweite Tranche aus dem Rettungspaket vom Februar wird an die IKB gezahlt. Nach den 600 Millionen Euro im Februar fließen nun noch einmal 450 Millionen Euro, heißt es in einer IKB-Mitteilung. Die übrigen 1,25 Milliarden Euro sollen dem Vernehmen nach für die geplante große Kapitalerhöhung bei der IKB zur Verfügung stehen, durch die die KfW auf etwa 90 Prozent der Anteile kommen könnte. Zudem berichtet die IKB, sie erwarte zusätzliche 590 Millionen Euro Bewertungsverluste auf ihre Bestände und rechnet nunmehr für mehrere Geschäftsjahre mit keinen oder nur geringen Überschüssen.

28. März 2008: Die Hauptversammlung der IKB beschließt die Kapitalerhöhung.

12. Juni 2008: Die Kleinaktionäre der IKB drohen auf ihren Verlusten sitzenzubleiben. Das Düsseldorfer Landgericht lehnt mehrere Schadenersatzklagen von Anlegern ab, die durch den dramatischen Kurseinbruch der IKB-Aktie zum Teil mehr als 10 000 Euro verloren hatten.

22. Juli 2008: Die KfW Bankengruppe stellt der IKB eine weitere Liquiditätslinie von 1,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Hintergrund sind nach Angaben der Bank Verzögerungen bei der Kapitalerhöhung.

Außerdem reißen die bilanziellen Belastungen nicht ab: Für das Ende Juni abgelaufene Quartal erwartet die IKB einen Bewertungsverlust von einer halben Milliarde Euro. Kritiker sprechen von einem "Fass ohne Boden".

14. August 2008: Die KfW muss die IKB-Kapitalerhöhung nahezu allein stemmen. Von den innerhalb der Zeichnungsfrist ausgeübten Bezugsrechten für neue IKB-Aktien entfielen mehr als 99 Prozent auf die KfW Bankengruppe. Das geht aus einer Pflichtmitteilung der IKB hervor. Der Vollzug der Kapitalerhöhung durch die KfW wird voraussichtlich erst im Oktober erfolgen, weil eine Entscheidung der europäischen Wettbewerbshüter abgewartet wird.

21. August 2008: Die KfW teilt mit, der US-Finanzinvestor Lone Star kaufe das gesamte Aktienpaket in Höhe von 90,8 Prozent. Für den Verkauf ist nach Angaben der KfW ein "angemessen positiver Kaufpreis" erzielt worden. Der Bund hoffte nach früheren Angaben auf Erlöse in Höhe von 800 Millionen Euro aus dem IKB-Verkauf.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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