Ende der Übernahmeschlacht Conti und Schaeffler einigen sich - Wennemer tritt zurück

In dem seit Wochen andauernden Übernahmekampf um den Autozulieferer Continental hat es in der Nacht eine friedliche Einigung gegeben. Conti und die fränkische Schaeffler-Gruppe vereinbarten ein umfangreiches Gesamtpaket. Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer tritt zurück.

Hannover/Herzogenaurach - Schaeffler erhöht das Angebot für Continental  und beschränkt sein Engagement innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung. Zum Schutz der Arbeitnehmer gibt es umfangreiche Zusagen. Conti wird nicht zerschlagen. Das teilte Continental am frühen Donnerstagmorgen in Hannover mit. Garant für die Wahrung der Conti-Interessen sei Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder.

Der 60 Jahre alte Conti-Chef Wennemer habe den Aufsichtsrat darum gebeten, ihn zum 31. August 2008 von seinem Amt zu entbinden, hieß es. Der Aufsichtsrat habe dieser Bitte "mit großem Respekt für die Leistung Wennemers" zugestimmt. Sein Nachfolger werde kurzfristig bestellt.

Die Einigung nach intensiven Verhandlungen in den vergangenen Tagen sieht vor, dass die Schaeffler-Gruppe ihr bisheriges Übernahmeangebot von 70,12 Euro pro Aktie auf 75 Euro pro Aktie erhöht.

Zudem sagte das wesentlich kleinere Familienunternehmen aus Herzogenaurach zu, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken. Schaeffler hält bereits 8 Prozent an Conti und hat nach eigenen Angaben über Finanzgeschäfte Zugriff auf weitere 28 Prozent.

Conti sprach von einem "akzeptablen Gesamtpaket". Es enthalte mit dem verbesserten Angebotspreis und einem zugesagten Nachteilsausgleich eine spürbar höhere Gegenleistung. Die Vereinbarung schaffe außerdem Klarheit über zukünftige Verhältnisse.

In der unbefristeten Vereinbarung, die frühestens im Frühjahr 2014 gekündigt werden könne, seien umfangreiche Regelungen zum Schutz der Interessen der Continental AG sowie ihrer Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden getroffen worden. Das erhöhte Angebot der Schaeffler-Gruppe entspreche einem zusätzlichen Betrag von rund 800 Millionen Euro für die Aktionäre beziehungsweise einer Prämie von 39 Prozent gegenüber dem Conti-Aktienkurs unmittelbar vor Bekanntwerden der Übernahmeabsicht. Die Annahmefrist für das Übernahmeangebot verlängere sich voraussichtlich bis zum 16. September, bisher endete die Frist am 27. August.

Schaeffler werde keine Verkäufe oder sonstige "wesentliche Strukturmaßnahmen" verlangen, hieß es. Gegen den Willen der Conti werde es auch keine Veränderungen etwa in Bezug auf die Unternehmensform, den Sitz, die Konzernzentrale und die Geschäftsbereiche sowie die Börsennotierung geben.

Risikoausgleich von bis zu 522 Millionen

Risikoausgleich von bis zu 522 Millionen Euro

Zudem verpflichtet sich Schaeffler zu einem Risikoausgleich bis zu einer Höhe von insgesamt 522 Millionen Euro für Verluste etwa steuerlicher Art, die im Zuge der Übernahme für Conti entstehen könnten.

Zum Schutz der Interessen der Arbeitnehmer werde Schaeffler ohne Zustimmung des Vorstands keinerlei Maßnahmen treffen oder unterstützen, die auf eine Änderung von Betriebsvereinbarungen oder tarifvertraglichen Vereinbarungen oder auf eine Abschaffung der paritätischen Mitbestimmung abzielten.

Garant zur Wahrung der Interessen von Continental, ihrer Aktionäre und Arbeitnehmer sei Alt-Bundeskanzler Schröder. Er sei berechtigt und ermächtigt, die Erfüllung der Verpflichtungen von Schaeffler jederzeit gerichtlich und außergerichtlich geltend zu machen.

Schaeffler hatte Mitte Juli überraschend ein Übernahmeangebot für Conti angekündigt. Conti-Vorstandschef Wennemer hatte zunächst eine harte Gegenwehr angekündigt und kritisiert, das Vorgehen der Franken sei "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos". Schaeffler habe sich über Finanzgeschäfte, Swap-Geschäfte, rechtswidrig an Conti "herangeschlichen".

Meldepflichten hat Schaeffler aus Sicht der Finanzaufsicht aber keine verletzt. Durch ein sogenanntes ein Swap-Geschäft mit der Investmentbank Merrill Lynch sei nicht gegen Meldepflichten des Wertpapiererwerbs- und Übernahmegesetzes oder des Wertpapierhandelsgesetzes verstoßen worden, teilte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) am Donnerstag mit. Die Behörde hat den Fall seit Mitte Juli überprüft.

In der vergangenen Woche aber hatte Conti den Fokus auf das Bemühen um eine friedliche Einigung gelenkt. Nach einer Aufsichtsratssitzung hatte Conti das Schaeffler-Übernahmeangebot von 70,12 Euro pro Aktie zwar erneut als nicht angemessen abgelehnt, aber zugleich kurzfristig weitere Verhandlungen angestrebt.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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