Krise Einstellungsstopp bei Merrill Lynch

Abschreibungen in Höhe von 45 Milliarden Dollar und horrende Verluste beim Rückkauf belasteter Papiere - Merrill Lynch ist seit der Kreditkrise wahrlich zum Sparen gezwungen. Nun kündigte die Bank an, in diesem Jahr keine Mitarbeiter mehr einzustellen. Davon ist allerdings eine Sparte ausgenommen.

Washington - Die angeschlagene US-Investmentbank Merrill Lynch  hat einer internen Mitteilung zufolge einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende verhängt. Demnach sollen Mitarbeiter, die das Unternehmen verlassen haben, nicht ersetzt werden. Zudem werden bereits eingeplante Stellen nicht besetzt.

Der Einstellungsstopp gelte jedoch nicht für die 16.690 Beschäftigten des Wertpapier-Provisionsgeschäfts, hieß es in der am Mittwoch konzernweit verbreiteten Mitteilung. Eine Sprecherin der Bank bestätigte den Inhalt des Papiers.

Merrill hat im ersten Halbjahr bereits 4200 Stellen abgebaut. Ende Juni hatte die Bank 60.000 Angestellte, die Börsenmakler nicht eingerechnet. Merrill hat im Zuge der Kreditkrise bereits mehr als 45 Milliarden Dollar abgeschrieben und gehört damit neben der Schweizer UBS  und der Citigroup  zu den stärksten Verlierern der Finanzkrise.

Ende Juli hatte Merrill die Märkte erneut mit hohen Abschreibungen geschockt, die aus dem Verkauf eines Pakets komplexer Anleihen (CDOs) resultierten. Ursprünglich hatte das Paket einen Wert von gut 30 Milliarden Dollar, Merrill verkaufte es aber für lediglich 6,7 Milliarden Dollar.

Dieser Verlust könnte der "Financial Times" zufolge nun dazu führen, dass die Bank in Großbritannien für mehrere Jahrzehnte keine Körperschaftsteuer zahlen muss und dem dortigen Fiskus damit acht Milliarden Dollar entgingen. Merrill habe fast sein komplettes Geschäft mit CDOs über die britische Tochter abgewickelt, weshalb diese zuletzt einen Verlust von 29 Milliarden Dollar ausgewiesen habe, berichtete das Blatt.

Diese Verluste könne Merrill steuerlich mit künftigen Gewinnen verrechnen. Die Bank war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen. Trotz der anhaltenden Schwierigkeiten, hatte Bankchef John Thain Anfang des Monats erklärt, er erwarte, dass sein Institut schon bald wieder profitabel werde.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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