Georg Kofler "Wie mit Anfang 30"

Vor einem Jahr ist Georg Kofler als Chef beim TV-Abokanal Premiere abgetreten. Seither betätigt er sich als Investor, unter anderem in der Energiesparbranche. Der 51-Jährige erklärt im Gespräch mit manager-magazin.de, warum Maschinenbau spannender als das Mediengeschäft ist und wie er einen Industriekonzern formen will.

mm.de: Herr Kofler, ein Jahr nach Ihrem Ausscheiden als Chef von Premiere  erklären Sie Unternehmern, wie diese Energie sparen können. Ist das im Vergleich zum TV-Business nicht sterbenslangweilig?

Kofler: Keineswegs. Ich habe wieder so ein Gründergefühl und die feste Überzeugung, dass wir da auf eine Wachstumswelle kommen. Es ist ein bisschen wie damals, als ich mit Anfang 30 ProSieben gründete. Aber jetzt habe ich die Möglichkeit, mir meinen unternehmerischen Traum selbst zu erfüllen. Mit eigener Arbeit, aber auch mit eigenem Kapital.

mm.de: Sie wollen 150 Millionen Euro aus Eigen- und Fremdmitteln in die Geschäftsidee stecken. Kein geringes Risiko in einer Branche, in der Sie ein Neuling sind.

Kofler: Die Marktchancen sind riesig und noch größer als beim privaten Fernsehen vor 20 Jahren, als es für uns nur um den deutschen Markt ging. Kofler Energies steht dagegen auch der Weltmarkt offen. Energiesparen ist ein globales Thema. Als deutsches Unternehmen haben wir enorme Exportchancen für die dazu notwendige Ingenieurskompetenz. Ingenieurskunst für Energieeffizienz "made in Germany" gilt im Ausland als glaubwürdig und zuverlässig.

mm.de: Nun fangen Sie erstmal in Deutschland an und haben mit der NEK Energy Consult bereits einen Konkurrenten übernommen. Bis 2010 soll der Umsatz 150 Millionen Euro, die Vorsteuerrendite 10 Prozent betragen. Und dann expandieren Sie?

Kofler: In der näheren Zukunft werden wir im deutschsprachigen Markt expandieren. Dann sind Italien und Frankreich an der Reihe. Wir haben bereits konkrete Anfragen. Später kommen Märkte wie die USA. Dort gibt es ein gigantisches Potenzial. Wenn Sie da in ein Hochhaus reingehen und sich die Klimaanlagen ansehen - das zerreißt Ihnen ja das Herz. Da lassen sich häufig mehr als 50 Prozent einsparen.

"Immer ein Fan von Outsourcing"

mm.de: Sie versprechen Ihren Kunden geringere Energiekosten und investieren dafür zum Beispiel in effiziente Wärmeanlagen. 10 Prozent der Ersparnisse streichen Sie ein, den Rest bekommt der Kunde. Gibt der sich denn damit zufrieden?

Kofler: Wir finanzieren die Energieanlage, der Kunde riskiert ja keinen Euro. Nach meiner Auffassung soll beispielsweise ein Maschinenbaubetrieb nicht in Heizkessel oder Kälteanlagen investieren, sondern in sein Kerngeschäft, nämlich die Entwicklung von Maschinen. Das mit der Energie machen wir. Ich war immer ein großer Fan von Outsourcing, schon im Fernsehgeschäft.

mm.de: Und Sie setzen sich dann mit dem jeweiligen Hausmeister darüber auseinander, wie der Kosten sparen kann?

Kofler: Ich trete meist auf Vorstands- oder Geschäftsführerebene mit den Unternehmen in Kontakt. Sechs Präsentationen in der Woche sind für mich keine Seltenheit. Die hohen Strompreise führen dazu, dass das Thema Energiepreise auf die Agenda des obersten Managements kommt. Vor drei oder vier Jahren war das noch eher ein Fall für den Haustechniker oder bestenfalls den Verwaltungsleiter.

mm.de: Sie haben einen Börsengang von Kofler Energies in Aussicht gestellt. Wann wird es so weit sein?

Kofler: Wenn sich Kofler Energies in den nächsten Jahren gut entwickelt, werde ich einen Börsengang erwägen. Der zeitliche Horizont dafür erstreckt sich aber sicher auf drei bis fünf Jahre. Es ist auch eine bestimmte Größenordnung nötig. Ein IPO mit 20 Millionen Euro Umsatz ist ja nicht so attraktiv. Der Umsatz sollte dann schon im soliden dreistelligen Millionen-Euro-Bereich liegen.

Ein modernes, wachstumsorientiertes Unternehmen gehört an die Börse. Auch die Quartalsberichte schrecken mich nicht. Es ist schon gut, wenn man sich einmal im Quartal der Kritik des Kapitalmarktes stellen muss.

"Den einen oder anderen Zukauf"

mm.de: Das einzige mittelständische Industrieunternehmen auf der Referenzliste von Kofler Energies ist derzeit die Leifeld Metal Spinning aus Ahlen mit 140 Mitarbeitern. Das Unternehmen gehört zu 95 Prozent Ihnen. Hält sich das Interesse der anderen in Grenzen?

Kofler: Wir reden zurzeit mit einem halben Dutzend mittelständischer Industrieunternehmen. Leifeld war sozusagen ein Selbstversuch, der ausgesprochen zufriedenstellend verlaufen ist. Ich wollte wissen, wie sich unser Konzept aus Sicht des Kunden anfühlt. Das war für mich der Lackmustest.

mm.de: Leifeld haben Sie im Herbst vergangenen Jahres übernommen. Es hieß, Sie konnten die Verlustvorträge der Firma mit den Gewinnen aus dem Verkauf Ihrer Premiere-Aktien verrechnen. Rührte Ihr Interesse am Maschinenbau vor allem daher?

Kofler: Ich konnte hier gar nichts verrechnen. Mich haben die Firma und die Branche interessiert, weil der Maschinenbau ganz offensichtlich von der Globalisierung profitiert. Bei Leifeld sehe ich noch großes Entwicklungspotenzial. Der deutsche Maschinenbau steht ja weltweit in hohem Ansehen.

mm.de: Der Maschinenbau hat neben Energie und dem Bereich Wagniskapital also eine feste Zukunft in Ihrer Unternehmensgruppe?

Kofler: Das Thema Maschinenbau werde ich weiterentwickeln, auch durch Zukauf des einen oder anderen mittelständischen Unternehmens. Daraus möchte ich einen größeren mittelständischen Konzern formen, vielleicht auch irgendwann unter der Marke Kofler. Ich habe dafür vielversprechende Manager eingestellt, die in diese Firmen eine moderne und leistungsorientierte Unternehmenskultur hineinbringen.

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