Konjunktur Streit um höhere Löhne

Hohe Tarifabschlüsse könnten die Inflation anheizen, fürchtet die EZB. Deswegen plädieren die Zentralbanker für mehr Bescheidenheit beim Lohn. Wirtschaftsexperten hingegen hoffen auf höhere Einkommen, um durch mehr Konsum die schwache Konjunktur anzukurbeln.

Berlin - Die Europäische Zentralbank ist alarmiert: In ihrem Monatsbericht erwartet sie für den Euro-Raum auf längere Zeit hohe Inflationsraten. Deshalb warnen die Zentralbanker vor allzu üppigen Abschlüssen bei den anstehenden Tarifverhandlungen im Euro-Raum.

Die EZB fürchtet, dass die Arbeitnehmerseite mehr Lohn fordert, um die ohnehin schon hohe Teuerung auszugleichen. Im Erfolgsfall steigen dann für Unternehmen die Kosten, weshalb sie die Preise für ihre Produkte erhöhen könnten. Dadurch würde die Inflation noch weiter steigen. Ein Teufelskreis.

Blieben die Arbeitnehmer bescheiden, so der Umkehrschluss, würde die Inflation zumindest nicht weiter angeheizt. Dabei bewegt sich die Teuerung auf weiterhin hohem Niveau. In ihrem Monatsbericht erwartet die EZB für das laufende Jahr eine deutlich höhere Inflationsrate, nämlich 3,6 Prozent. Bisher war man von 3 Prozent ausgegangen. Für 2009 ergeben die Prognosen ebenfalls einen höheren Wert, nämlich 2,6 Prozent - bisher ging man von 2,2 Prozent aus.

Wirtschaftsexperten setzen auf Lohnplus

Allerdings folgen nicht alle Beobachter dem EZB-Tenor: Trotz der Inflation hoffen Wirtschaftsexperten auf mehr Konsum, der das rückläufige Wirtschaftswachstum wieder ankurbeln könnte. Die Aussicht auf steigende Löhne und ein Ende der hohen Inflation dürfte die zurückhaltenden Verbraucher wieder spendabler werden lassen, sagt Klaus Zimmermann vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Andere Experten sehen das ähnlich: Angesichts der starken Teuerung wundere die Zurückhaltung der Verbraucher nicht, sagen Volkswirte der BayernLB. Analysten der NordLB gaben wiederum an, dass die jahrelange Lohnzurückhaltung zugunsten der Unternehmen und die Erhöhung der Mehrwertsteuer "entscheidenden Anteil an der Malaise" hätten.

Konsumforscher sind da ähnlicher Ansicht: Ihrer Meinung nach zeigt das schwache Wachstum, dass der Konsum im zweiten Quartal insbesondere unter der hohen Inflation gelitten habe. Dieses Thema habe bei den Bürgern "deutlich an Brisanz gewonnen", sagt Klaus Wübbenhorst, Chef der Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg. Es verwundere also nicht, dass Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und Energie ihren Tribut gefordert hätten.

"Die Verbraucher reagieren darauf mit Umschichtungen, Verzicht und gedrosseltem Konsum", sagt Wübbenhorst. Die durch gute Lohnabschlüsse erzielten Kaufkraftzuwächse werden seiner Auffassung nach nahezu vollständig von der Teuerung aufgezehrt. "Ohne reale Einkommenszuwächse sind aber die Chancen für einen nennenswerten Konsumzuwachs beschränkt."

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, reuters, dpa und ap

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