Ford-Strategie Der Fiesta als Weltidee

In Köln beginnt die Produktion des Weltautos Fiesta. Der Kleinwagen von Ford soll es auf ungekannte Stückzahlen bringen und den kranken Weltkonzern umkrempeln: Bald wird er auch in Mexiko vom Band laufen, in einem Werk, das bisher spritschluckende Geländewagen herstellte.

Detroit/Berlin - Der angeschlagene US-Autobauer Ford  hat am Donnerstag in Köln die Produktion des neuen Fiesta aufgenommen und damit einen entscheidenden Strategieschwenk eingeläutet. Ford setzt große Hoffnungen auf das Modell: Der neue Kleinwagen soll bald weltweit vom Band rollen und könnte mitentscheiden, ob der Konzern die gegenwärtige Krise meistert.

Ford fuhr allein im Frühjahr einen Verlust von knapp neun Milliarden Dollar ein, weil die Amerikaner keine spritschluckenden Geländewagen mehr kaufen wollen. Der Konzern musste deshalb sogar beteuern, noch genug Geld zum Überwintern während der Krise zu haben. In einer dramatischen Kehrtwende setzt er nun auf die sparsameren Pkw seiner europäischen Modellpalette. Dabei sollen eine weltweite Entwicklung und einheitliche Modelle die Kosten drücken.

Der neue Fiesta ist das erste Fahrzeug dieser neuen Strategie. "Wir feiern heute den Beginn einer neuen Ära", erklärte Ford-Chef Alan Mulally. Der Fiesta sei für die Zukunft des Konzerns "von großer Bedeutung". Ford plant, bis Ende 2010 rund zwei Drittel seiner Investitionsausgaben für Kleinwagen auszugeben.

Ford hat für den Fiestag 455 Millionen Euro seines knappen Budgets in den Standort Köln mit seinen insgesamt 17.000 Mitarbeitern gesteckt. Allein in diesem Jahr sollen dort 148.000 Fiesta gebaut werden. Bei voller Auslastung kann das Werk pro Tag in drei Schichten mehr als 1900 Pkw der neuen Modelle Fiesta und Fusion fertigen. Bei deutschen Autohändlern ist der Fiesta ab dem 11. Oktober zu haben.

Jedes Jahr eine Million Fiesta

Jedes Jahr eine Million Fiesta

Seit der Präsentation des ersten Fiesta 1976 liefen insgesamt bereits mehr als zwölf Millionen Exemplare vom Band. Ford setzt nun darauf, dass sich das neue Modell weltweit zu einem Verkaufsschlager entwickelt. Ab Januar soll das Auto deshalb auch im spanischen Valencia hergestellt werden, einige Monate später läuft die Produktion in China und Thailand an.

Anfang 2010 wird der Fiesta auch in Mexiko vom Band laufen - in einem Werk, dass bislang Geländewagen herstellt. Dann will Ford jedes Jahr eine Million Pkw auf der Fiesta-Plattform verkaufen. Der Marktstart in den USA ist für Ford besonders wichtig, weil der Konzern dort den Kleinwagen der japanischen Konkurrenten bislang nichts entgegensetzen kann.

Das fügt sich in die Strategie von Ford, Automodelle zu entwickeln, die sich weltweit in der gleichen Form verkaufen lassen. Selbst globale Konzerne wie Ford passen ihre in aller Welt verkauften Plattformen den lokalen Märkten oft stark an; die koreanischen Hersteller Hyundai und Kia gehen im Gegenteil sogar so weit, für Europa spezielle Modelle eigens in Europa entwickeln zu lassen.

Vom Ford-Modell "Focus" dagegen, das oberhalb des Fiesta angesiedelt ist, soll es künftig weltweit nur noch ein Fahrgestell geben, teilte der Autobauer bereits am Mittwoch mit. Damit soll unter anderem die Zahl unterschiedlicher Zubehörteile verringert werden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Ford Fiesta: Einmal um die ganze Welt

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