Konjunktur Deutsche Wirtschaft schrumpft wieder

Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2008 zum ersten Mal seit knapp vier Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt lag um 0,5 Prozent niedriger als im ersten Quartal, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mit. Von einer Rezession wollen Experten dennoch nicht reden.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft ist erstmals seit vier Jahren geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt sank im zweiten Quartal um 0,5 Prozent im Vergleich zum ersten Vierteljahr, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Einen so starken Rückgang hatte es zuletzt Anfang 2003 gegeben. 40 von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Minus von 0,8 Prozent gerechnet.

Zuletzt war die Wirtschaft im Sommer 2004 geschrumpft (-0,2 Prozent). Im ersten Quartal hatte sie mit 1,3 Prozent noch das stärkste Wachstum seit knapp zwei Jahren geschafft. Die Statistiker revidierten damit den bisherigen Wert von 1,5 Prozent leicht nach unten.

Der private Konsum ging im Frühjahr ebenso zurück wie die Investitionen der Unternehmen. "Insbesondere die Bauinvestitionen waren deutlich niedriger", hieß es. Experten hatten dies erwartet, nachdem wegen des milden Winters viele Bauprojekte bereits zu Jahresbeginn fertiggestellt werden konnten. Wachstumsimpulse kamen von April bis Juni lediglich vom Außenhandel - allerdings nicht, weil die Exporte so stark waren, sondern weil die Importe "signifikant" fielen. Dadurch ergibt sich rein rechnerisch ein positiver Beitrag vom Außenhandel.

Warnung vor "übertriebenem Pessimismus"

Ausführliche Ergebnisse nennen die Statistiker am 26. August. Trotz des Rückschlags warnen Experten vor übertriebenem Konjunkturpessimismus. "Von Rezession zu reden, das ist nicht nur verfrüht, sondern völlig fehl am Platz", sagte der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben der "Passauer Neuen Presse". Die Bundesregierung könne die Konjunktur mit Steuersenkungen stützen.

Die meisten Experten erwarten auch in den kommenden Monaten eine schwache Konjunktur. Als wichtigste Gründe dafür gelten die geringere Nachfrage aus dem Ausland und die Kaufkraftverluste der Verbraucher durch die hohe Inflation. Für das Sommerquartal halten Analysten ein leichtes Wachstum für möglich. "Wir erwarten eine Stabilisierung, auch weil die Ölpreise deutlich gesunken sind und der Euro schwächer geworden ist", sagte Dirk Schumacher von Goldman Sachs. "Das sollte helfen."

Für das gesamte Jahr 2008 rechnen Bundesbank und Institute mit einem Wachstum von etwa zwei Prozent, das sich 2009 auf rund ein Prozent halbieren dürfte. 2007 hatte die Wirtschaft noch um 2,5 Prozent zugelegt. 2006 waren es nach revidierten Angaben sogar 3,0 Prozent. Der Eurokurs stieg nach Bekanntgabe der Daten vorübergehend wieder über die Marke von 1,49 Dollar.

manager-magazin.de mit Material von reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.