Kaukasus "Katastrophe für den Rubel"

Russische Truppen dringen immer weiter in Georgien vor, Friedensappelle verhallen ungehört. Derweil werden erste wirtschaftliche Begleitschäden des Kaukasus-Konfliktes deutlich, in Tiflis und Moskau. Sorgen um die Ölversorgung im Westen wiegeln Experten allerdings ab - noch ist die Reaktion der Märkte maßvoll.

Moskau/Tiflis/Berlin - Der eskalierende Kaukasus-Konflikt hat den russischen Aktienmarkt auf seine größte Talfahrt seit knapp zwei Jahren geschickt. Zum Auftakt des vierten Kriegstages brach der Hauptindex der Börse in Moskau um mehr als vier Prozent ein und notierte auf dem tiefsten Stand seit November 2006. Nachdem Präsident Dmitri Medwedew ein Ende des Militäreinsatzes in Georgien in Aussicht gestellt hatte, erholten sich die Werte wieder, allerdings nur kurzfristig. "Da liegt noch viel Unsicherheit vor uns", sagte ein Händler einer größeren russischen Bank.

Auch die russische Währung litt unter den militärischen Auseinandersetzungen. Der Rubel verlor im Vergleich zu einem Devisenkorb aus Euro und Dollar rund 1,3 Prozent an Wert. Die russische Notenbank versuchte Händlern zufolge daraufhin, den Kurs durch den Verkauf ausländischer Währungen zu stützen. "Der russischen Regierung ist die regionale Vormachtstellung offenbar wichtiger, als die ohnehin erschütterte Meinung der internationalen Anleger von Russland wieder zu stärken", sagte der Analyst Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank . "Für den Rubel ist dies eine Katastrophe."

Analysten zufolge hat der russische Markt die sechste Woche mit einem Kapitalabfluss hinter sich. Die Gründe hierfür seien neben dem Kaukasus-Konflikt vor allem der Machtkampf bei der russisch-britischen Ölgesellschaft TNK-BP sowie die Attacken von Ministerpräsident Wladimir Putin gegen den größten einheimischen Kohlebergwerk-Betreiber Mechel.

Den blutigen Konflikt um die abtrünnige Region Südossetien bekommen die Bürger Georgiens auch finanziell zu spüren. Die Nationalbank Georgiens verschärfte am Montag ihre Geldpolitik. Sie verbot es Geschäftsbanken des Landes, Kredite zu vergeben und Operationen mit Bankkarten abzuwickeln, teilte ein Sprecher der Nationalbank in Tiflis mit.

"Genug liquide Mittel" in Georgien

Das Verbot gelte vorerst bis Ende dieser Woche. Geschäftsbanken in Georgien hätten gegenwärtig noch genug liquide Mittel, teilte die Zentralbank nach Angaben der Agentur Interfax mit.

Der Kaukasus-Konflikt könnte nach Expertenmeinung für leicht steigende Ölpreise sorgen. Georgien habe als Transitland eine strategische Rolle bei der Versorgung mit Öl aus der Region am Kaspischen Meer, sagte die Energieexpertin des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" in einem Artikel der Dienstagsausgabe.

Nur kurzer Ölpreisanstieg am Montag

Nur kurzer Ölpreisanstieg am Montag

Dennoch stieg der Ölpreis am Montag nur vorübergehend. Das Fass Rohöl der US-Sorte WTI war Montagmorgen um bis zu 1,50 Dollar teurer als zum Handelsschluss am Freitag, am Nachmittag lag das Preisniveau dann aber wieder in etwa auf dem Stand vom Freitag.

Insgesamt sei die Versorgungssicherheit aber nicht gefährdet, so Kemfert. Durch Georgien führt die transkaukasische Ölpipeline (Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline), die eine Million Barrel (je 159 Liter) Rohöl am Tag aus Aserbaidschan und Kasachstan an die türkische Mittelmeerküste transportieren kann. Diese Menge entspreche ungefähr einem Prozent des Weltölverbrauchs, sagte Kemfert.

Die Energieexpertin glaubt, dass sich der für 2010 geplante Bau der Nabucco-Gaspipeline durch den Militärkonflikt verzögern könnte. "Das kann die Planung zurückwerfen", sagte Kemfert. Die 3300 Kilometer lange Nabucco-Pipeline soll die EU ab dem Jahr 2013 an die Erdgasquellen im kaspischen Raum anschließen. In das Projekt ist im Frühjahr auch der Essener RWE-Konzern  als Partner eingestiegen.

Pipeline gekappt - Kurden wollen es gewesen sein

Auch das Wirtschaftsministerium mahnte mit Blick auf Ölpreis-Ängste zur Nüchternheit. Man sollte sich strikt an die Fakten halten, sagte eine Sprecherin und verwies ebenfalls auf den einprozentigen Weltförderanteil, der über die transkaukasische BTC-Pipeline durch Georgien transportiert werde. Deutschland wird offenbar kaum durch die BTC versorgt.

Derzeit ist die BTC-Pipeline ohnehin wegen eines Feuers auf türkischem Gebiet unterbrochen. Dieses Feuer konnte nach Angaben aus dem Ölkonzern BP am Montag gelöscht werden. Die Reparaturen dürften noch einige Tage dauern, hatte es zuvor bei der staatlichen türkischen Pipeline-Gesellschaft Botas geheißen. Die Kurden-Organisation PKK hatte die Verantwortung für die Explosion übernommen, die das Feuer ausgelöst haben soll.

manager-magazin.de mit material von reuters und dpa