Dienstag, 18. Februar 2020

Müllers Welt Amerikas schwärzeste Stunde

2. Teil: Verrat amerikanischer Werte

Zweitens: Trotz der trüben Lage und der düsteren Stimmung, habe ich in den USA bemerkenswert viele Menschen getroffen, die eine hellere Zukunft vorhersehen. Und die sich mit ihrer ganzen Energie dafür einsetzen.

Hoffnung? Die Stimmung in den USA ist düster, dennoch sehen viele Menschen Zeichen für eine hellere Zukunft
Schließlich gehört es zum Selbstverständnis Amerikas, sich immer wieder neu erfinden zu können.

Das gilt für jeden einzelnen: Umziehen, einen neuen Job anfangen, neue Freunde suchen - das ist die normale Härte des Lebens, die man bereit ist, auf sich zu nehmen.

Das gilt für die Gesellschaft als ganze: Amerikaner können sich vorbehaltlos für Neues begeistern - für neue Ideen, neue Technologien, neue Personen. Daher die Begeisterung für Barack Obama, der als Figur eine echte Innovation auf dem Markt der politischen Ökonomie ist, auch wenn sein politisches Programm bislang nicht so wahnsinnig innovativ daher kommt.

Man kommt nicht umhin, die derzeitige Lage der US-Wirtschaft mit der Situation in Deutschland zwischen 1993 und 2005 zu vergleichen: zwei Volkswirtschaften in einer tiefen Strukturkrise. Beides Gesellschaften, deren finanzielle Bedingungen sich verschlechterten, während andere Länder prosperierten.

Beides Nationen mit angebrochener Identität: Deutschland litt - und leidet noch - an der unglücklich vollzogenen Wiedervereinigung zweier sich fremder Gesellschaften und an der Krise des für das westdeutsche Selbstverständnis so wichtigen Sozialstaats.

Mehr zum Thema in:
manager magazin 09/2008

USA

Wo Amerikas Zukunft liegt, lesen Sie im manager magazin 09/2008 ab Seite 86.

Die USA beklagen den Verrat amerikanischer Werte durch Guantanamo und die Regierungslügen, die zum Irak-Krieg führten, und die Krise bringt viele Bürger vom gewohnt opulenten American Way of Life ab.

Zeit für eine Katharsis, für die große Reinigung - für eine Renaissance.

Ich glaube, Amerika wird diese Wiedergeburt leichter und schneller gelingen als Deutschland. Hinweise, Argumente und Fakten dazu lesen Sie, wie gesagt, im aktuellen Heft.

Dennoch: Es gibt keinen quick fix, keine schnelle Lösung. Amerika steht am Beginn eines langen, schwierigen Wegs. Wir werden ihn mit Interesse und mit Sympathie begleiten.

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