Südafrika Und es ward Licht am Kap

Um den Wirtschaftsboom und die Fußball-WM 2010 nicht zu gefährden, hat Südafrikas Regierung ein milliardenschweres Investitionsprogramm für den Energiesektor aufgelegt. manager-magazin.de sagt, wie deutsche Unternehmen vom Energiehunger der Regenbogennation profitieren können.
Von Thomas Schaal

Kapstadt - Der Strom wird knapp am Kap. Die Ursachen dafür sind erfreulich, die Folgen für Wirtschaft und Bevölkerung sind es nicht. Ein sattes Wirtschaftswachstum in den vergangenen Jahren hat durchschnittlich zu 4 Prozent Zuwachs in der Energienachfrage geführt. Der staatseigene Energieversorger Eskom und das Ministerium für Staatsbetriebe unter Minister Alec Erwin müssen nun dringend die Kapazitäten ausbauen und die vorhandenen Strukturen in Schuss halten, um die Wirtschaft auch zukünftig boomen zu lassen.

Eskom ist mit seinen Kapazitäten zur Stromproduktion nahezu ausgelastet, Energiereserven stehen kaum zur Verfügung. In der Folge bleibt der Strom regelmäßig weg, entweder mit oder ohne Vorankündigung. Das alles hat natürlich Auswirkungen auf die Wirtschaft. Als größte Volkswirtschaft im südlichen Afrika und Standort vieler Unternehmen der Rohstoff- und Schwerindustrie zählt Südafrika zu den energieintensiven Ländern.

Die Südafrikaner nehmen es mitunter gelassen, was kann man auch schon tun? Doch, man kann was tun. Der Leiter eines großen Lebensmittelmarkts in Noordhoek bei Kapstadt weist seine Leute an, verderbliche Ware schnell ins Kühlhaus zu verfrachten, wenn der Strom ausfällt. Dort bleibt Wurst und Milch länger kühl. Nach zwei oder drei Stunden, wenn der Strom wieder da ist, wird alles schön in die Kühlregale zurückgeräumt. Südafrikaner arbeiten lösungsorientiert.

Der Staat indes steht unter Druck und muss handeln. Eine Reihe von Sofortmaßnahmen wurde beschlossen, um den Energiebedarf zu decken. Neben neuen Kraftwerken wird zusätzliche Energie aus den Nachbarländern importiert.

Mit einem milliardenschweren Investitionsprogramm spendiert der Staat der Republik nun neue Kraftwerke. Die Kunden müssen dafür allerdings zukünftig bei der Stromabnahme etwas tiefer in die Tasche greifen. Angesichts der Herausforderungen bei Ausbau und Modernisierung der Energiestruktur eröffnen sich für deutsche Firmen interessante Investitions- und Kooperationsmöglichkeiten.

34 Milliarden Euro in fünf Jahren

"Safe Energy" ist derzeit das Leitmotto in Südafrika. Der Trend zum sorgsamen Umgang mit Energieressourcen ist in der Regenbogennation angekommen. Ökologische Aspekte treibt die Südafrikaner dabei weniger an. Die Stromressourcen am Kap sind knapp, die Preise steigen langsam. Südafrika produzierte im internationalen Vergleich Strom aus Steinkohle zu außergewöhnlich günstigen Konditionen. Energiesparen waren die Südafrikaner bisher nicht gewohnt.

Um langfristig ausreichende Produktionskapazitäten zur Verfügung zu haben, betreiben die staatseigenen Konzerne Eskom und Pebble Bed Modular Reactor, ein weltweit führendes Unternehmen in der Entwicklung von Kernenergietechnik, beträchtliche Investitionsprogrammen für Ausbau und Modernisierung der lokalen Energieinfrastruktur.

Allein der nationale Stromversorger Eskom verfolgt einen gewaltigen Ausbauplan mit dem Ziel, die derzeitige Stromkapazität von rund 40.000 Megawatt auf 80.000 Megawatt bis 2025 zu verdoppeln. Dabei sollen etwa 30 Prozent der zu erbringenden Stromversorgungsleistungen von privaten Kraftwerksbetreibern kommen. Eskom will zur Umsetzung der Ausbau- und Modernisierungspläne über die kommenden fünf Jahre etwa 34 Milliarden Euro investieren. Bis 2025 soll der Investitionsumfang etwa 100 Milliarden Euro umfassen.

Das 'White Paper on Energy' aus dem Jahr 1998 und das 'White Paper on Renewable Energy' von 2002 sind die wichtigsten energiepolitischen Grundsatzkonzepte der südafrikanischen Regierung. Der Integrated Energy Plan (IEP) des Ministeriums für Rohstoffe und Energie enthält langfristige Versorgungsszenarien und ist damit ein wichtiges Werkzeug für die politischen Entscheidungsträger.

Die Strategiepapiere sehen die Kernkraft als wichtige Energiequelle der Zukunft. Zudem werden erneuerbare Energiequellen im Energiemix stärker positioniert. Bis 2013 sollen etwa 15 Prozent des gesamten Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden - ein recht ambitioniertes Ziel. Im Fokus stehen Wind- und Solarenergie sowie Wasserkraft und Biomasse.

Im Mai 2008 hat der erste private Windpark an der Westküste Südafrikas offiziell seinen Betrieb aufgenommen und beliefert nun Kapstadt mit Strom aus Windenergie. Als Pionier brauchten die Anlagenbetreiber aus Europa einen recht langen Atem. Zehn Jahre hat es gedauert, bis sich nun die ersten Windräder drehen. Aber es hat sich gelohnt, und das Potenzial ist riesig.

Deutsche Technik ist gefragt

"Bis zu 40 Prozent des lokalen Investitionsprogramms sind importabhängig", schätzt Chris Forlee, zuständiger Leiter für Eskom beim Ministerium für Staatsbetriebe. Es wurde wenig im Energiesektor in den vergangenen 30 Jahren investiert. Die Industrie für Energietechnik hat sich daher nicht bedeutend weiterentwickelt. Im Gegenteil, Kapazitäten wurden sogar deutlich reduziert.

Um das lokale Energieprogramm mittel- bis langfristig nicht zu gefährden, will die Regierung nun eine eigene bedarfsgesteuerte und wettbewerbsfähige Industrie für Energietechnik in Südafrika fördern. Dazu hat sie das "Supplier Development Program" entworfen. Die Absicht ist, die Investitionsausgaben staatseigener Betriebe wirksam einzusetzen, um die Entwicklung einer lokalen Energietechnikindustrie zu entwickeln und - wenn möglich - Exportkapazitäten aufzubauen.

Die Investitionen in die Energieinfrastruktur und die Förderung einer lokalen Energietechnikindustrie bietet ausländischen Unternehmen hochinteressante Investitionsmöglichkeiten und Geschäftschancen. Der Energiesektor mit seinem hohem Kapital- und Modernisierungsbedarf wird in den kommenden Jahren einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Südafrikas sein. In allen Bereichen der Stromerzeugung sowohl für konventionelle als auch erneuerbare Energie wird neben Know-how vor allem Technologie benötigt.

Deutsche Großunternehmen und der Mittelstand sind dabei sehr willkommen, da deutsche Technik außerordentlich geschätzt wird. Diese Auffassung teilt auch Dieter Barlage, Geschäftsführer des gleichnamigen Sonderapparatebauers. "In fünf Jahren wird das Südafrika-Geschäft etwa 20 Prozent des Umsatzes generieren", ist sich Barlage sicher. Dazu hat das Unternehmen eigens lokales Personal eingestellt, um den Markt effizient zu bearbeiten.

Südafrika: Sechs goldene Regeln für den Erfolg

Verwandte Artikel