AUB-Prozess Mehr als 100 Zeugen

Der Prozess um die verdeckte Finanzierung der Arbeitnehmerorganisation AUB wird offenbar umfangreicher als bislang angenommen. Die Strafverfolger wollen mehr als 100 Zeugen hören.

Nürnberg - Entsprechende Zahlen der "Süddeutschen Zeitung" bestätigte am Mittwoch ein Justizsprecher. Die Dauer des Verfahrens gegen Ex-Siemens-Zentralvorstand Johannes Feldmayer und den langjährigen Chef der Arbeitsgemeinschaft Unabhängiger Betriebsangehöriger, Wilhelm Schelsky, werde entscheidend davon abhängen, ob die Angeklagten die Vorwürfe der Untreue und der Steuerhinterziehung einräumten.

Der Prozess vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth soll im September beginnen. Schelsky wird vorgeworfen, von Siemens  Zuwendungen in Millionenhöhe angenommen zu haben, um eine Konkurrenzgewerkschaft zur IG Metall aufzubauen.

Die Anklage wolle 18 ranghohe Siemens-Manager in den Zeugenstand rufen, schrieb das Blatt. Dazu zählten der frühere Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger, Ex-Vorstand Günter Wilhelm, der ehemalige Vorstand und spätere Aufsichtsratschef Hermann Franz, sowie dessen Nachfolger an der Aufsichtsratsspitze Karl-Hermann Baumann.

Daneben sollen Spitzenhandballerinnen des amtierenden deutschen Meisters 1. FC Nürnberg vernommen werden, darunter die Nationalspielerinnen Ania Rösler, Jana Krause und Christina Rohde.

Nach Erkenntnissen der Ermittler seien alle Mitarbeiter der AUB-Bundesgeschäftsstelle in Nürnberg bis 2001 Angestellte von Siemens gewesen und hätten ihr Gehalt vom Konzern bekommen, schrieb die Zeitung. Als dieses System dann aufzufliegen drohte, habe Schelsky das AUB-Personal bei sich eingestellt und fortan mit dem Geld bezahlt, das er von Siemens bekommen habe.

Die betroffenen Mitarbeiter hätten damals eine "Wiedereinstellungszusage" von Siemens erhalten, die fünf Jahre lang gegolten habe. Die AUB habe in ihrer Bundesgeschäftsstelle lediglich eine Putzfrau selbst bezahlt.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ddp.djn

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