Porsche/VW Betriebsräte auf Kollisionskurs

Der Streit über die Mitbestimmung bei Volkswagen nimmt an Schärfe zu. Nun greift Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück den früheren IG-Metall-Chef und VW-Aufsichtsrat Jürgen Peters an. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh forderte im Gegenzug endlich Bewegung in Zuffenhausen.

Frankfurt - Der Sportwagenbauer Porsche  schießt sich im Mitbestimmungsstreit mit dem VW-Betriebsrat auf den ehemaligen IG-Metall-Chef Jürgen Peters ein. Peters, der Vizechef des VW-Aufsichtsrats ist, wolle keine Einigung, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück dem Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL.

"Es geht um Machtspiele. In der IG Metall muss deshalb geklärt werden, wer jetzt bei den Verhandlungen dazu stößt", sagte Hück. Ständig gebe es neue "Knackpunkte" in den Verhandlungen.

"Es sieht danach aus, als würde jemand im Hintergrund alles torpedieren, weil er keine Einigung will." Wenn Peters am Verhandlungstisch sitze, müsse auch sein Nachfolger an der Gewerkschaftsspitze, Berthold Huber, dazukommen.

Bereits in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom Dienstag hatte Porsche-Finanzchef Holger Härter gegen Peters geschossen: "Die Rolle von IG-Metall-Funktionär Jürgen Peters im VW-Aufsichtsrat beispielsweise ist nicht unbedingt zielführend".

Peters wollte sich am Samstag nicht zu den Vorwürfen äußern. Zu Beginn des Streits hatte sich Peters auf die Seite des VW-Betriebsrates geschlagen: Die Regelung sei unverhältnismäßig.

Das Magazin "Focus" berichtete, zwischen Peters und Huber gebe es Streit um den Vizeposten im VW-Kontrollgremium. Peters und Huber hätten ursprünglich vereinbart, Peters solle in diesen Wochen den Platz für Huber räumen. Nun wolle er aber nicht gehen, bis der Streit mit Porsche ausgeräumt sei.

Ein Sprecher der IG Metall sagte am Samstag, die Kritik an Peters sei nicht nachvollziehbar. Bei der IG Metall seien alle bemüht, eine Lösung für eine angemessene Beteiligung der VW-Mitarbeiter in der neuen Porsche Holding zu finden. "Da gibt es in der IG Metall keine zwei Meinungen".

"Plumper Versuch von Porsche"

Osterloh: "Plumper Versuch von Porsche"

Bernd Osterloh, Betriebsratschef von Volkswagen , reagierte scharf auf die Porsche-Angriffe gegen seine Gewerkschaft: "Ich bin sehr erstaunt über den plumpen Versuch von Porsche, jetzt auch noch die IG Metall für das eigene Versagen verantwortlich zu machen. Die VW-Belegschaft, die Kollegen Huber und Peters und der Konzernbetriebsrat von Volkswagen sind geschlossen der Meinung, dass die bei Porsche verhandelte Mitbestimmungsvereinbarung erhebliche Mängel aufweist."

Fakt sei, dass Porsche-Vorstand und -Betriebsrat die Vereinbarung trotz der Einwände von IG Metall und VW-Betriebsrat unterzeichnet hätten. "Damit ist die Schuldfrage eindeutig geklärt." Er sei sich nicht mehr sicher, ob Porsche sich überhaupt einigen wolle. Klar sei aber, dass der VW-Betriebsrat bei einem Scheitern der Gespräche alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen werde.

Bei dem Streit geht es um die Mitbestimmung in der Porsche Holding, zu der VW gehören soll, sobald Porsche die Mehrheit an dem Wolfsburger Konzern übernommen hat. Vorgesehen ist, dass die 12.000 Arbeitnehmer von Porsche im Betriebsrat der Holding genauso großen Einfluss haben wie die mehr als 300.000 VW-Beschäftigten. VW-Arbeitnehmervertreter laufen seit Monaten Sturm gegen diese Regelung.

Mit einer Klage war Osterloh vor dem Arbeitsgericht Stuttgart gescheitert. Hück kam Osterloh jetzt in dem SPIEGEL-Interview entgegen: "Wenn er in der Porsche-Holding 34 Betriebsräte braucht, dann bekommt er 34." Bislang sind je 20 Porsche- und VW-Betriebsräte in der Holding vorgesehen.

Über Kreuz liegen Porsche und die VW-Arbeitnehmervertreter auch wegen der Sperrminorität des Landes Niedersachsen. Niedersachsen hält gut 20 Prozent an VW und will das Aktienpaket behalten. Das jüngst novellierte VW-Gesetz sichert dem Land ein Vetorecht zu. Porsche kritisiert dieses Sonderrecht heftig, während die VW-Arbeitnehmer und die IG Metall auf der Seite der Landesregierung von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) stehen.

Porsche hatte seinen Anteil an VW seit drei Jahren in Trippelschritten auf 30,6 Prozent ausgebaut und will spätestens im Oktober einen Mehrheitsanteil perfekt machen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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