Finanzkrise Erfindungsreiche Banker

Banken bieten eine verbesserte interne Risikokontrolle an, um einer schärferen Aufsicht zu entgehen. Dies reicht aber nicht aus, auch wegen des Erfindungsreichtums der Branche. Aufsichtsbehörden brauchen zusätzliche Instrumente, um bei Verfehlungen einzuschreiten.
Von Deborah Sturman

New York - Die Milliardenverluste mancher Banken durch die aktuelle Finanzkrise haben die Geldhäuser gezwungen, ihr Risikomanagement zu überprüfen. Zugleich sind sie in das Augenmerk der Aufsichtsbehörden gerückt. In der Folge denken nun beide Seiten - Banken und Aufsichtsbehörden - über Maßnahmen nach, die das Risiko eindämmen und das Ausmaß möglicher Verluste einschränken sollen.

Die Aufsichtsbehörden versuchen, das Risiko der Strategien von Banken dadurch zu verringern, dass die Banken zukünftig mehr Eigenkapital im Handelsbuch vorhalten müssen. Bisher ist es den Banken möglich, Wertpapiere im Handels- und nicht in ihrem Anlagebuch einzubuchen. So müssen sie weniger Eigenkapital vorweisen. Dies bedeutet: Je risikoreicher die Strategie eines Kreditinstituts ist, desto mehr Eigenkapital soll es nach dem Willen der Finanzaufsicht künftig einsetzen.

Die Banken setzen dagegen auf Selbstregulierung. So soll von den Geldhäusern ein Verhaltenskodex eingeführt werden, durch den sie selbst ihr Vorgehen regeln. Diesen Kodex hat der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, in seiner Funktion als Präsident des Internationalen Bankenverbandes (IIF) bereits vorgestellt Regulierung: Drahtseilakt für Ackermann.

Den Behörden die Angriffsfläche nehmen

Ferner stehen Pläne im Raum, die ein gemeinsames Gremium der Banken vorsehen, welches Krisen rechtzeitig erkennen und die Geldhäuser warnen soll. Weiterhin soll sich das Bonussystem der Banker nicht mehr ausschließlich an den kurzfristig erzielten Verlusten orientieren.

Hintergrund für derlei Bestrebungen zur Selbstregelung ist jedoch häufig lediglich der Versuch, den Aufsichtsbehörden zuvor zu kommen, um Eingriffe in die Geschäftsstrategien möglichst klein zu halten. Auf der anderen Seite weiß niemand außer den Banken selbst genau, wo die wichtigsten Risiken liegen, die es im Auge zu halten gilt.

Der Erfolg der risikomindernden Maßnahmen, ob aufsichtsbehördlich auferlegt oder von den Banken freiwillig eingeführt, setzt aber voraus, dass das Risikoniveau, vor allem das von neuen Finanzinstrumenten wie Subprime-bezogenen Wertpapieren, einigermaßen zuverlässig messbar ist.

Täglich neue Finanzinnovationen

Täglich neue Finanzinnovationen

Das Hauptproblem sowohl von Aufsicht als auch von interner Selbststeuerung bleibt jedoch, dass die Gewinnmotivation und der Scharfsinn der Banker immer wieder dazu führt, ständig neue Finanzierungsinstrumentarien zu entwickeln. Diese sind dermaßen hochkomplex, dass die Erstellung eines zuverlässigen Mechanismus zur Risikobeurteilung so lange dauert, bis die nächste Katastrophe eintritt.

Die Kontrolle hinkt also stets hinterher.

Im Zusammenhang mit der aktuellen Finanzkrise stellte sich auch heraus, dass manche Bewertungen der Ratingagenturen weit von der Realität entfernt waren, teilweise sogar durch banale Dinge wie die Nutzung fehlerhafter Software. Zudem funktioniert das bisherige System derart, dass sich der Verkäufer der zu bewertenden Wertpapiere die Ratingagentur aussucht und für deren Bewertung bezahlt. Dies ist sicherlich nicht optimal und bedarf einer Verbesserung, die zur Objektivierung der Bewertungen führt. Die Risikobemessung ist nur so gut wie die Risikobewerter.

Klar ist aber, dass die Risiken, vor allem jene der neuen und immer komplexeren Finanzinstrumente, auch künftig nur begrenzt messbar sein werden. Die Risikoeinschätzung ist eine komplexe Wissenschaft, bei der eine Vielzahl von Faktoren berücksichtigt werden muss. Eine Warnung vor Krisen im Voraus durch das Bankengremium scheint unter anderem deswegen in den seltensten Fällen möglich.

Durch die Pläne der Aufsichtsbehörden, die Risiken der Geschäftsstrategien durch erhöhte Anforderungen an das Eigenkapital einzudämmen, würde der Handlungsspielraum der Banken am Markt zum Teil eingeschränkt, was die Banken möglicherweise in nicht geringem Maße belastet.

Problematisch ist auch, dass die deutschen Aufsichtsbehörden nur wenige Durchsetzungsmöglichkeiten haben. Vordergründig kommen nur massive Eingriffe wie Lizenzentzug in Betracht oder - in strafrechtlich relevanten Fällen - Strafanzeigen.

Da ein Strafverfahren vorsätzliches Handeln voraussetzt, was in den meisten Fällen von zu hoher Risikobereitschaft nicht gegeben ist, bleiben die Möglichkeiten der Aufsichtsbehörden vergleichsweise begrenzt. Also wäre ein Verhaltenskodex, wie Ackermann ihn vorgestellt hat, hilfreich, da es den guten Willen der Banken formalisiert.

Dabei muss jedoch hinterfragt werden, warum das bereits bestehende Risikomanagement mancher Banken bisher nicht funktionierte. Die im Verhaltenskodex vorgesehenen Maßnahmen würden offensichtlich anders aussehen als die bisherige Praxis der Risikobeschränkung mancher Banken.

Sicherlich würde es nicht schaden, wenn den Aufsichtsbehörden mehr und diskretere Werkzeuge zur Verfügung stünden, um eingreifen zu können. Beispielhaft dafür wären die Auferlegung von Geldbußen oder die Einsicht in die Tagesgeschäfte eines Finanzinstituts nach Bekanntwerden einer Verfehlung.

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