Dienstag, 10. Dezember 2019

Inflation "Der Höhepunkt kommt erst noch"

Sinkende Ölpreise geben Verbrauchern Hoffnung, dass die Inflation ihren Würgegriff lockert und künftig mehr Geld übrig bleibt. Doch Konsumenten müssen sich gedulden, meint HSBC-Volkswirt Stefan Schilbe. Selbst wenn die Teuerung nachlässt, steht Europa bald vor dem nächsten Problem.

mm.de: Die Verbraucherpreise sind im Juli erneut um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Die Inflation in Deutschland ist damit auf dem höchsten Niveau seit 15 Jahren. Müssen wir uns auf weiter steigende Preise einstellen?

Preistreiber Nummer eins: Die hohen Rohölpreise werden sich noch im August in hohen Gas- und Strompreisen niederschlagen - obwohl der Preis je Barrel zuletzt deutlich gesunken ist
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Preistreiber Nummer eins: Die hohen Rohölpreise werden sich noch im August in hohen Gas- und Strompreisen niederschlagen - obwohl der Preis je Barrel zuletzt deutlich gesunken ist
Schilbe: Es bestehen gute Chancen, dass die Inflationsrate bis Jahresende etwas herunterkommt. Die stärksten Preistreiber waren im Juli erneut Benzin, Heizöl und Diesel: Der Rohölpreis hatte Mitte Juli mit 147 US-Dollar je Barrel einen Rekord erreicht, und Autofahrer in Deutschland mussten zeitweise rund 1,60 Euro je Liter Benzin zahlen.

In den vergangenen zwei Wochen ist der Ölpreis aber um knapp 15 Prozent gesunken - dieser Rückgang, der sich bereits an den Zapfsäulen bemerkbar macht, ist aber noch nicht in die monatliche Statistik eingeflossen. Sofern sich der Ölpreis beim aktuellen Niveau von rund 125 Dollar je Barrel stabilisiert oder gar weiter zurückkommt, dürften auch die Verbraucherpreise in Deutschland mittelfristig wieder sinken.

mm.de: Ein Rückgang von mehr als 10 Prozent beim Ölpreis ist beachtlich. Werden wir ab August wieder eine Inflationsrate von weniger als 3 Prozent sehen?

Schilbe: Nach meiner Einschätzung haben wir den Höhepunkt der Inflation in Deutschland noch nicht erreicht. Es ist gut möglich, dass wir im August eine Teuerungsrate von 3,5 Prozent oder mehr sehen.

Das liegt daran, dass eine Verteuerung beim Öl erst mit Verzögerung auf weitere Waren und damit auf den durchschnittlichen Warenkorb durchschlägt: Gas und Strom werden auf Grund dieses nachlaufenden Effekts im August wohl noch einmal teurer werden. Das gleiche gilt für Nahrungsmittel, und auch Dienstleistungen etwa aus dem Gaststätten- und Hotelgewerbe dürften sich noch einmal verteuern.

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