Exportmeister Deutschland Titelverteidigung dürfte glücken

Deutschland dürfte auch 2008 den Titel als Exportweltmeister behalten - und dabei mehr als eine Billion Euro erwirtschaften, errechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. China bleibt Deutschland aber eng auf den Fersen.

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr den Titel des Exportweltmeisters gegen China verteidigen und bei den Ausfuhren die Rekordmarke von einer Billion Euro knacken. Dies geht aus einer Konjunktur-Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei Auslandshandelskammern in über 80 Ländern hervor. "Trotz dieser Rekorde sind in diesem und nächsten Jahr die Aussichten für den deutschen Außenhandel nicht mehr so rosig", sagte DIHK-Außenwirtschafts-Chef Axel Nitschke am Dienstag.

Die geringere Dynamik der Weltwirtschaft treffe auch die erfolgsverwöhnte Exportwirtschaft. Nach einem Plus von 7 Prozent in diesem Jahr wird für 2009 einen Zuwachs von 6 Prozent erwartet. Im Boomjahr 2006 waren die Ausfuhren um 13,6 Prozent gestiegen. Von einem Einbruch könne aber keine Rede sein: "Der Zuwachs erfolgt zwar langsamer, aber weiterhin auf hohem Niveau", sagte Nitschke.

Trotz gewaltiger Zuwachsraten in Asien und Russland ist Europa unverändert wichtigster Absatzmarkt für deutsche Produkte. Rund 66 Prozent gehen in die EU-Länder, an der Spitze liegt Frankreich. Starke Zuwächse gibt es in Rumänien, Bulgarien und Polen. Die Exporte in die USA stagnieren. "Die US-Finanzmarktkrise hat nicht nur sinkende deutsche Ausfuhren zur Folge. 2009 dürften die USA erstmals seit 1997 den zweiten Rang unter den deutschen Ausfuhrländern einbüßen und hinter Großbritannien zurückfallen", sagte Nitschke.

In absoluten Zahlen gehen die Auslandshandelskammern von Exporten in Höhe von 1,080 Billionen Euro für 2009 aus. Im laufenden Jahr werden 1,020 Billionen Euro erwartet. Die Importe sollen 2008 um 7,5 Prozent und 2009 um 6,5 Prozent steigen. Deutschlands Überschuss in der Handelsbilanz - höhere Aus- als Einfuhren - könnte 2008 damit erstmals die Marke von 200 Milliarden Euro übertreffen und im Folgejahr auf 215 Milliarden Euro steigen. 2007 waren es 197 Milliarden.

Um den Titel des Exportweltmeisters liefern sich Deutschland und China ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Ob die Wirtschaft sich auch 2009 damit schmücken könne, hänge vom Wechselkurs des Euro zum US-Dollar ab. "Bleibt der Wechselkurs über 1,50, wird Deutschland auch im kommenden Jahr Exportweltmeister", sagte Nitschke. Die heimische Wirtschaft bewerte ihre Geschäfte überwiegend in Euro und liefere in den Euro-Raum. China verkaufe dagegen mehr in den US-Dollar-Raum. Im Reich der Mitte macht die deutsche Wirtschaft unverändert exzellente Geschäfte. Von den dort aktiven deutschen Firmen planen laut DIHK über 40 Prozent eine Ausweitung ihrer Aktivitäten.

Die Privatbanken warnten vor überzogenem Konjunkturpessimismus. "Aus heutiger Sicht wird die deutsche Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte wachsen, wenngleich nur mit recht geringem Tempo", sagte der Vorstand des Bankenverbands, Manfred Weber. Die Konjunktur werde aber gleich mehrfach in die Zange genommen. Neben der US-Krise und dem starken Euro mache sich wegen der Inflation die Konsumschwäche der Verbraucher bemerkbar. "Auch für die Weltwirtschaft werden die deutlich anziehenden Inflationsraten zu einem ernsthaften Risiko", sagte Weber.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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