Zwölf-Jahres-Hoch Tariflöhne klettern im Rekordtempo

Die Tarifverdienste in Deutschland sind im April so stark gestiegen wie seit 1996 nicht mehr. Gegenüber dem Vorjahresmonat kletterten die Gehälter der tariflich gebundenen Angestellten und Arbeiter im Schnitt um 3,5 Prozent. Der Anstieg ist auch auf die Gehaltssteigerungen im öffentlichen Dienst zurückzuführen.

Wiesbaden - Sowohl die Monatsgehälter der Angestellten als auch die Stundenlöhne der Arbeiter nahmen um 3,5 Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahresmonat zu, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mitteilte. Im selben Zeitraum legten die Verbraucherpreise nur um 2,4 Prozent zu.

Steigerungsraten bei den Verdiensten in dieser Größenordnung hatte es in Deutschland zuletzt 1996 gegeben, erklärte Markus Biermanski vom Statistischen Bundesamt.

Im April 1996 waren die Stundenlöhne der Arbeiter um 5,2 Prozent gestiegen, im Juli 1996 um 3,5 Prozent und seitdem nie mehr so stark. Die Monatsentgelte der Angestellten hatten im April 1996 um 4,1 Prozent zugenommen und bis zum Januar 2008 dann nie mehr über 3,0 Prozent gelegen.

4,6 Prozent mehr Geld in der Chemieindustrie

Der hohe Anstieg der Tarifverdienste 2008 ist laut Bundesamt vor allem auf die bereits bis einschließlich Januar 2008 wirksam gewordenen Tariferhöhungen zurückzuführen. Berücksichtigt wird hierbei die durchschnittliche Tarifverdienstentwicklung in allen erfassten Wirtschaftszweigen im Zeitraum Februar bis April 2008.

Für den Tarifindex bedeutende Tarifabschlüsse gab es im Berichtszeitraum in der Chemischen Industrie, wo die tariflichen Stundenlöhne im April 2008 insgesamt um 4,6 Prozent über dem Vorjahreswert. Zudem traten im Baugewerbe und im öffentlichen Dienst bereits zu einem früheren Zeitpunkt vereinbarte Tariferhöhungen in Kraft.

6,5 Prozent mehr Geld im öffentlichen Dienst

Im Baugewerbe stieg der tarifliche Stundenlohn von April 2007 bis April 2008 um 3,7 Prozent. Diese Zunahme beruht laut Bundesamt nur zu einem geringen Teil auf der zweiten Stufenerhöhung vom 1. April 2008. Der wesentliche Teil des Anstiegs geht auf die erste Erhöhung vom 1. Juni 2007 zurück. Seither stiegen die Tarifverdienste im Durchschnitt lediglich um 0,7 Prozent, wie die Statistiker weiter mitteilten.

Die tariflichen Monatsgehälter im öffentlichen Dienst erhöhten sich von April 2007 bis April 2008 um insgesamt 6,5 Prozent. Davon entfielen 4,5 Prozent auf die bereits am 1. Januar 2008 wirksam gewordenen Tariferhöhungen. Seither stiegen die Tarifverdienste in Deutschland rechnerisch um 2,0 Prozent.

Dieser Anstieg ergibt sich aus der zum 1. April 2008 vereinbarten Anpassung der oberen Entgeltgruppen für die beim Bund beschäftigten Angestellten in den neuen Bundesländern an das Westniveau sowie der zum gleichen Zeitpunkt in Kraft getretenen Tariferhöhung in den Gemeinden in den neuen Bundesländern.

manager-magazin.de mit Material von ap

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