Lufthansa-Streik Noch fliegen sie

Der Streik bei Lufthansa hat begonnen, doch noch heben die Flugzeuge der Fluglinie ab. "Noch läuft alles", so der Lufthansa-Kommentar. Noch, sagt man bei Verdi. Denn es brauche etwas Zeit, bis der laufende Ausstand seine volle Wirkung entfalten könne.

Hamburg/Berlin - Trotz des Streiks bei der Lufthansa sind Störungen im Flugverkehr am Flughafen Hamburg am Montag zunächst ausgeblieben. Es habe in der Hansestadt bislang keine streikbedingten Flugausfälle oder Verspätungen gegeben, sagte Lufthansa-Sprecher Wolfgang Weber am Vormittag in Berlin. "Noch läuft alles. Wir hoffen, dass es so bleibt." Der von dem Unternehmen entwickelte Notfallplan funktioniere. Auch der Flughafen Hamburg meldete keine Probleme bei der Flug- oder Passagierabwicklung. Es herrsche "ganz normaler Betrieb" an den Terminals, sagte Sprecher Matthias Quaritsch.

Die Gewerkschaft Verdi hat dagegen dem Eindruck widersprochen, die Beteiligung am Streik bei der Lufthansa  sei eher gering. "Unser Streik läuft sehr wohl", sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott am Montag im ZDF. Allerdings rechnet die Gewerkschaft nicht damit, dass ihre Arbeitsniederlegungen bei der Lufthansa schon am ersten Streiktag zu Problemen im Flugverkehr von und nach Hamburg führen werden. "Die Auswirkungen werden sich vermutlich erst Ende der Woche zeigen, Donnerstag oder Freitag", sagte Haucke Brockmann von der Hamburger Verdi-Streikleitung.

Verdi hat alle Lufthansa-Mitarbeiter in Hamburg aufgerufen, mit Dienstbeginn in der Nacht zum Montag für unbefristete Zeit die Arbeit ruhen zu lassen. Wie viele Angestellte dem Aufruf folgten, blieb zunächst unklar. Brockmann bezifferte die Zahl auf rund 1500. Das sei zunächst aber nur eine Schätzung, sagte er. Insgesamt hat die Lufthansa am Hamburger Flughafen nach Unternehmensangaben mehr als 8000 Mitarbeiter, und 7500 davon arbeiten im technischen Bereich bei der Flugzeug-Wartung und der Ersatzteil-Produktion. Am Montag war die Hansestadt neben Frankfurt am Main ein Schwerpunkt des Verdi- Streiks.

Die Arbeitsniederlegungen in Hamburg konzentrierten sich nach Angaben von Verdi-Sprecher Brockmann auf den technischen Bereich. Dies sei auch der Grund, warum der Streik zunächst keine direkten Auswirkungen auf den Flugbetrieb habe, sagte er. Es dauere eine Zeit, bis sich Streiks bei der Instandsetzung und der Bereitstellung von Flugzeugteilen bemerkbar machten. Brockmann ergänzte: "Dieser Streik ist nicht darauf ausgerichtet, den Flugverkehr lahmzulegen. Er soll wirtschaftlichen Schaden verursachen."

Die Stimmung ist gut

Die Stimmung ist gut

In dem Tarifkonflikt bei der Lufthansa verlangt Verdi höhere Gehälter für rund 50.000 Lufthansa-Beschäftigen am Boden und in der Kabine. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung angeboten.

Vor den Toren der Lufthansa-Basis in Hamburg versammelten sich am Morgen einige hundert streikende Verdi-Mitglieder. Viele trugen Gewerkschafts-T-Shirts mit Aufschriften wie "Wir sind mehr wert" oder "Gute Arbeit, gute Leute, gutes Geld" und machten mit Trillerpfeifen ihrem Unmut über Mitarbeiter Luft, die trotz der Streikaufforderung zur Arbeit gingen.

Die meisten Flugreisenden am Flughafen Hamburg nahmen den Streik am Morgen gelassen. Die Stimmung an den nur mäßig frequentierten Check-In-Schaltern der Lufthansa blieb entspannt. "Da braucht man sich vorher auch nicht künstlich aufzuregen", meinte der Geschäftsreisende Ingo Greb aus Hamburg, der auf dem Weg nach London war. Mit Blick auf die zunächst ausbleibenden Auswirkungen des Streiks ergänzte er: "Es läuft ja." Lediglich einige Geschäftsreisende waren nach eigenen Angaben früher gekommen, um notfalls auf andere Flieger oder Mietwagen umsteigen zu können.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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