WTO-Kompromiss Sorge um Arbeitsplätze

Sollten sich die deutschen Verhandlungsführer bei der Welthandelsrunde zu nachgiebig zeigen, drohe die Verlagerung von Arbeitsplätzen in der Automobilbranche aus Europa in Schwellenländer. Das zumindest sagt Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie.

Hamburg - Wegen der Nachgiebigkeit der Bundesregierung bei den Gesprächen zur Welthandelsrunde in Genf könnten deutsche Autokonzerne ihre Produktion in Schwellenländer verlagern. Der Kompromiss, der sich bei den Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) abzeichne, gefährde Arbeitsplätze in Europa, sagte der Geschäftsführer des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Klaus Bräunig, der "Financial Times Deutschland". Und weiter: "Es muss klar sein, dass die Politik hier nicht in erster Linie über das Wohl und Wehe der Automobilindustrie entscheidet, sondern vor allem über Standorte."

Würden Wachstumsmärkte weiter gegen Einfuhren abgeschottet, sei man gezwungen, dort zu produzieren, sagte Bräunig. "Wir würden Länder wie beispielsweise Indien gern von Europa aus beliefern. Wenn das allerdings nicht möglich ist, müssen wir noch stärker vor Ort in den Märkten produzieren. Wir liefern überallhin. Die Frage ist nur, von wo aus?"

Mit der Drohung reagierte der VDA auf einen Kompromiss in der Welthandelsrunde, der unter anderem dadurch zustande gekommen war, dass EU-Unterhändler Peter Mandelson, der die Unionsländer in der WTO vertritt, bei der wichtigsten deutschen Forderung nachgegeben hatte.

Dabei geht es um eine Begrenzung der Ausnahmen von den angestrebten Zollsenkungen, um zu verhindern, dass Regierungen weiterhin ganze Branchen abschotten. Die "FTD" zitiert Aussagen aus der deutschen Delegation, dass man zwar "große Bauchschmerzen" mit dem von Mandelson ausgehandelten Kompromiss habe. Die Deutschen würden den Kompromiss jedoch nicht infrage stellen, um einen Abschluss der Handelsrunde nicht zu gefährden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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