Lufthansa-Streik Verdi zielt auf Frankfurt und Hamburg

Zehntausende Lufthansapassagiere müssen sich am Montag vor allem in Frankfurt und Hamburg auf Flugausfälle und Verspätungen einstellen. Dies sind laut Gewerkschaft Verdi die Schwerpunkte des unbefristeten Arbeitskampfes während der Hauptreisezeit. Die Lufthansa arbeitet an einem Notplan.

Frankfurt am Main - Harald Reutter, der Sprecher der Gewerkschaft Verdi, sagte am Sonntag in Berlin, diese beiden großen Flughäfen seien am ersten Streiktag die Schwerpunkte des Arbeitskampfs, der in die Hauptreisezeit fällt. "Es wird zu Verspätungen kommen", sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott voraus. Reutter betonte: "Wir streiken nicht gegen die Fluggäste. Unser Ziel ist, das Unternehmen wirtschaftlich unter Druck zu setzen." Ob und wie viele Flüge ausfallen, hänge von der Lufthansa ab.

Die größte deutsche Fluggesellschaft versucht den Betrieb mit einem Notfallplan aufrecht zu erhalten. "Da müssen wir uns überraschen lassen. Oberste Priorität ist es, die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich zu halten", sagte eine Sprecherin.

Der erste große Streik bei der Lufthansa seit 13 Jahren beginnt am Montag um 00.00 Uhr, die erste Maschine soll laut Flugplan um 06.30 Uhr abheben. Kunden können sich auf der Internetseite www.lufthansa.com oder über die kostenlose Telefonnummer 0800/8506070 über die Folgen des Streiks für ihre Reisepläne informieren.

Verdi: 10 Prozent mehr für Kabinen und Bodenpersonal

In einer Urabstimmung hatten sich 90,7 Prozent des bei Verdi organisierten Kabinen- und Bodenpersonals der Lufthansa für einen unbefristeten Streik ausgesprochen. Die Tarifverhandlungen waren zuvor gescheitert. "Wir werden so lange streiken, bis wir ein Ergebnis haben", sagte Reutter. Vor einer Wiederaufnahme der Verhandlungen fordert die Gewerkschaft ein Signal des Konzerns.

"Nur wenn das Angebot deutlich verbessert wird", werde es neue Gespräche geben. Die Lufthansa sieht dagegen Verdi am Zug, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die Gewerkschaft fordert für die rund 50.000 Beschäftigten 9,8 Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Die Lufthansa bietet 7,7 Prozent mit 21 Monaten Laufzeit.

Grundsätzlich seien alle Bereiche in den Streik einbezogen, sagte Reutter. Allerdings ist die Gewerkschaft in der Technik - dort werden die Flugzeuge gewartet - und der Zubereitung der Bordverpflegung (Catering) weit stärker vertreten als etwa beim Kabinenpersonal.

Fünf Millionen Euro Kosten pro Tag

Fünf Millionen Euro Kosten pro Tag

Bei einem zweitägigen Warnstreik der Piloten bei Lufthansa CityLine und der Tochter Eurowings waren vergangene Woche 1000 innerdeutsche Flüge ausgefallen. Medienberichten zufolge will die Lufthansa Personal bei anderen Fluggesellschaften ausleihen oder die Bordverpflegung von anderen Caterern beziehen, um den Streik zu bewältigen. Sie hatte eingeräumt, dass sich bereits die Streikdrohung auf die Buchungen der Kunden ausgewirkt hatte.

Commerzbank-Analyst Frank Skodzik schätzt die Kosten des Streiks für die Lufthansa im "Tagesspiegel" auf fünf Millionen Euro pro Tag. Der Haushaltsexperte der Unionsfraktion, Steffen Kampeter, sagte: "Die Fluggesellschaften trifft es doppelt: nach dem Kerosinschock jetzt auch noch der Ärger bei den Lohnkosten."

Politiker der Koalition forderten die Parteien zur raschen Beilegung ihres Tarifkonflikts auf. Ärgerlich sei, dass bei Lufthansa "weniger der Streikgegner getroffen wird, sondern Unbeteiligte. Darunter viele Urlauber", sagte der SPD-Politiker Rainer Wend der "Welt am Sonntag". Es werde zurecht Diskussionen geben da "relativ wenige eine Infrastruktur lahmzulegen drohen".

Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein appellierte an die Tarifparteien, den Konflikt nicht zu überziehen. "Gerade auch viele Arbeitnehmer und ihre Familien, die ihren wohlverdienten Urlaub bereits lange gebucht haben, wären die Leidtragenden."

Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt warnte im "Handelsblatt" vor hohen Tarifabschlüssen, die über eine Lohn-Preis-Spirale die Inflation anheizten. "Dadurch könnten wir (...) den Abschwung noch verstärken", sagte er.

"Familien wären die Leidtragenden"

"Familien wären die Leidtragenden"

Politiker fordern unterdessen den Konzern und die Gewerkschaft Ver.di zur raschen Lösung ihres Tarifkonflikts auf."Die Tarifautonomie ist ein hohes Gut", sagte Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) der "Welt am Sonntag". "Ich appelliere aber an die Tarifparteien, den Konflikt bei der Lufthansa nicht zu überziehen. Gerade auch viele Arbeitnehmer und ihre Familien, die ihren wohlverdienten Urlaub bereits lange gebucht haben, wären die Leidtragenden."

SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte der Zeitung: "Man muss akzeptieren, dass in einem Arbeitskampf gestreikt wird. Aber es ist natürlich ärgerlich, dass weniger der Streikgegner getroffen wird, sondern Unbeteiligte. Darunter sind viele Urlauber." Darum appelliere er "an beide Tarifparteien, doch noch zu einer schnellen Lösung zu kommen".

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Klaus Lippold (CDU), fordert, "jede Möglichkeit, diesen Streik zu vermeiden", zu nutzen - "nicht nur um die Bürger sicher in den Urlaub gelangen zu lassen, sondern auch um über ein klares Verhandlungsergebnis die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftfahrtindustrie nicht zu schädigen".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

Lufthansa-Streik: "Nur noch marginaler Flugbetrieb"

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