Energiemarkt Auch Vattenfall will Stromnetz verkaufen

Nach dem Energiekonzern Eon hat auch der Versorger Vattenfall Europe den Verkauf seiner großen Stromnetze in Deutschland angekündigt und damit neuen Betreibern den Weg geebnet. EnBW hingegen will an seinem Netz festhalten.

Düsseldorf - Vattenfall Europe , die deutsche Tochter des schwedischen Konzerns Vattenfall, kündigte am Freitag an, ihren Übertragungsnetzbetreiber veräußern zu wollen. Der Verkauf an einen "seriösen und finanzstarken Investor" könne in der ersten Jahreshälfte 2009 abgeschlossen sein. Branchenexperten schätzen den Wert auf 900 Millionen Euro.

"Wir haben in den vergangenen Monaten intensiv alle Optionen geprüft und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Verkauf unseres Höchstspannungsnetzes an einen seriösen und finanzstarken Investor ein sinnvolle Lösung sein könnte", sagte Vattenfall-Europe-Chef Tuomo Hatakka. Der Käufer müsse langfristig an den Netzen orientiert sein, substanzielle Investitionen in den Ausbau sicherstellen und einen freien Zugang gewährleisten.

"Entflechtung scheint unausweichlich"

Das Netz von Vattenfall hat eine Länge von 9500 Kilometern und ist damit kleiner als das 10.600 Kilometer lange Eon-Netz. Die Trassen liegen in Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Vattenfall Europe Transmission beschäftigt rund 500 Mitarbeiter und erzielte 2007 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro.

Vattenfall verwies auf die anhaltende Debatte um die Forderung der EU-Kommission nach einer eigentumsrechtlichen Trennung von Stromerzeugung und Netzbetrieb. "Eine Entflechtung des Strommarktes scheint unausweichlich." Die EU-Kommission verspricht sich davon mehr Wettbewerb und niedrigere Preise.

Dämpfer für die Bundesregierung

Beobachter bewerteten am Freitag den Entschluss Vattenfalls als Dämpfer für die Bundesregierung. Deutschland hatte kürzlich mit Frankreich und anderen EU- Ländern eine zwangsweise Trennung von Produktion und Leitungsnetzen verhindert. Jetzt schaffen die Stromriesen selbst Fakten und bieten ihre Netze, die zu niedrigere Renditen bringen, zum Verkauf an. Die Position der Bundesregierung gegenüber Brüssel bei der Neuordnung der Energiemärkte werde damit geschwächt, hieß es.

Eon  hatte einem Verkauf seines Höchstspannungsnetzes zugestimmt, nachdem die EU-Kommission in Aussicht stellte, Kartellverfahren beizulegen. Analysten schätzen den Wert des Eon-Netzes auf 1,8 Milliarden Euro. Der Konzern hatte die Möglichkeit einer Netz AG ins Spiel gebracht, in der die vier führenden Betreiber Eon, Vattenfall, RWE  und EnBW  ihre Trassen einbringen könnten.

EnBW hält an seinen Netzen fest

EnBW hält an seinen Netzen fest

EnBW  bekräftigte am Freitag, an seinen Übertragungsnetzen festzuhalten, und widersprach damit einem Vorabbericht der "Welt". Das Unternehmen habe sich zwar am Kapitalmarkt über den Wert der Netze informiert, sagte ein Sprecher. "Wir waren neugierig, wie der Kapitalmarkt die Netze bewertet. Der Kapitalmarkt bewertet die Netze positiv." Dies bestätige den Konzern aber in seiner Absicht, "die Netze nicht zu verkaufen".

Die "Welt" hatte berichtet, EnBW spreche mit der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) über einen Teilverkauf.

Für Vattenfall dürfte der politische Druck aus Brüssel nicht allein ausschlaggebend gewesen sein. "Die Entscheidung von Vattenfall kommt nicht überraschend", sagte Sal.-Oppenheim-Analyst Matthias Heck. "Auf Vattenfall dürften ähnlich wie auf Eon wegen des Anschlusses von On- und Off-Shore-Windanlagen in den kommenden Jahren ernorme Investitionen zukommen." Von daher dürfe es sich um eine strategische Entscheidung handeln.

Netzbetreiber und Finanzinvestoren interessiert

Potenzielle Investoren stehen bereits bereit. Neben dem britischen Netzbetreiber National Grid und dem australischen Finanzinvestor Macquarie hat auch die US-Investmentbank Morgan Stanley Interesse an den Netzen angemeldet. "Wir schauen uns die auf den Markt kommenden deutschen Übertragungsnetze genau an", sagte der zuständige Morgan-Stanley-Manager Markus Hottenrott am Freitag. Bei größeren Investments seien auch Käufer-Konsortien denkbar.

Als mögliche Bieter werden in Finanzkreisen auch die britischen Beteiligungsfirmen 3i und Terra Firma sowie die Deutsche-Bank-Tochter Rreef und der Allianz-Konzern gehandelt.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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