A380-Auslieferung Scheich Ahmed und der Riesenvogel

Die Airbus-Mitarbeiter jubeln, die Emirates-Stewardessen strahlen noch mehr als sonst: Bei der Übergabe der ersten "deutschen" A380 rücken die Probleme für einen Tag in den Hintergrund. Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Saeed erfreut sich an den teuren Spielereien in seinem Flieger.

Hamburg - Das große Glück liegt für seine Hoheit nur noch 24 Treppenstufen entfernt. Doch bevor Emirates-Chef Scheich Ahmed bin Saeed Al-Maktoum samt Gefolge die Gangway betritt und seine erste A380 endlich von innen sieht, muss er sich den Weg vorbei an 2300 Airbus-Mitarbeitern bahnen. Allesamt in hellblaue T-Shirts gekleidet, winken und kreischen sie auf dem vor Hitze flimmernden Rollfeld von Hamburg-Finkenwerder.

Der Scheich, die schwitzenden Flugzeugbauer und auch Airbus-Chef Tom Enders, der Scheich Saeed hinaufbegleitet, verbindet an diesem Tag das Gefühl kollektiver Erleichterung. Mit Emirates bekommt endlich der wichtigste A380-Kunde die erste Maschine. Und Deutschland ist mit der ersten Auslieferung einer "Hamburger" A380 nun vollwertiger Produktionsstandort für das größte jemals gebaute Flugzeug.

Zumindest an diesem Tag soll der Ärger über die beispiellose Serie von Pleiten, Pech und Pannen bei der Produktion der A380 der reinen Freude weichen. Verstimmungen hatte es auch zwischen Airbus und Emirates gegeben, die Rede ist von Strafzahlungen in dreistelliger Millionenhöhe wegen der Verzögerungen.

Übergabe mit zwei Jahren Verspätung

Scheich Saeed und Tom Enders gehen angesichts von so viel Zwist im Vorfeld recht entspannt miteinander um. "Es ist wichtiger, dass der Kunde einen ausgereiften Flieger bekommt", entschuldigt sich Enders noch einmal für die Verspätungen, die im Fall von Emirates immerhin zwei Jahre betragen.

Pflichtschuldig bedankt er sich für das Vertrauen seines größten Kunden. "Aber Emirates verteilt keine Geschenke", sagt Enders. Als knallharte Businessmen wüssten Saeed und der Chef des operativen Geschäfts, Tim Clark, wie sie ihr Geld anzulegen haben.

Seine Hoheit, erschienen im dunklen Anzug, ringt sich ein Nicken ab. Er werde 32 Milliarden Dollar für seine 58 Maschinen des Typs A380 investieren – inklusive Motoren und der Kabinenausstattung.

Für dieses Geld durften seine Entwickler ein Feuerwerk an Luxus und Überfluss zünden. Kein Wunder, dass Scheich Saeeds Augen zu glänzen beginnen, als er die weiß lackierte Maschine erstmals als sein Eigentum betritt und das Ergebnis betrachtet. "Es ist ein wunderschönes Flugzeug", sagt er nur und genießt ansonsten still. Es ist seinem Vizepräsidenten Terry Daly überlassen, den 300 Journalisten aus aller Welt die Vorzüge der neuen Maschine zu erklären.

"Ein wunderschönes Flugzeug"

"Ein wunderschönes Flugzeug"

Der Flieger ist so breit, dass an manchen Stellen Zwischenwände den Reisenden in der Economy Class das Gefühl vermitteln sollen, in einem "normalen" Flugzeug unterwegs zu sein und nicht auf einer Fähre.

Doch auf dem Unterdeck mit seinen 399 Sitzen halten sich Enders und Saeed gar nicht erst lange auf. Sitzabstände von 84 Zentimetern mögen den gemeinen Geschäftsreisenden begeistern, und 10,6-Zoll-Bildschirme an jeder Rückenlehne, auf denen 1100 Unterhaltungskanäle bereitstehen, Touristen faszinieren.

Wer allerdings den ganzen Luxus auskosten will, muss eine Etage höher buchen. Normalerweise sind die Flugbegleiterinnen in ihren beigen Uniformen, roten Hüten und weißen Schleiern dazu angehalten, Passagiere von unten sanft lächelnd darauf hinzuweisen, dass die Treppe für sie tabu ist.

Saeed, Clark und die anderen Emirates-Vorstände nehmen die Stufen ins Oberdeck in wenigen Sekunden und finden sich an einer Lounge-Bar wieder.

Der Tresen ist tatsächlich aus Stein gefertigt - einer leichten Sorte, wie Daly betont. Wasserspiele und zahlreiche Whiskysorten bieten dem Fluggast ein Ambiente, das den Flugpreis von gut 9000 Dollar in der Businessclass und knapp 15.000 Dollar in der First Class auf der Premierenstrecke von New York nach Dubai beinahe vergessen lässt.

Wie man das Jetlag wegzaubert

First Class Ticket für 15.000 Dollar

Wer in den 76 weißen Schachteln der Business Class oder den 14 etwa zwei Meter langen Kabinen der First Class Platz gefunden hat, muss auch auf langen Flügen nicht auf den gewohnten Wechsel von Tag und Nacht verzichten. Um die mit einem Jetlag verbundenen Beschwerden zu minimieren, simuliert die Lichtanlage sowohl Sonnenuntergang und Nachtstimmung. Zum Wecken zwitschern dann beim Sonnenaufgang die Vögel.

Viele der Annehmlichkeiten wie die beiden Duschen, goldene Bedienknöpfe, Frischluftgebläse und eine elektrisch versenkbare Bar tragen die Handschrift von Tim Clark, schmunzelt Tom Enders. Clark sei einer der ambitioniertesten Innenausstatter, mit denen er je zu tun hatte, meint der Airbus-Chef.

Auch an den verspielten Details, bei denen die Kosten offenbar eine Nebenrolle gespielt haben, zeigt sich der unerschütterliche Glaube von Emirates an eine goldene Zukunft der Luftfahrt. Angesichts explodierter Kerosinpreise und Hunderter eingemotteter Flugzeuge bei der Konkurrenz wirkt dieser auch in Hamburg zur Schau getragene Optimismus beinahe schon anachronistisch.

Airbus jedoch kann sich daran festklammern. Während Louis Gallois, Chef des Mutterkonzerns EADS, vor einem Rückgang bei den Bestellungen warnt, sind die Überweisungen von Emirates für den Flugzeugbauer eine lebensnotwendige, weil offenbar dauerhaft währende Infusion. Sie erhält nicht nur das A380-Programm trotz heftiger Rückschläge am Leben. Der von den hohen Rohstoffpreisen gespeiste Boom am Golf macht's möglich.

Fast schon beiläufig kündigt Scheich Saeed während der A380-Präsentation die nächste Megainvestition seiner Airline an. 30 weitere Maschinen des Typs 30 A330 und A350 soll Airbus liefern. Laut Katalogpreis von rund 125 Millionen Euro je Flugzeug würde sich die Bestellung auf bis zu rund 7,5 Milliarden Euro belaufen.

"Bis 2012" werde der Besucherstrom nach Dubai auf 15 Millionen im Jahr wachsen. Einen mahnenden Unterton, die Maschinen entsprechend zügig auszuliefern, wollte an diesem Tag in Hamburg jedoch kaum jemand wahrgenommen haben.

A380 für Emirates: Steintresen, goldene Knöpfe, Wasserspiele Von Dubai bis Frankfurt: Wo die A380 landen wird

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