Russland Daimler pokert um Lkw-Bauer Kamaz

Die Daimler AG prüft eine Beteiligung am Lastwagenbauer Kamaz. Der russische Konzern ist rund 2,5 Milliarden Euro schwer. Der Einstieg wäre eine strategische Kehrtwende, wollte Daimler bisher im Osten doch aus eigener Kraft wachsen.

Stuttgart - Der weltgrößte Nutzfahrzeughersteller Daimler  verhandelt über ein milliardenschweres Aktienpaket des russischen Lkw- und Busherstellers Kamaz. Das teilte der Stuttgarter Konzern am Freitag mit. Daimler ist demnach exklusiver Verhandlungspartner der Investmentgesellschaft Troika, die 42 Prozent verkaufen möchte.

Bis Mitte Oktober sollen die Bücher des Konzerns mit einem Börsenwert von zuletzt rund 2,5 Milliarden Euro eingehend geprüft werden. Daimler avisiert einen Geschäftsabschluss bis Jahresende. Nach eigenen Angaben hat sich der Konzern in einem Bieterverfahren gegen "andere westeuropäische Hersteller" durchgesetzt, um exklusiver Verhandlungspartner zu werden.

Zu dem Bieterverfahren sollen Volvo , MAN  und Iveco eingeladen worden sein, wobei MAN umgehend abgelehnt habe. Das berichtet die Nachrichtenagentur Reuters unter Verweis auf Unternehmenskreise. Später wolle Daimler die Mehrheit an Kamaz übernehmen. Russland solle einer der weltweit fünf größten Absatzmärkte für Daimler Trucks werden. Mit einem Einstieg bei Kamaz bekäme Daimler schneller Zugang zum russischen Markt als mit dem Aufbau einer eigenen Produktion.

Mit der Kamaz-Offerte vollzieht Daimler eine Kehrtwende. In den vergangenen Monaten hatte Daimler-Lkw-Chef Andreas Renschler mehrfach einen möglichen Einstieg bei Kamaz von sich gewiesen. Der russische Konzern sei nicht interessant, hoch bewertet und habe Altlasten, hatte er gesagt. Stattdessen hatte Renschler den Bau eines Lkw-Montagewerks in Russland geplant.

Die russische Regierung ist an Kamaz mit gut 38 Prozent beteiligt, 8 Prozent der an der Moskauer Börse notierten Kamaz-Aktien sind im Streubesitz. Kamaz verkaufte im vergangenen Jahr 53.000 Nutzfahrzeuge und gut 1200 Busse. Bei schweren Lkw ist der Konzern Marktführer in Russland. Produziert wird außer in Russland in Polen, der Ukraine, Kasachstan, Aserbaidschan und Vietnam. Die Kapazitäten reichen Analysten zufolge für die Produktion von jährlich 85.000 Nutzfahrzeugen. Mit Hilfe eines ausländischen Konzerns wolle Kamaz modernere Motoren entwickeln und sich gegen die wachsende Konkurrenz aus Fernost wappnen.

2007 erwirtschaftete Kamaz einen Umsatz von 3,8 Milliarden Dollar, der Gewinn vor Steuern und Zinsen liegt bei knapp 10 Prozent der Erlöse. Die Daimler-Aktie machte einen Teil ihrer Kursverluste aus dem frühen Geschäft wett, erholte sich aber nicht von dem zehnprozentigen Kurssturz vom Donnerstag. Am Vormittag lag sie 0,7 Prozent im Minus bei 38,19 Euro.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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