Conti/Schaeffler Der Poker wird heißer

Gerade noch wetterte Conti-Chef Manfred Wennemer gegen Schaeffler. Nun strebt er eine Einigung mit den Angreifern an. Kein Wunder: Schaeffler hat eine komfortable Position, die ersten Conti-Aktionäre werden offenbar schwach. Trotzdem steht eine heiße Pokerphase im Kampf um Conti bevor, Wennemer sucht nach einem weißen Ritter.

Hannover - Die Übernahme des Autozulieferers Continental  durch die konkurrierende Schaeffler-Gruppe ist offenbar nur noch eine Frage des Preises. Nach der zunächst brüsken Ablehnung der Offerte ist Conti nun gesprächsbereit - was das fränkische Familienunternehmen Schaeffler mit Wohlwollen zu Kenntnis nimmt.

Conti-Chef Manfred Wennemer ist in einer immer prekäreren Lage. Faktisch hält Schaeffler schon einen Großteil der Aktien an Conti, und nun liebäugeln offenbar auch die ersten Aktionäre mit der Offerte aus Franken.

"Liegt das Gebot bei mehr als 80 Euro pro Aktie, kann ich mir vorstellen, dass wir darauf eingehen", sagte der Vertreter eines führenden institutionellen Anlegers in Deutschland, der mehrere Millionen Conti-Aktien hält, dem Handelsblatt (Freitagsausgabe). "Bei den derzeitigen Unsicherheiten im Automarkt wäre das attraktiv."

Wennemers gestrige Äußerungen nach der von Chefaufseher Hubertus von Grünberg als "Schicksalsstunde" bezeichneten Aufsichtsratssitzung am Mittwoch klangen entsprechend weichgespült. Hatte er vor einer Woche Schaeffler noch als "egoistisch, selbstherrlich und verantwortungslos" gegeißelt, erklärte er am Mittwoch: "eine Einigung ist sehr erstrebenswert."

Seine Forderung hat Wennemer auf mehr Geld oder eine "akzeptable" Beteiligungsquote des übernahmehungrigen Wälzlagerspezialisten beschränkt. Letzteres kommt aus Sicht von Branchenexperten für Schaeffler nicht in Frage. Deshalb wird am Markt fest mit einer Erhöhung der Offerte gerechnet. Die Conti-Aktie verharrte mit 72,50 Euro über den von Schaeffler in Aussicht gestellten 70,12 Euro je Aktie.

Mit seinen warmen Worten folgte der Konzernchef nur dem von Aufsichtsräten der Kapital- und der Arbeitnehmerseite vorgegebenen Weg. Sie haben das Management zwar beauftragt, Abwehrmaßnahmen vorzubereiten. Zu den Optionen gehört neben juristischen Mitteln unter anderem die Suche nach einem "weißen Ritter" oder eine Kapitalerhöhung, die den Deal verteuern würde.

Weißer Ritter in Sicht?

Weißer Ritter in Sicht?

Doch sieht der Aufsichtsrat keinen Sinn in einer Fundamentalopposition gegen Schaeffler. Die Franken sitzen am längeren Hebel. Sie haben Zugriff auf ein großes Aktienpaket und könnten vorerst mit gut 30 Prozent leben. Conti muss entweder den Befreiungsschlag schaffen oder versuchen, sich mit Schaeffler zu arrangieren.

"Schaeffler hat keine Zeitnot, sondern im Prinzip alle Zeit der Welt", sagte der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der FH Gelsenkirchen. Mit dem niedrigsten möglichen Übernahmeangebot wolle sich Schaeffler die Option schaffen, bei niedrigen Kursen künftig schrittweise zuzukaufen. Conti sei gebeutelt durch den schlechten Markt, hohe Zinsbelastungen, steigende Rohstoffpreise und die VDO-Integration. "Die Burg steht unter Dauerbelagerung."

Trotzdem schärft Wennemer seine Defensivwaffen. Außer mögliche Verhandlungen mit Schaeffler treibt er Abwehrmaßnahmen wie die Suche nach einem weißen Ritter weiter voran, hieß es laut "Handelsblatt" in Aufsichtsratskreisen. Demnach sei er in Gesprächen mit mehreren Industrieunternehmen, die als Weißer Ritter in Frage kämen. Um einem solchen Partner den Einstieg zu erleichtern, könnte Wennemer auf eine von der Hauptversammlung bereits genehmigte Kapitalerhöhung zurückgreifen, schreibt die Zeitung.

Swaps: Conti bastelt an Argumentation

Conti hält Schaefflers Erwerb von Aktienoptionen an dem Zulieferer aus Hannover weiter für rechtswidrig und bastelt fleißig an seiner Argumentation. Die Anwälte von Freshfields Bruckhaus Deringer haben für Conti auf mehr als 250 Seiten Indizien zusammengestellt, die belegen sollen, dass die Konstruktion der Swap-Geschäfte von Schaeffler nicht rechtens sei, schreibt die Zeitung. Die Akte ging Mittwoch bei der Finanzaufsicht BaFin ein.

Eine freundschaftliche Lösung ist vor diesem Hintergrund auch für Schaeffler interessant - wie das Unternehmen auch gebetsmühlenhaft betont. Das hängt auch mit den Kunden zusammen. Hauptabnehmer Volkswagen hat ebenso vor einer Schlammschlacht gewarnt wie Opel. Auch die Arbeitnehmer dürften zum Kampf blasen, sollte Schaeffler nicht auf Conti zugehen.

In die Verhandlungen will Conti Kreisen zufolge zunächst ohne konkretes Preisziel gehen. In der Aufsichtsratssitzung sei nur ein Brief des zu den zehn größten Conti-Aktionären zählenden Investors Perry Capital besprochen worden, der mindestens 115 Euro je Aktie fordert. Nach Ansicht von Analysten wird Schaeffler seine Offerte auf 75 bis 100 Euro aufstocken.

Feilschen um die Größe des Anteils

Feilschen um die Größe des Anteils

Derweil schieben sich beide Parteien den schwarzen Peter zu, wer nun am Zug sei. Beide fordern von der jeweils andere Seite eine "Konkretisierung" ihrer Pläne. Schaeffler will offenbar in Erfahrung zu bringen, was Conti als "angemessen" in Bezug auf den Preis und die Beteiligung erwartet.

Conti wird wohl wissen wollen, was Schaeffler genau plant. Themen wie Standorte und Arbeitsplätze dürften auch im Mittelpunkt von Gesprächen stehen, die die Schaeffler-Spitze mit dem Conti-Betriebsrat führen will. Conti-Chef Wennemer hatte zunächst eine Beteiligung von 20 Prozent als akzeptabel bezeichnet, diese Zahl aber am Mittwoch nicht wiederholt.

Mit einem Anteil, der keinen Durchgriff auf Conti ermöglicht, ließe sich für Schaeffler die Vision einer Kombination des Autozuliefergeschäfts beider Firmen und des Verkaufs der wachstumsschwachen Bereiche nicht durchsetzen, wendet Credit-Suisse-Analyst Arndt Ellinghorst ein.

"Eine Zahl wie 24,9 Prozent kann höchstens ein Zwischenschritt sein", sagt Christian Müller von Global Insight. "Langfristig werden sie über 40 Prozent wollen." Über Wertpapiergeschäfte kann Schaeffler schon jetzt auf 36 Prozent der Conti-Aktien kommen.

Vorstandschef Wennemer hat nun Argumente nachgelegt, warum die Franken sich mit einem geringeren Anteil begnügen sollten. Es koste Conti Geld, wenn sich ein Investor mit über 25 Prozent einkaufe, sagte er. Dann steige die Steuerlast - etwa durch geringere Abschreibungsmöglichkeiten.

Sollte Schaeffler auf mehr als 50 Prozent kommen, hätten die Conti-Banken das Recht, die Konditionen der Kredite für die Übernahme von VDO neu zu verhandeln. Da die Zinsen inzwischen um zwei Prozentpunkte gestiegen sind, ergäben sich daraus Mehrkosten von mindestens 200 Millionen Euro im Jahr.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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