EU Porsche darf VW übernehmen

Die EU-Kommission hat dem Porsche-Konzern die Übernahme der Volkswagen AG erlaubt. Der geplante Zusammenschluss der beiden Autobauer werde den Wettbewerb nicht beeinträchtigen, erklärte die Brüsseler Behörde am Mittwoch. Damit kann Porsche wie geplant bis Jahresende mehr als 50 Prozent an VW übernehmen.

Brüssel - Drei Jahre nach dem Einstieg bei Volkswagen  hat sich Porsche  die Mehrheitsübernahme von Europas größtem Autokonzern in zähen Verhandlungen von den Kartellwächtern absegnen lassen. Die EU-Kommission gab dem finanzstarken Stuttgarter Sportwagenherstellers nach mehrmonatiger Prüfung am Mittwochabend grünes Licht für die Anteilsaufstockung auf mehr als 50 Prozent, wie die Behörde in Brüssel mitteilte.

Der Wettbewerb in Europa werde dadurch nicht beeinträchtigt. Auf allen von Porsche und VW bedienten Märkten gebe es weiterhin starke Konkurrenz, urteilte die EU erwartungsgemäß.

Auch die Wettbewerbshüter in den USA haben keine Einwände. Porsche wartet nun noch auf die Freigabe der Kartellbehörden in anderen Ländern und will dann spätestens im Oktober das Ruder bei VW mit einem Mehrheitsanteil übernehmen.

Derzeit hält Porsche 30,6 Prozent der Stimmrechte an VW. Diesen Anteil haben die Stuttgarter in Trippelschritten seit Herbst 2005 aufgebaut. Per 2. September wird Porsche im Besitz von rund 35,5 Prozent sein, da der Sportwagenbauer über ein Termingeschäft weitere 4,9 Prozent der Stimmen erworben hat.

Mit diesem Stimmrechtsanteil verfügt Porsche - auch nach Ansicht der EU-Kommission - über eine faktische Mehrheit in der VW-Hauptversammlung, da in den vergangenen Jahren meist nur rund 60 Prozent der Stimmrechte vertreten waren. Diese faktische Hauptversammlungsmehrheit hatte die EU von Porsche als Bedingung für die Genehmigung der Pläne zur Übernahme der tatsächlichen Stimmrechtsmehrheit verlangt, die Porsche im Frühjahr angemeldet hatte.

Porsche hatte lange Zeit öffentlich dementiert, bei VW eine Mehrheit anzustreben, und wollte die wahren Absichten damit geheim halten. Die fortgesetzte Aufstockung des Anteils sorgte jedoch an der Börse für Euphorie und trieb den Kurs der VW-Stammaktien - unterstützt von Sanierungserfolgen des VW-Managements - auf mehr als 200 Euro.

Porsche will Anteile im Herbst aufstocken

Porsche will Anteile im Herbst aufstocken

Die Porsche-Aktien verzeichneten hingegen in den vergangenen Monaten einen drastischen Kursverfall auf rund 100 Euro, da die Schwaben nun viel Geld für den Kauf weiterer VW-Aktien ausgeben müssen. Aus dem Kursanstieg der VW-Papiere hat Porsche jedoch über Kurssicherungsgeschäfte bis zuletzt satte Gewinne realisiert.

"Wir begrüßen die Entscheidung der EU-Kommission", sagte ein Porsche-Sprecher am Mittwochabend in Stuttgart. Mit der Freigabe aus Brüssel lägen nun die Genehmigungen von acht Kartellbehörden vor. Nach der Freigabe durch die Kartellbehörden in weiteren Länder werde Porsche seinen Stimmrechtsanteil an VW auf eine Mehrheit aufstocken. "Das dürfte im Herbst der Fall sein", sagte der Sprecher.

Theoretisch ist mit dem Bescheid der EU-Kommission vom Mittwoch der Weg für Porsche frei, VW künftig noch stärker unter seine Kontrolle zu bringen. Dazu bräuchte Porsche keine weitere Erlaubnis der Kommission mehr.

Zu weiteren Anteilskäufen, mit denen Porsche seinen Stimmrechtsanteil auf bis zu knapp 80 Prozent aufstocken könnte, wollte sich der Porsche-Sprecher jedoch nicht äußern. "Wir reden heute über die Mehrheit", sagte er.

Das Land Niedersachsen ist mit gut 20 Prozent der Stimmrechte an VW beteiligt und will dieses Paket behalten. Das jüngst novellierte VW-Gesetz sichert dem Land mit diesem Anteil eine Sperrminorität zu, die nach dem deutschen Aktienrecht üblicherweise ein Viertel der Stimmrechte erfordert.

Porsche läuft gegen dieses Sonderrecht des Landes Sturm, während die Landesregierung die VW-Arbeitnehmer und die Gewerkschaft IG Metall auf ihrer Seite hat. Mit der Sperrminorität kann Niedersachsen derzeit verhindern, dass Porsche wichtige Unternehmensentscheidungen wie die Schließung eines Werks oder einen Gewinnabführungsvertrag verlangen könnte.

Der VW-Betriebsrat hat derweil erneut zu einer Einigung im Mitbestimmungsstreit mit Porsche aufgerufen. Die Mitbestimmung der Porsche Holding gehe zulasten der VW-Belegschaft, sagte VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in Wolfsburg. Porsche-Finanzchef Holger Härter habe die "Finanzgeschäfte" von Porsche gut im Griff, sagt5e Osterloh. "Allerdings klemmt es nach wie vor an anderen, mindestens genauso wichtigen Stellen, die nicht im Verantwortungsbereich Finanzen liegen."

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

Wolfgang Porsche: Der Clanchef greift durch Porsche: Die wichtigsten Köpfe der Autodynastie

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