Schaeffler Conti weist Offerte zurück - vorerst

Continental und Schaeffler nähern sich vorsichtig an. Aufsichtsrat und Vorstand von Conti haben Schaefflers Übernahmeangebot zwar gemeinsam zurückgewiesen. Die Gremien seien aber der Meinung, dass eine Einigung mit Schaeffler "erstrebenswert" sei. Schaeffler entgegnete, man warte nun auf konkrete Vorschläge aus Hannover.

Hannover - Der Aufsichtsrat des Autozulieferers Continental  hat das Übernahmeangebot der Schaeffler-Gruppe zurückgewiesen. Der angebotene Preis von 11,3 Milliarden Euro sei nicht angemessen, und werde den Unternehmensinteressen nicht gerecht, teilte Conti am Mittwoch nach einer Krisensitzung des Kontrollgremiums in Hannover mit.

Der Aufsichtsrat des weltweit fünftgrößten Automobilzulieferers unterstütze das Vorgehen des Vorstands. Es gebe eine "einhellige Stellungnahme", sagte Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Das Vorgehen der Schaeffler-Gruppe solle weiterhin juristisch geprüft werden.

Es solle nun Verhandlungen mit Schaeffler geben. Eine Einigung mit Schaeffler sei erstrebenswert. Schaeffler solle seine Absichten konkretisieren, sagte Vorstandschef Manfred Wennemer.

"Sollte die Schaeffler Gruppe bereit sein, entweder über eine angemessene Prämie für Continental-Aktionäre oder über die Begrenzung auf eine für das Unternehmen akzeptable Beteiligungsquote zu verhandeln, hat der Vorstand die Unterstützung des Aufsichtsrats, direkte Verhandlungen mit der Schaeffler Gruppe aufzunehmen", hieß es.

Die Schaeffler Gruppe äußerte sich in einer kurzen Stellungnahme am Abend. Es werde begrüßt, dass Vorstand und Aufsichtsrat der Continental eine Einigung mit Schaeffler für "erstrebenswert" halten. "Die Schaeffler Gruppe wartet jetzt darauf, dass die Continental AG ihre Vorstellungen konkretisiert, damit sich die Schaeffler Gruppe gegenüber der Continental AG äußern kann."

Conti hatte dem fränkischen Familienkonzern bereits zuvor eine Beteiligung in Höhe von 20 Prozent angeboten. Schaeffler bestand jedoch auf einem Anteil von mehr als 30 Prozent.

Scharmützel zwischen Grünberg und Wennemer

Scharmützel zwischen Grünberg und Wennemer

Medienberichten zufolge gab es zuvor Unstimmigkeiten zwischen dem Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden, Hubertus von Grünberg, dem gute Verbindungen zur Schaeffler Gruppe nachgesagt wurden, und dem Vorstandsvorsitzenden Manfred Wennemer, wie auf die Offerte zu reagieren sei. Wennemer hatte das Angebot zuvor mit deutlichen Worten abgelehnt.

Sein Oberkontrolleur hatte dagegen gegenüber dem manager magazin zur Besonnenheit gemahnt. "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen."

Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff von der Gewerkschaft IG BCE sagte, die Gewerkschaften würden alles tun, um die Interessen der Arbeitnehmer in die Gespräche einzubringen. Es müsse eine Sicherheit für Arbeitsplätze und Standorte geben sowie keinen Verkauf von Unternehmensteilen.

Am Dienstag hatten sich die Conti-Arbeitnehmervertreter gegen eine Zerschlagung des Automobilzulieferers ausgesprochen. Schaeffler hatte daraufhin bekräftigt, den Dax-Konzern nicht aufspalten zu wollen und bot Gespräche an. "Wir stehen zu unseren bereits mehrfach gemachten Zusagen: Continental soll als Ganzes bestehen bleiben", erklärte der Vorsitzende der Geschäftsleitung, Jürgen Geißinger.

Conti solle als "eigenständiger, börsennotierter Konzern mit Sitz in Hannover, selbstverständlich auch künftig mit einem mitbestimmten Aufsichtsrat" bestehen bleiben. "Zur Verlagerung oder einem Abbau von Arbeitsplätzen wird es in Folge des Angebots nicht kommen."

Die Herzogenauracher, die Motor-, Getriebe-, Fahrwerksysteme und Lager für die Automobilbranche, Industrie sowie die Luft- und Raumfahrt herstellen, haben sich nach eigenen Angaben über Aktien und nicht meldepflichtige Finanzgeschäfte 36 Prozent der Anteile an Conti gesichert.

manager-magazin.de mit Material von ap, dow jones und dpa

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