Autoindustrie Toyota deklassiert GM

Toyota baut seine gerade errungene Position als weltgrößter Autohersteller aus und lässt General Motors erstmals weit hinter sich. Der US-Konzern konnte die Absatzflaute auf seinem Heimatmarkt nicht durch mehr Verkäufe in Asien und Russland wettmachen. Renault-Chef Carlos Ghosn fürchtet einen Einbruch für die gesamte Branche.

Detroit - Der Opel-Mutterkonzern General Motors  (GM) hat im zweiten Quartal weltweit weniger Autos verkauft als ein Jahr zuvor. Der Absatz sank um 5 Prozent auf insgesamt knapp 2,29 Millionen Wagen. Im gesamten ersten Halbjahr waren es 4,54 Millionen Stück und damit knapp 3 Prozent weniger. Das teilte General Motors am Mittwoch in Detroit mit.

General Motors verlor damit den lange gehaltenen Spitzenplatz als der nach Absatzzahlen weltgrößte Autobauer an den Rivalen Toyota . Der japanische Konzern ist trotz eines Umsatzrückgangs noch profitabel, während GM seit Jahren Milliardenverluste einfährt. Toyota steigert den Absatz im zweiten Quartal um 1,8 Prozent auf 2,41 Millionen Stück und verkaufte 2008 bisher 4,82 Millionen Autos.

In Europa hatte General Motors dagegen für die erste Jahreshälfte erst vor kurzem einen Absatzrekord bekanntgegeben. Hier verkaufte der Konzern dank der starken Nachfrage in Osteuropa 1,16 Millionen Fahrzeuge. Das waren 2,8 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Doch er Verkaufsrückgang auf dem US-Markt habe das Wachstum auf den internationalen Märkten aufgezehrt, hieß es von GM. Außerhalb von Nordamerika kletterten die Verkäufe im zweiten Quartal um 10 Prozent. In Nordamerika verkaufte GM mit 963.929 Fahrzeugen rund 20 Prozent weniger als in der Vorjahresperiode.

In der Region Asien-Pazifik kletterte der Absatz um 14,6 Prozent auf 386.980 Einheiten und in Europa dank des starken russischen Marktes um 2,5 Prozent auf 589.700 Fahrzeuge.

"Weltweite Abkühlung steht bevor"

"Weltweite Abkühlung steht bevor"

Nach Einschätzung des Chefs von Renault  und Nissan , Carlos Ghosn, muss sich die gesamte Autobranche auf eine Abschwächung des Geschäfts einstellen. "Uns steht eine weltweite Abkühlung bevor", warnte Ghosn in einem Interview mit dem "Wall Street Journal" (Mittwoch).

Der US-Markt schrumpfe bereits seit Jahren deutlich, nun komme eine Abschwächung in Westeuropa hinzu, und auch der boomende chinesische Markt könnte hinter den explosiven Wachstumsraten der vergangenen Jahre zurückbleiben, argumentierte Ghosn. Er rechne damit, dass die Hersteller in dieser Situation noch stärker auf Allianzen und Fusionen setzen werden.

Ghosn bekräftigte, dass Nissan in den USA im Jahr 2010 ein Fahrzeug mit Elektroantrieb auf den Markt bringen wolle. "Ich will eine reines Elektroauto. Ich will keinen weiteren Hybrid", sagte Ghosn der "New York Times". Bis 2012 solle das Elektrofahrzeug auch in anderen Ländern verkauft werden. Auch General Motors will im Jahr 2010 ein Auto mit Elektroantrieb einführen.

Nach Einschätzung von Ghosn werden sich die Modelle in verschiedenen Regionen unterscheiden: Während in Europa eine Reichweite von 50 Kilometern ausreichend sein könnte, müsse es in Amerika mindestens doppelt so viel sein.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und dow jones

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