Conti/Schaeffler "Keine verbrannte Erde hinterlassen"

Continental-Lenker Manfred Wennemer lehnt eine Übernahme durch Schaeffler ab. Doch so schnell will sich sein Chefaufseher Hubertus von Grünberg nicht festlegen. Exklusiv im manager magazin verrät er, wie er eine Zerschlagung von Conti verhindern will. Zudem weist er den Verdacht von sich, in die Offerte verstrickt zu sein.

Hamburg - Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg mahnt im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch die Schaeffler-Gruppe zu Besonnenheit. "Vernunft ist angesagt, nicht Kampf um jeden Preis." Das sagte von Grünberg in einem Interview mit dem manager magazin, dessen neue Ausgabe ab Freitag (25. Juli) im Handel erhältlich ist.

Die große Frage sei, für wie sicher man einen Erfolg der Schaeffler-Gruppe halte: "Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen." Von Grünberg sagte, er könne sich "besonders im Autoteilegeschäft Finanzierungsformen außerhalb der börsennotierten Aktiengesellschaft gut vorstellen".

Die Schaeffler-Gruppe, ein Familienunternehmen, hat ein Übernahmeangebot für den im Dax 30 notierten Autozulieferer Continental AG  angekündigt. Schaeffler hat sich nach eigenen Angaben den Zugriff auf knapp 36 Prozent der Conti-Aktien gesichert, zum großen Teil über Termingeschäfte. Conti-Chef Manfred Wennemer hat die Offerte bereits abgelehnt. Er hält die Termingeschäfte für rechtswidrig und will Widerstand leisten.

Von Grünberg sagte dem manager magazin, Wennemer und er müssten die Angemessenheit des Angebots sorgfältig prüfen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem Vorstandschef seien dabei nicht grundlegend. Conti müsse sich so schnell wie möglich wieder auf operative Aufgaben konzentrieren.

Die Situation sei angesichts der Kostenexplosion bei den Rohmaterialien, der Krise der US-Autobauer und der Integration von Siemens VDO schwer genug. "Ein derartiges Übernahmeangebot lenkt den Vorstand zu sehr ab", folgerte von Grünberg.

Der Aufsichtsratschef erklärte, für eine Zerschlagung der Continental AG stehe er nicht zur Verfügung. Die Angreifer sicherten aber zu, sie wollten Conti nicht zerschlagen. "Schaeffler will das sogar vertraglich garantieren", sagte von Grünberg.

Der Verdacht, er sei bei dem Übernahmeversuch der Architekt im Hintergrund gewesen, sei falsch, versicherte er. "Ich schätze Frau Schaeffler, ich weiß, dass sie ehrgeizig ist", sagte von Grünberg. "Aber der Angriff auf Conti war nicht vorhersehbar."

Im Falle eines Erfolgs werde Schaeffler-Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler vermutlich Anspruch auf den Posten des Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden erheben, erwartet von Grünberg. Als Kandidat für die Spitze des Schaeffler-Beirats sehe er sich nicht. Er habe als Verwaltungsratschef der Schweizer ABB eine halb exekutive Funktion. "Das füllt mich aus."

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