Gebot abgegeben Hapag den Hamburgern

Im Übernahmepoker um die Tui-Tochter Hapag-Lloyd hat ein Hamburger Konsortium als erster Investor offiziell ein Gebot abgegeben. Ob es eine Chance hat, ist ungewiss. In der Nacht läuft die Frist für die Gebote ab.

Hamburg - Das von dem früheren Hamburger Finanzsenator Wolfgang Peiner und dem Privatbanker Christian Olearius koordinierte Bieterkonsortium "Hamburger Lösung" habe dem Reise- und Schifffahrtskonzern Tui nach einigen Wochen intensiver Arbeit ein wettbewerbsfähiges Angebot vorgelegt, teilte die Privatbank M. M. Warburg am Montag mit. Die Frist für die Gebote läuft an diesem Montag um Mitternacht ab.

"Wir werden uns mit den Investmentbanken die ersten indikativen Angebote anschauen", sagte ein Tui-Sprecher. Anschließend werde der Konzern zusammen mit den Investmentbanken den engeren Bieterkreis auswählen, der ab Anfang August tieferen Einblick in die Bücher der Container-Reederei bekommen soll. "Es wird sicherlich Herbst werden, bis wir eine Entscheidung treffen", sagte der Sprecher. Vorher wolle der Konzern nach derzeitigem Stand keine Details zum Auswahlverfahren bekanntgeben.

Die Aktie von Tui  reagierte am frühen Nachmittag mit Kursgewinnen auf das erste Kaufangebot. Zuletzt lag sie mit 1,7 Prozent im Plus bei 15,24 Euro. "Insgesamt ist es natürlich gut, je mehr Bieter Tui bekommt.", sagte ein Händler an der Börse. "Die Interessen Hamburgs sind bei dem Gebot ja klar und auch politisch motiviert." Die Frage sei jedoch, ob die Hamburger Offerte am Ende auch preislich die Beste sei.

Die Bietergruppe, die unter dem Namen Hamburgische Seefahrtsbeteiligung "Albert Ballin" antritt, will die Übernahme der Reederei durch eine ausländische Reederei verhindern. "Unser Konsortium sichert die Eigenständigkeit von Hapag-Lloyd langfristig ab", sagte Ex-Senator Peiner. Die "Hamburger Lösung" vereine institutionelle und private Investoren. Sie verfolgten mit einem Erwerb der Hapag-Lloyd AG klar definierte finanzielle und strategische Ziele: Hapag-Lloyd solle als eigenständige Reederei mit Sitz in Hamburg erhalten werden und den wirtschaftlichen Erfolg fortsetzen und ausbauen.

Kühne und Hamburg beteiligt

Als Berater für das weitere Erwerbsverfahren wurden KPMG und Latham & Watkins sowie M. M. Warburg & CO beauftragt, hieß es in der Mitteilung. Neue Mitglieder des Konsortiums wurden nicht genannt.

Bislang ist bekannt, dass sich der Transportunternehmer Klaus-Michael Kühne mit einem Teil seines Privatvermögens an der Reederei beteiligen will. Die Stadt Hamburg hat zudem eine Beteiligung in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht gestellt.

Der Preis der Reederei wird auf bis zu fünf Milliarden Euro geschätzt. Börsennotierte Reedereien haben allerdings in den vergangenen Monaten bis zu einem Viertel ihres Wertes verloren. Die Hamburger Gruppe ist bislang der einzige Interessent, der sich zu seinem Angebot bekennt. Es sollen auch Reedereien aus Asien, namentlich aus Singapur und Hongkong, sowie Finanzinvestoren am Kauf der Hapag-Lloyd AG interessiert sein. Offizielle Bestätigungen gibt es dafür bislang nicht. Als aussichtsreichster Interessent gilt die Reederei Neptune Orient Lines (NOL) aus Singapur.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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