Berentzen Ex-Aufsichtsräte in Rage

Zurückgetretene Aufsichtsratsmitglieder des Spirituosenherstellers Berentzen haben das Management der Familie Berentzen scharf kritisiert. Es sei "grob fahrlässig" gewesen, das Übernahmeangebot eines Investors auszuschlagen. Jetzt stehe das Unternehmen ohne Alternative da.

Haselünne (Emsland) - Der Streit um die Zukunft des Spirituosenherstellers Berentzen wird schärfer. Die Ablehnung des Übernahmeangebotes eines Investors seitens der Familie Berentzen sei "grob fahrlässig", kritisierten die in der vergangenen Woche zurückgetretenen Aufsichtsratsmitglieder Manfred Greune, Hans-Detlev Bösel und Dieter Barlage in einer Stellungnahme. Die Berentzens hätten den Investoren abgelehnt, ohne eine Alternative zu haben.

"Gerade in Hinblick auf die derzeitige wirtschaftliche Situation sind unternehmerische Qualitäten gefragt, welche der potenzielle Investor nach Meinung der scheidenden Aufsichtsräte vorweisen kann", hieß es in der Stellungnahme. Sie rechneten jetzt mit einem "zeitnahen" Rücktritt des Berentzen-Vorstandschefs Axel Dahm, schrieben die Ex-Aufsichtsräte.

Möglicherweise verkaufen die einzelnen Gesellschafter ihre Anteile nun einzeln dem Investor, hieß es. Ein Kreis von 40 Aktionären aus den Eigentümerfamilien Berentzen, Pabst, Richarz und Wolff, die im Besitz von 50 Prozent der Aktien sind, hatte vor einigen Wochen Verkaufsabsichten geäußert.

Am vergangenen Mittwoch hatte die Gesellschaftergruppe um Jan Bernd Berentzen allerdings das Übernahmeangebot des Investors überraschend abgelehnt. Aus Protest hatten der Vorsitzende des neunköpfigen Aufsichtsrates Greune, dessen Stellvertreter Bösel sowie Gremiumsmitglied Barlage ihr Mandat daraufhin niedergelegt. Dahm hatte den Vorstandsvorsitzenden Jan B. Berentzen abgelöst und einen Restrukturierungskurs für den angeschlagenen Getränkehersteller ausgearbeitet.

Berentzen hatte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 186 Millionen Euro (ohne Branntweinsteuer) einen Fehlbetrag von 11,8 Millionen Euro eingefahren. Für das laufende Jahr war eine Reduzierung der Verluste vorgesehen, die in der ersten Jahreshälfte nach Unternehmensangaben planmäßig glückte. Das Ziel lautete, 2009 wieder schwarze Zahlen zu schreiben.

Der Investor sei in enger Abstimmung mit den Gesellschafterfamilien gesucht und gefunden worden, betonten die früheren Aufsichtsratsmitglieder. So habe es eine "Fortführungsklausel" gegeben, die den weiteren Geschäftsbetrieb ebenso sichere, wie die 700 Arbeitsplätze bei dem Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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