Deutsche Zechen Ausstieg vom Ausstieg?

Jahrzehntelang waren sie eines der tiefsten Subventionslöcher der Bundesrepublik, jetzt träumen Kohlefans von der Renaissance der Zechen in Deutschland. Weil der Kohlepreis gestiegen sei, lohne sich die Förderung wieder. Und Deutschland benötige eine sichere Energieversorgung.

Berlin - Angesichts stark gestiegener Weltmarktpreise für Steinkohle sollten die Zechenstilllegungen in Deutschland nach Gewerkschaftsauffassung umgehend auf den Prüfstand gestellt werden.

"Dass sich der Kohlepreis so dramatisch in so kurzer Zeit nach oben entwickelt, hat keiner vorhergesehen", sagte der Vorsitzende der Industriegewerkschaft BCE, Hubertus Schmoldt. Der beschlossene Kohleausstieg enthalte zwar eine Überprüfungsmöglichkeit für das Jahr 2012. Aber wegen der rasanten Preisentwicklung an den Rohstoffmärkten wäre es besser, schon früher über ein Umsteuern beim Kohlebergbau nachzudenken.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung will ungeachtet der veränderte Situation an ihrem Beschluss festhalten. Es bleibe beim verabredeten Beschluss zum Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlebergbau, sagte Regierungssprecher Matthias Kopp am Samstag. Der subventionierte Steinkohlebergbau rentiere sich auch trotz der veränderten Weltmarktpreise nicht.

Der Weltmarktpreis für Steinkohle hat sich binnen eines Jahres auf rund 140 Euro je Tonne mehr als verdoppelt. Damit ist der Abstand zu den durchschnittlichen Förderkosten in Deutschland von 170 Euro je Tonnen nach Gewerkschaftsangaben nur noch gering. Bei Kokskohle liegt der Weltmarktpreis für kurzfristige Lieferungen nach Angaben der Gewerkschaft bei 245 Euro je Tonne und damit schon über den Förderkosten in Deutschland.

"Deutschland droht eine Energielücke. Insoweit ist jede jetzt noch vorgesehene Zechenstilllegung bis zum Jahr 2012 eine vertane Chance", betonte der Chef der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie.

Schmoldt verwies darauf, dass nach der gerade erst erfolgten Stilllegung der Zeche Walsum in Duisburg zum 1. Juli 2008 bald schon die nächste folgen soll. Für Januar des kommenden Jahres stehe die Schließung der Steinkohlen-Zeche Lippe in Gelsenkirchen an. Insgesamt gebe es für drei der gegenwärtig noch sieben aktiven Zechen in Deutschland einen Stilllegungsfahrplan.

Im deutschen Steinkohlebergbau werden nach Gewerkschaftsschätzung etwa 15.000 Bergleute ihren Arbeitsplatz bis zum Jahr 2012 verlieren, wenn nicht schon vorher der Steinkohlen-Ausstieg überdacht wird. Die am Bergbau hängenden Stellen in anderen Unternehmen hinzugerechnet, gehe es allein bis 2012 um schätzungsweise 35.000 Arbeitsplätze.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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