Schaeffler "Mit Reifen verdient Conti gutes Geld"

Das Familienunternehmen Schaeffler bietet für den Dax-30-Konzern Continental 69,37 Euro pro Aktie. Schaeffler-Chef Jürgen Geißinger beeilte sich, die Übernahmeattacke in einer Pressekonferenz zu erklären. Doch er ließ zentrale Fragen offen.

Herzogenaurach - Schaeffler will Conti  kaufen - erste Gerüchte machten am Sonntag überraschend die Runde. Schnell verdichteten sich die Nachrichten: von einer schleichenden Anteilssteigerung des fränkischen Familienunternehmens an dem niedersächsischen Dax-Konzern; von einer zunächst freundlichen, notfalls aber auch feindlichen Übernahme; schließlich davon, dass Schaeffler bereits einen 30-Prozent-Anteil erworben hat.

Wenig überraschend kam dann am Dienstnachmittag Schaefflers offizielle Mitteilung, dass tatsächlich ein Kaufangebot vorliege, über 69,37 Euro pro Aktie. Das war erwartet worden, das ist gesetzliche Pflicht bei Übernahmen, die die 30-Prozent-Marke übersteigen. Dem Angebot folgte eine Telefonkonferenz für die Presse mit den ersten nennenswerten Informationen zu dem Deal seitens Schaeffler.

Das Ziel der Veranstaltung war allerdings nicht ein weitreichender Erkenntnisgewinn für die Öffentlichkeit. Jürgen Geißinger, der Vorsitzende der Geschäftsleitung bei Schaeffler, war hörbar bemüht, nicht zu viel preiszugeben. Immer wieder verwendete er die gleichen Satzbausteine. Vermutlich war jeder einzelne von den Hausjuristen abgesegnet worden.

"Schaeffler unterstützt die Strategie von Continental ausdrücklich", das ist so ein Baustein. Immerhin, dahinter verbirgt sich eine vielschichtige Botschaft. An Öffentlichkeit und Politik: bei Conti kann's weitergehen wie bisher, es wird niemand entlassen; an die Anteilseigner: das Reifengeschäft bleibt und wird nicht, wie kolportiert, schnellstmöglich abgespalten; an das Conti-Management: eure Position ist nicht gefährdet, wenn ihr mit uns zusammenarbeitet.

Besonders die Signale an den Continental-Vorstand sind wichtig. Mit dem vielfach wiederholten Hinweis, dass Schaeffler sich sehr langfristig engagieren wolle, trat Geißinger dem Verdacht entgegen, er könne sich wie eine bessere Heuschrecke gebärden: Nein, der Kauf werde nicht durch neue Schulden bezahlt, die man dann Conti aufhalse, sondern die Franken könnten das aus eigener Kraft stemmen.

Schlüsselreize eines guten Käufers

Aber warum finden das die Hannoveraner dann nicht alles ganz famos? Conti ist ein Übernahmekandidat, das ist seit längerem klar, und Schaeffler nennt exakt die Schlüsselreize, die Wennemers Mannschaft einmal nannte, als es um den perfekten Käufer ging: Strategisch, langfristig, freundlich, vom Fach. Geißinger berichtete von Gesprächen, bei denen ihm 20 Prozent angeboten wurden. Warum es nicht mehr war, kann er sich aber auch nicht erklären.

30 Prozent oder mehr wolle er, nicht zwingend eine Mehrheitsbeteiligung. Das sei genug, um gemeinsam neue Projekte für die Zukunft anzugehen. Der Frage, wie dauerhaft diese Selbstbeschränkung sei, wich er allerdings aus. Sicher, mit 30 plus X führt auf Hauptversammlungen kaum ein Weg an einem Investor vorbei - die so genannte Hauptversammlungsmehrheit.

Doch auch diese 30 Prozent helfen auf Dauer wenig, wenn das Management gegen den neuen Aktionär mauert. Man werde die Reaktion der Aktionäre auf die aktuelle Offerte abwarten, wiegelte Geißinger ab.

Ob er bereit sei, den Preis notfalls zu erhöhen? Auch hier hielt der Schaeffler-Lenker sich eine Hintertür offen: "Es gibt keine Notwendigkeit, ein höheres Angebot zu machen."

Bereits jetzt gibt es eine "enge Zusammenarbeit" zwischen beiden Unternehmen, wie er selbst sagte. Was also treibt Schaeffler? "Wir wollen für die Zukunft eine deutsche Lösung und Conti stabilisieren", so ein weiterer Textbaustein.

Konkreter wurde er, was das Reifengeschäft angeht: "Soweit wir die die Zahlen kennen, wird damit gutes Geld verdient", sagte er. Warum solle er sich das entgehen lassen?

Der Trick mit den Swaps

Weicher wurde es wieder bei der Frage nach Entlassungen. Es werde keine geben - im Zusammenhang mit der Übernahme. Das ist interpretationsfähig, denn wer weiß schon, was bereits kurz nach dem Kauf für Probleme bei Conti ruchbar werden? Immerhin verspricht er: "Es geht nicht um Synergien", da sollten keine Bereiche zusammengelegt werden. Das sei auch kaum möglich, denn: "es gibt keine Überschneidungen".

Ins Parlieren kam Geißinger immer, wenn es um technische Fragen ging. Welches Potenzial die beiden Unternehmen gemeinsam hätten, Schaeffler mit seinem mechanischen Know-how, Conti mit seiner Elektronik. "Die beiden Partner können mit bestehenden Mitteln einen kompletten Motor zusammenbauen", begeisterte er sich.

Indes ist noch manche Finte zu erwarten. Das belegt der Trick, mit dem sich die Franken bereits gut 30 Prozent an Conti gesichert haben, ohne Pflichtmitteilung und, darauf besteht Geißinger: "ohne gegen Regularien der Bankenaufsicht zu verstoßen".

So teilte Schaeffler kurz vor der Pressekonferenz mit, man verfüge "bereits über 2,97 Prozent der Continental-Aktien, über Finanzinstrumente, die zum Erwerb in Höhe von 4,95 Prozent berechtigen", sowie "in Bar zu erfüllende Swap-Geschäfte über rund 28 Prozent der Aktien". Diese Swaps sind Vereinbarungen über den Aktienkauf, von denen Schaeffler noch immer zurücktreten kann. Weil sie in bar beglichen werden, unterliegen sie nicht der Meldepflicht.

So hat sich das fränkische Familienunternehmen faktisch längst gesichert, was es tatsächlich erst nach dem heutigen Angebot erwerben darf: 30 Prozent und mehr von Continental. Ob Schaeffler das wirklich genügt, bleibt abzuwarten.

Übernahme: Schaeffler legt Angebot für Conti vor

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