BMW "Sparsamkeit ist nicht der wichtigste Kaufgrund"

BMW setzt mit dem neuen 7er weiter auf starke, große Autos, allen CO2-Grenzen zum Trotz. Markenchef Jan-Christiaan Koenders erklärt im Interview, dass ihm die neue Sparsamkeit keine Sorgen macht - wohl aber die europäische Abgaspolitik.

mm.de: Herr Koenders, alle Welt spricht von Ölpreis und CO2-Ausstoß, derweil bringt BMW  ein neues Oberklassemodell heraus. Wie passt das zusammen?

Koenders: Der Zeitpunkt ergibt sich aus dem Lebenszyklus unserer Modelle. Trotz der Debatte um Sparsamkeit und Schadstoffausstoß besteht eine große Nachfrage nach diesen Autos. Auf vielen Märkten sehen wir hier noch immer Wachstumspotenzial.

mm.de: Ist CO2 auch in dieser Klasse ein Thema?

Koenders: Ja, klar. Unsere Oberklassekunden sorgen sich um ihre Verantwortung für die Umwelt. Wenn eine große Limousine wie der neue 730d nur noch 7,2 Liter Diesel verbraucht, dann ist das für mich gelebte Verantwortung.

Man muss aber auch sehen: In dieser Klasse ist das nicht der wichtigste Kaufgrund. Dass ein Auto dieser Kategorie moderne und umweltfreundliche Technik bietet, wird zu Recht erwartet. Wir haben auf die Erwartungen unserer Kunden mit unserem "Efficient-Dynamics"-Programm reagiert und in den vergangenen Jahren konsequent an effizienteren Antrieben gearbeitet.

mm.de: Auch wenn Sparsamkeit nicht das wichtigste Kriterium ihrer Kunden ist - spüren sie dennoch hier und da, dass sich Käufer nun eher für einen 5er-BMW mit kleineren Motoren entscheiden als für einen 7er?

"Verunsicherung schadet der Umwelt"

Koenders: Die Daten unserer Marktforschung geben das nicht her. Der 7er ist das Flaggschiff unserer Flotte. Für viele Kunden in diesem Segment ist das Fahrzeug nicht selten ein rollender Arbeitsplatz mit einer Jahreslaufleistung von über 50.000 Kilometern. 7er Kunden schätzen den Komfort und die Agilität des 7ers als große, repräsentative Reiselimousine.

Einzelne Kunden sind allerdings verunsichert angesichts der unklaren Gesetzeslage in ihren Ländern. Vor allem, wenn die Politik Beschränkungen oder CO2-Abgaben plant, aber noch nicht beschlossen hat.

mm.de: Wäre ihnen zum Beispiel in Europa eine strenge Beschränkung lieber als die derzeitige Hängepartie, in der sich die EU-Partner alle uneins sind?

Koenders: Das ist eine schwierige Frage ...

mm.de: Wir reden ja nicht von einem Komplettverbot von CO2 ...

Koenders: Wichtig ist: Beim Thema Klimaschutz brauchen wir realistische Ziele und machbare Zeitpläne. Je schneller diese entschieden werden und je klarer sie sind, desto besser für die gesamte Autoindustrie. Verunsicherte Kunden wünscht sich niemand. Viele verschieben den Kauf eines Neuwagens mit moderner, umweltfreundlicher Technologie immer weiter. Das ist weder im Interesse der Wirtschaft, noch im Interesse der Umwelt.

mm.de: Sollte sich das 120-Gramm-Kriterium für 2012 durchsetzen, das der französische Präsident Sarkozy und Bundeskanzlerin Merkel vereinbart haben, wird es dann noch viel mehr kleine Modelle aus ihrem Konzern geben, damit der Flottenverbrauch im Durchschnitt wieder stimmt?

"Champagner auch in schweren Zeiten"

Koenders: Der CO2-Ausstoß unserer Flotte ist im ersten Quartal dieses Jahres auf durchschnittlich 158 Gramm reduziert worden, verglichen mit 187 Gramm im Vorjahr. Das ist eine Reduzierung von 16 Prozent oder 29 Gramm innerhalb nur eines Jahres. In Deutschland liegt der Durchschnitt laut Kraftfahrtbundesamt bei 167 Gramm. Das zeigt doch, dass wir mit unserer Technologie, die wir serienmäßig in unserer ganzen Flotte anbieten, auf einem guten Weg sind. Bereits jetzt haben wir in vielen Ländern schon strenge CO2-Beschränkungen, ohne dass dies auf unsere Verkäufe zurückfällt.

mm.de: Sie setzen stark auf Schwellenmärkte wie Russland, was sicher vor allem mit Wachstumspotenzialen zu tun hat. Nützt es ihnen vielleicht auch, große Autos gerade in solchen Ländern anzubieten, wo die Sensibilität für Umweltthemen nicht so ausgeprägt ist?

Koenders: Das ist nicht der Grund für unser Russland-Engagement. Wir sehen hier tatsächlich einen wachsenden Markt in einem aufstrebenden Land, das sich immer wieder neu erfindet. Da ist es natürlich wichtig, sich zu diesem Markt frühzeitig zu bekennen. Auch deswegen machen wir Präsentationen wie kürzlich die in Moskau.

mm.de: Wie entwickelt sich das Segment weiter? Wie sieht der 7er in 20 Jahren aus?

Koenders: Wir sind eine Premiummarke und werden auch dann den Traum von der "Freude am Fahren" erlebbar machen. Der 7er wird als Flaggschiff der Marke ein Auto bleiben, von dem eine besondere Faszination ausgeht. Solche Fahrzeuge werden immer ihre Käufer finden - auch in schweren Zeiten wird Champagner getrunken. Dabei ist klar, dass wir technisch weiterhin alles tun werden, um unsere Autos besonders umweltfreundlich zu machen.

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