Siemens Löscher streicht 1100 Managerstellen

Siemens-Chef Peter Löscher will bei seinem Sparprogramm vor allem Managerstellen streichen und die "kleinen Leute" in der Produktion vergleichsweise schonend behandeln. Die IG-Metall wirft dem Konzernchef einen billigen Rechentrick vor.

München - In der obersten Managementebene mit rund 2300 Jobs sollen etwa acht Prozent der Stellen wegfallen, sagte Siemens-Chef Peter Löscher vor Journalisten. Beim mittleren Management will der Vorstand von 23.000 Jobs etwa vier Prozent streichen. Bei rund 100.000 Tarifmitarbeitern sollen Löscher zufolge drei Prozent der Stellen, also etwa 3000 Jobs eingespart werden.

Anteilig sei das Management von Siemens  somit am meisten betroffen, betonte Löscher und wies damit Vorwürfe zurück, der Stellenabbau träfe in erster Linie Tarifangestellte des Konzerns.

Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sprach von einem "Rechentrick, den jeder Drittklässler durchschaut". "Der Stellenabbau trifft zu 75 Prozent Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag der IG Metall fallen", erklärte Neugebauer nach Angaben der IG Metall am Donnerstag. Das seien Beschäftigte mit maximal 6400 Euro brutto bei einer 40-Stunden-Woche. "Zu diesem Kreis gehört bestimmt niemand vom mittleren oder oberen Management."

Sowohl die Struktur, als auch die geplante Größenordnung des geplanten Stellenabbaus bedeuteten "eine Gefährdung für die Zukunftsfähigkeit des Konzerns", erklärte Neugebauer. Die IG Metall habe sich noch nie "gegen eine intelligente Form" der Kosteneinsparung gewehrt. "Wenn Siemens aber nichts anderes einfällt, als die einzusparende Summe durch Köpfe zu teilen, so ist das ein bisschen wenig geistige Potenz für einen Weltkonzern."

Löscher erklärte, bei dem Stellenabbau wolle man auch die Fluktuation nutzen, die bei den Beschäftigten in Deutschland jährlich bei etwa fünf Prozent liege. Bei den rund 35.000 Mitarbeitern, die Siemens alleine in Verwaltung und Vertrieb in Deutschland habe, entspreche das pro Jahr etwa 1750 Beschäftigten. Bei einem Zeitraum von drei Jahren kämen so theoretisch 5250 Mitarbeiter zusammen und damit genau so viele Arbeitsplätze, wie Siemens in Deutschland abbauen will. "Wir können das nicht nur über Fluktuation regeln, das wird aber auch ein Thema sein, das uns hilft", sagte Löscher jedoch.

Die Kosten für den Stellenabbau, die man bisher noch nicht abschätzen könne, wolle man möglichst noch in diesem Jahr buchen. "Voraussetzung ist aber ein Verhandlungsergebnis mit den Arbeitnehmervertretern."

Löscher betonte zudem die Bindung von Siemens an den Standort Deutschland. "Wir sind stolz auf unsere Wurzeln. Die sind hier in Deutschland. Wir sind und bleiben ein deutscher Weltkonzern", erklärte Löscher. Er hatte am Dienstag bekanntgegeben, dass der Konzern weltweit 16.750 Stellen streichen wolle, davon 12.600 in der Verwaltung. Allein in Deutschland sollen 5250 von insgesamt etwa 130.000 Jobs wegfallen.

manager-magazin.de mit Material von AP und dpa

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