Stromnetz RWE will Netzgesellschaft führen

Der Energiekonzern RWE hat angeboten, die Systemführung für das Höchstspannungsnetz der vier deutschen Transportnetzbetreiber zu übernehmen. Damit könnte die von Politik und Bundesnetzagentur angestrebte einheitliche deutsche Regelzone realisiert werden. Die RWE-Konkurrenz ist angetan von der Idee.

Essen - Der Energiekonzern RWE  hat angeboten, die Systemführung für das Höchstspannungsnetz der vier deutschen Transportnetzbetreiber zu übernehmen. Mit einem solchen Modell könne die von Politik und Bundesnetzagentur angestrebte einheitliche deutsche Regelzone realisiert werden, erklärte das Unternehmen am Donnerstag. Zusätzlich erklärte sich RWE bereit, die Planung des Netzausbaus in Deutschland zu koordinieren. Das Netz solle Eigentum der einzelnen Unternehmen verbleiben.

Die Bundesnetzagentur hatte am Montag für die Zusammenlegung der vier Übertragungsnetze zu einer deutschen Netzgesellschaft geworben. So ließen sich Marktstrukturen vereinfachen. Auch stärke eine gemeinsame Netzgesellschaft die Position Deutschlands unter den europäischen Übertragungsnetzbetreibern.

"Wir greifen den von der Politik geäußerten Wunsch nach gebündelter Systemverantwortung und einer einheitlichen deutschen Regelzone auf", sagte RWE-Chef Jürgen Großmann am Donnerstag. Zudem koordiniere man den Netzausbau und stelle die energiepolitischen Ziele der Bundesregierung sicher.

Das Modell biete Vorteile für die Ausfallsicherheit und für die Anschlussfähigkeit neuer Anlagen mit erneuerbaren Energien und aus dezentraler Erzeugung. Es ermögliche flexible Eigentümerstrukturen und sei zudem offen für europäische Lösungen. "Wir laden weitere Übertragungsnetzbetreiber zur Kooperation ein."

RWE betreibt das größte Höchstspannungsnetz in Deutschland. Die übrigen Regelzonen gehören den Konkurrenten Eon , Vattenfall Europe  und EnBW . Die Energieriesen betreiben die Überlandleitungen bislang jeweils in Eigenregie. Eon-Chef Wulf Bernotat zeigte sich offen für den RWE-Vorschlag. "Die Hauptsache ist, dass das Netz vernünftig betrieben wird, da Eon ja künftig RWE-Kunde sein würde", sagte er in Berlin.

Der Präsident der Bundesnetzagentur Matthias Kurth hatte sich am Montag für eine Zusammenlegung der Netze ausgesprochen. In einer Zone könnten die Versorger Schwankungen in der Stromproduktion und dem Verbrauch besser ausgleichen. Dadurch ließen sich erhebliche Einsparungen erreichen, die den Stromkunden zugutekommen könnten, hatte Kurth gesagt. Zudem würde der Stromhandel und der grenzüberschreitende Austausch vereinfacht.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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