Tankflugzeuge EADS kämpft um Auftrag

Schwerer Schlag für die Europäer, Hoffnung für Boeing: Der ursprünglich an den Airbus-Mutterkonzern EADS vergebene "Jahrhundertauftrag" zur Lieferung von 179 Tankflugzeugen an die US-Luftwaffe wird neu ausgeschrieben. EADS hofft auf einen neuen Zuschlag, doch der Aktienkurs gibt nach.

Washington - Das ursprüngliche Vergabeverfahren in dem 40 Milliarden-Dollar-Geschäft - bei dem der US-Hersteller Boeing  im März überraschend das Nachsehen hatte - habe Mängel gezeigt und könne daher nicht beibehalten werden, sagte US-Verteidigungsminister Robert Gates am Mittwoch in Washington. "Wir werden bei der Industrie überarbeitete Vorschläge anfordern."

Der US-Flugzeugkonzern Boeing - der gegen die ursprüngliche Entscheidung protestiert hatte - begrüßte den Spruch des Pentagons. "Es ist ermutigend, dass das Verteidigungsministerium Schritte unternehmen will, um einen fairen und offenen Wettbewerb zu garantieren."

Auch EADS-Chef Louis Gallois machte klar, dass EADS  und ihr US-Partner Northrop Grumman  weiterhin um das Mega-Geschäft kämpfen werden. "Wir sind begierig darauf, an die Arbeit zurückzukehren." EADS sei zuversichtlich, die US-Air Force mit den weltweit besten Tankern beliefern zu können.

Ähnlich äußerte sich Northrop Grumman: Man sei optimistisch, dass die Air Force erneut das "richtige" Modell auswähle. Der Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Wirtschaftsstaatssekretär Peter Hintze, sagte: "Ich bin sicher, dass das erneute Ausschreibungsverfahren wieder fair verlaufen wird und am Ende das technisch bessere Angebot von EADS überzeugt." Das Konsortium aus EADS und Northrop Grumman könne "mit Ruhe in die Ausschreibung gehen". EADS-Aktien gaben am Morgen aber in der Spitze um 4,6 Prozent nach.

Gates kündigte an, die Vergabe solle bis zum Jahresende entschieden werden. "Wir werden zu einem Vertrag kommen und loslegen", sagte Gates vor Journalisten. Die Verjüngung der veralteten US-Tankerflotte sei dringend notwendig.

Auch US-Arbeitsplätze bedroht

Auch US-Arbeitsplätze bedroht

Das Pentagon hatte den Mega-Auftrag - dessen potenzieller Gesamtwert auf 100 Milliarden Dollar geschätzt wird - im März nicht wie erwartet an den US-Hersteller Boeing vergeben, sondern an EADS und Northrop Grumman. EADS hatte den ursprünglichen Zuschlag als Durchbruch auf dem bislang weitgehend für heimische Konzerne reservierten US-Rüstungsmarkt gefeiert.

Darauf hatte Boeing Beschwerde eingelegt. Später hatte der US-Rechnungshof GAO eine Neuausschreibung mit der Begründung empfohlen, bei der Auftragsvergabe an EADS und Northrop Grumman seien schwerwiegende Fehler unterlaufen, ohne die Boeing möglicherweise den Zuschlag erhalten hätte. "Nach einer Überprüfung der GAO-Entscheidung (...) bin ich zum Schluss gekommen, dass der Vertrag zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht vergeben werden kann", sagte Gates am Mittwoch.

Der Rechnungshof hatte im Juni insbesondere moniert, die Air Force habe eigene Ausschreibungsbedingungen missachtet und eine Reihe von Fehlern gemacht. Boeing hätte sonst "eine substanzielle Chance gehabt, den Zuschlag zu bekommen", urteilte die Behörde. So sei das von EADS und Northrop Grumman angebotene Flugzeug im Unterhalt nicht - wie von der Air Force behauptet - günstiger als der Boeing-Tanker.

EADS wollte das neue Tankflugzeug nach bekanntgewordenen Plänen als militärische Variante des Airbus A330 bauen. Die Maschinen sollten in einem geplanten neuen Werk am Airbus-Standort Mobile im US-Bundesstaat Alabama gefertigt werden. So sollten auch neue Arbeitsplätze in den USA entstehen. Die Beanstandungen des Rechnungshofes waren von EADS intern als "eine politische Entscheidung" kritisiert worden.

Die US-Militärs hatten sich für den Airbus-Tanker vor allem wegen technischer Vorteile entschieden, verlautete nach der ursprünglichen Vergabe im März. Der Tanker KC-45 auf Basis des Airbus A330 biete einen größeren Frachtraum als die Boeing-Konkurrenz und sei als Lazarettflugzeug und für Transporte geeignet.

manager-magazin.de mit Material von ap und reuters

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