Konjunktur Exportüberschuss sinkt

Deutschlands Ausfuhren steigen langsamer. Nach zweistelligen Zuwächsen in den Vormonaten sinkt das Plus in den einstelligen Bereich. Damit bleibt der Export zwar eine Konjunkturstütze. Für zusätzlichen Schwung sorgt der Außenhandel aber nicht mehr - und das liegt an der Wirtschaftslage außerhalb der Bundesrepublik.

Wiesbaden - Der deutsche Exportmotor kommt ins Stottern. Der hohe Ölpreis, der starke Euro  und die schwächelnde Weltkonjunktur bremsen die Ausfuhren. Im Mai stiegen die Exporte im Vergleich zum Vorjahr zwar noch leicht um 2,5 Prozent auf 80,8 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vormonat ergab sich aber schon ein Minus von 3,2 Prozent - das war der stärkste Rückgang seit Februar 2005, meldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch. Noch im April beispielsweise erwirtschafteten deutsche Unternehmen ein zweistelliges Plus im Außenhandel.

"Die Party ist vorüber", sagt Volkswirt Matthias Rubisch von der Commerzbank . In den kommenden Monaten werde die schwächere Konjunktur im wichtigsten deutschen Absatzmarkt Europa die deutschen Ausfuhren nur noch moderat wachsen lassen. Schon zuletzt zogen die Ausfuhren in die 15 Länder der Euro-Zone nur noch um 0,5 Prozent an. 2007 waren sie noch um 10 Prozent gestiegen. Die Euro-Länder sind die wichtigsten Kunden für hiesige Waren.

Dagegen klettere der Wert der importierten Waren im Mai - auch wegen höherer Ölpreise - deutlicher stärker als die Exporte um 8,2 Prozent auf 66,5 Milliarden Euro. Die Außenhandelsbilanz als Saldo von Ein- und Ausfuhren schloss laut Bundesamt zwar dennoch mit einem Überschuss von 14,4 Milliarden Euro ab. Das aber war deutlich weniger als im Mai 2007, als der Überschuss noch 17,5 Milliarden Euro betrug. "Wir müssen uns an ein geringeres Wirtschaftswachstum gewöhnen", sagt Andreas Rees, Chefvolkswirt der Unicredit .

Das glaubt auch das Institut für Wirtschaftsforschung Halle. In den Sommermonaten durchlaufe die deutsche Wirtschaft eine "konjunkturelle Delle", haben die Forscher ermittelt. Derzeit würden die Impulse aus dem Ausland nachlassen. Außerdem dürften die Unternehmen nach dem Investitionsschub in den vergangenen beiden Jahren zunächst mit einer weiteren Aufstockung der Investitionen abwarten, schreiben die IWH-Experten.

Im weiteren Jahresverlauf sollte die deutsche Wirtschaft dann aber wieder stärker in Schwung kommen. Die IWH-Wachstumsprognose für 2008: plus 2,3 Prozent. Im Vorjahr erreichte die hiesige Wirtschaft ein Plus von 2,5 Prozent. "2009 wird die Rate geringer sein, wir rechnen mit 1,2 Prozent - einige sagen, es könnten auch 1,3 oder 1,4 Prozent werden", sagte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) heute.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.