Finanzkrise "Es kann schlimmer kommen"

Ist die Kreditkrise vorbei? Jamie Dimon, J.P.-Morgan-Chef, und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel geben sich skeptisch. Beide mahnen, die Probleme entschieden anzugehen. Die Zukunft der deutschen Wirtschaft zeigt sich laut dem Hallenser Institut für Wirtschaftsforschung jedoch überraschend heiter.

Arlington/USA - Der Chef der US-Investmentbank J.P. Morgan, Jamie Dimon, hat vor einer Verschärfung der Kreditkrise gewarnt. Zwar habe die Branche einige Probleme in den Griff bekommen, sagte Dimon am Dienstag vor Kreditversicherern. Die Marktbedingungen könnten sich aber noch einmal verschlechtern.

"Ich glaube, wir stehen vor einigen sehr ernsthaften Fragen", sagte Dimon. "Es kann noch schlimmer kommen." Auf lange Sicht beschrieb er die Aussichten der US-Volkswirtschaft als glänzend. Kurzfristig müsse aber noch mit einigen Prüfungen gerechnet werden. Privatkundeninstitute, Regionalbanken und der Arbeitsmarkt für den durchschnittlich ausgebildeten Amerikaner würden voraussichtlich als nächste unter Druck kommen, sagte Dimon.

Im März hat die US-Notenbank Fed J. P. Morgan bei der Übernahme der von der Kreditkrise schwer angeschlagenen Konkurrentin Bear Stearns geholfen. Sie stellte 29 Milliarden Dollar als Übergangskredit bereit.

Merkel: "Gefahr des "'business as usual'"

Auch in der Bundesregierung gibt man sich problembewusst. Kanzlerin Angela Merkel warnte zudem davor, die aktuelle Finanzkrise als bereits ausgestanden zu betrachten. Man dürfe nicht vergessen, Lehren daraus zu ziehen. Die G8 hätten festgestellt, dass es trotz mancher Zeichen für eine Besserung der Lage an den Finanzmärkten noch ernste Spannungen gebe. "Es gibt ein bisschen die Gefahr, dass man schon wieder zum 'business as usual' zurückkehrt", mahnte sie.

Merkel verwies auf Vorschläge des Forums für Finanzstabilität (FSF) aus Notenbankern und Finanzmarktaufsehern, die umgesetzt werden müssten. Bei diesen Anregungen geht es um mehr Transparenz, härtere Eigenkapitalanforderungen für risikoreiche Geschäfte bei Banken, mehr Aufsicht und Verbesserungen bei den Ratingagenturen. "Es kommt nun darauf an, dass das jetzt wirklich implementiert werden muss", unterstrich die Kanzlerin. Deshalb würden die G8 in einem Jahr nach den Fortschritten auf diesem Gebiet fragen.

Eine Lehre aus der Finanzkrise sollte nach Merkels Worten sein, dass der Internationale Währungsfonds (IWF) mehr als bisher zu einer Institution für die Frühwarnung vor Finanzkrisen wird. In dieser Auffassung sei sie sich mit Großbritanniens Premierminister Gordon Brown und anderen einig gewesen, sagte die Bundeskanzlerin.

Sorgenkind Privatkonsum

Sorgenkind Privatkonsum

Die Finanzkrise beziehungsweise ihre Folgen beschäftigen auch Deutschland. Und das nicht unbedingt negativ. So hat das Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) sich für die weitere konjunkturelle Entwicklung optimistisch gezeigt und die Prognose deutlich angehoben. Nur in den Sommermonaten durchlaufe die deutsche Wirtschaft eine "konjunkturelle Delle", hieß es in einer am Mittwoch veröffentlichten Analyse.

Derzeit würden die Impulse aus dem Ausland nachlassen. Außerdem dürften die Unternehmen nach dem Investitionsschub in den vergangenen beiden Jahren zunächst mit einer weiteren Aufstockung der Investitionen abwarten, schreiben die IWH-Experten. Im weiteren Jahresverlauf sollte die deutsche Wirtschaft dann aber wieder stärker in Schwung kommen.

Ein Hemmnis für den weiteren Wirtschaftsaufschwung sei allerdings der private Konsum. "Der private Konsum kommt nicht in Fahrt, und das trotz der hohen Beschäftigungszuwächse und inzwischen auch anziehender Löhne", hieß es weiter in der Studie. Wegen des überraschend starken Wirtschaftswachstum zu Beginn des Jahres rechnen die IWH-Experten aber auch für das Gesamtjahr 2008 mit einer hohen Wachstumsrate von 2,3 Prozent. Bisher hatten sie lediglich 1,5 Prozent Wachstum veranschlagt.

IWH: "Wachstum 2009 deutlich niedriger"

Im weiteren Verlauf des Jahres rechnen die IWH-Experten dann wieder "mit einem Anziehen der Konjunktur in Deutschland". Sie begründeten ihre optimistische Einschätzung mit nach wie vor guten Exportgeschäften in den aufstrebenden Schwellenländern, mit einer langsamen Überwindung der Schwächephase der US-Wirtschaft und mit der guten Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Unternehmen.

Im kommenden Jahr rechnet das IWH mit einer "nach wie vor hohen Dynamik" der deutschen Wirtschaft. Wegen der geringeren Zahl an Arbeitstagen werde das Wachstum 2009 allerdings mit 1,3 Prozent deutlich niedriger ausfallen als 2008. Die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt werde sich auch im kommenden Jahr weiter fortsetzen, hieß es. Für 2008 rechnet das IWH mit einer durchschnittlichen Arbeitslosenzahl von 3,247 Millionen. Im kommenden Jahr dürfte die Zahl dann auf 3,143 Millionen sinken.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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