Austritt Goldman Sachs verlässt Bankenverband

Goldman Sachs ist aus dem internationalen Bankenverband IIF ausgetreten - die Kündigung umfasste angeblich nur einen Satz. Das Bankhaus kann sich offenbar nicht mit Plänen des Verbands, dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann vorsitzt, anfreunden, die Bilanzierungsregeln zu lockern.

Berlin - In der Bankenbranche ist einem Medienbericht zufolge Streit über den richtigen Umgang mit der Finanzmarktkrise ausgebrochen. Goldman Sachs  ist aus dem globalen Bankenverband The Institute of International Finance (IIF) ausgetreten, bestätigte das amerikanische Geldhaus gegenüber manager-magazin.de.

Zuvor hatte die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, dass es innerhalb des IFF einen tiefgreifenden Dissens in Bewertungsfragen gebe. Die Internetpräsenz des Verbands schweigt sich zum dem Goldmann-Rückzug aus. Auch Morgan Stanley  habe deutliche Skepsis geäußert, sei aber bislang nicht aus dem IIF ausgetreten.

Der Austritt der Investmentbank, der laut "Welt" bereits am 2. Juni dieses Jahres in einem kurzen Schreiben ohne Begründung erfolgt sei, bedeute einen Rückschlag für die Branche und deren obersten Vertreter Josef Ackermann, hieß es in dem Bericht. Der Deutsche-Bank-Chef wolle als Vorsitzender des IIF in der kommenden Woche in Washington ein Konzept vorlegen, welche Lehren die Branche aus der Finanzkrise ziehen solle.

Dabei sei es das Ziel, durch Selbstregulierung der Banken schärfere Gesetze zu verhindern. Vorab hatten bereits Experten diese Strategie kritisiert. Der Streit innerhalb des Branchenverbands eskalierte der Zeitung zufolge an der Frage, ob Banken die vorgeschriebenen Bilanzierungsregeln eins zu eins umsetzen und folglich die meisten Wertpapiere und auch Kredite in ihren Beständen zu aktuellen Marktpreisen bewerten sollen. Das IIF habe in seinen Eckpunkten auf eine Lockerung der Vorschriften gedrungen.

Diesen Vorstoß lehnten aber prominente Vertreter der Branche ab, wie die Zeitung berichtete. Weder Goldman Sachs noch das IIF wollten dem Blatt zufolge die Informationen kommentieren. Ein IIF-Sprecher sagte demnach lediglich, dass es "großen Fortschritt" beim Gesamtkonzept gegeben habe.

Das IIF wurde 1993 gegründet und bündelt, so die Homepage des Verbands, die Interessen von den meisten Geschäfts- und Investmentbanken. Auch immer mehr Versicherungen sollen unter den Mitgliedern sein. In der Summe hat der Verband mehr als 375 Mitglieder. Die Vereinigung sieht sich selbst als die einflussreichste Institution der Finanzbranche. Vor allem sei es ihr Ziel, solche Regulierungen und wirtschaftspolitischen Schritte zu fördern, die im "breiten Interesse unserer Mitglieder sind (...)". Rechtlich bindend sind die Vorstöße des Verbands nicht.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.