G8-Gipfel Indien und China fordern Geld für Klimaschutz

Am letzten Verhandlungstag des G8-Gipfels in Japan wurde deutlich, dass sich Länder wie China oder Indien den Klimaschutz bezahlen lassen wollen - von den G8-Staaten.

Toyako - Wirtschaftlich aufstrebende Länder wie China und Indien erwarten für ihre Beiträge zum Klimaschutz milliardenschwere Zahlungen der führenden Industriestaaten und Russlands (G8). Das geht aus einer Erklärung zum Abschluss des G8-Gipfels am Mittwoch im japanischen Toyako hervor. Die sogenannte Gruppe der Fünf (G5), zu der auch Mexiko, Brasilien und Südafrika gehören, pocht darauf, nur im Rahmen ihrer wirtschaftlichen und technologischen Fähigkeiten zu einem neuen Klimaschutzabkommen beitragen zu müssen. Die Verhandlungen darüber sollen Ende 2009 in Kopenhagen unter dem Dach der Vereinten Nationen beginnen.

Zu den Beratungen kamen auch noch Australien, Südkorea und Indonesien hinzu, so dass insgesamt 16 Staats- und Regierungschefs für die größten Wirtschaftsnationen der Erde am Konferenztisch saßen. Für die Europäische Union mit ihren 27 Mitgliedstaaten verhandelte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso.

Zur G8 gehören die USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Die gemeinsame Erklärung blieb noch deutlich hinter dem am Vortag von den G8 festgeschriebene Klimaziel zurück. Die G8 wollen bis 2050 dafür sorgen, dass der globale Ausstoß schädlicher Treibhausgase mindestens halbiert wird. Auf den vagen Vorschlag, der kein Jahr als Basisgröße nennt, wurde am Freitag nicht Bezug genommen. Umweltschützer halten die gemeinsame Klimapolitik der G8 für eine Farce.

"Wir, die Führer der größten Volkswirtschaften der Welt - entwickelte wie nichtentwickelte - verpflichten uns zum Kampf gegen den Klimawandel", hieß es in der Erklärung von G8, G5 sowie Australien, Südkorea und Indonesien. Bei allen Anstrengungen dürfe allerdings nie außer acht gelassen werden, dass Energieversorgung und Nahrungsmittelbedarf eines jedes Landes sichergestellt seien.

Die G8 müssen sich angesichts ihres steigenden Bedarfs an Bio-Kraftstoffen den Vorwurf gefallen lassen, maßgeblich zu der preistreibenden Nachfrage nach Agrarpflanzen beizutragen.

"Unter Berücksichtigung wissenschaftlicher Erkenntnisse erkennen wir an, dass tiefe Einschnitte in den globalen Ausstoß von Treibhausgasen nötig sind (...)", hieß es weiter. Allerdings dürfe ein langfristiges Ziel nicht die Chancen auf Wachstum und Wohlstand beeinträchtigen.

Die USA begrüßten die Übereinkunft. Jim Connaughton, Umweltberater von US-Präsident George W. Bush, sagte, sie sei ein wichtiger Fortschritt auf dem Weg zu international verbindlichen Klimazielen.

Bush hatte wiederholt erklärt, dass die USA - der größte Umweltsünder der Erde - nur dann ernsthaft über verbindliche Ziele verhandeln werden, wenn Länder wie Indien und China - die unter den globalen Top Fünf der "Dreckschleudern" rangieren - mitmachen.

Kommissionspräsident Barroso widersprach zum Ende des Gipfels den Bedenken der aufstrebenden Staaten: "Es muss anerkannt werden, dass es keinen Widerspruch zwischen Wirtschaftswachstum und Verringerung der Treibhausgase gibt." Die Wirtschaft der EU sei seit 1990 um ein Viertel gewachsen. "Und wir haben die Treibhausgase um 8 Prozent verringert."

Die EU ist bei Klimaschutzzielen schon vorangegangen. Sie will bis 2020 die Treibhausgase - im Vergleich zu 1990 - um ein Fünftel verringern. Sollte nach Berechnungen der EU das bisher wenig präzise Ziel der G8 für 2050 erreicht werden, dürften auf die stärksten Industrienationen tatsächliche Verringerungen von bis zu vier Fünftel des Ausstoßes von Treibhausgasen zukommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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