Leitzinsanhebung Kommt der zweite Schritt?

Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank und Präsident des Bundesverbands deutscher Banken glaubt, dass die Leitzinsen weiter steigen könnten. Andere Experten sehen das eher kritisch.

Frankfurt am Main - Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB), Klaus-Peter Müller, sieht Spielraum für baldige weitere Zinserhöhungen in der Euro-Zone. "Die Zinsen werden in den nächsten 18 Monaten weiter steigen", sagte Müller auf einer Bankenveranstaltung am Dienstagabend in Frankfurt. "Der letzte Schritt der EZB war maßvoll. Sie hätte den Leitzins mit gutem Recht um 50 Basispunkte erhöhen können." Er sehe noch einige inflationstreibende Effekte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte vergangene Woche den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4,25 Prozent angehoben, um die Inflationsrisiken einzudämmen. Der Vorsitzende des Sachverständigenrats, Bert Rürup, hat dagegen Vorbehalte gegen weitere Anhebungen. "Wenn es keine Zweitrundeneffekte gibt, würde ich eine weitere Zinserhöhung kritisch sehen", sagte er. Weitere steigende Zinsen könnten sich negativ auf die konjunkturelle Entwicklung auswirken. Seiner Ansicht nach wird das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr zwar "mit Sicherheit um über 2 Prozent" wachsen. 2009 werde es aber zu einer spürbaren Abschwächung kommen.

Müller rechnet für das kommende Jahr in Deutschland mit einem Wirtschaftswachstum von weniger als 1,5 Prozent. Auch Banken werde der konjunkturelle Abschwung treffen. "Aus Bankensicht hatten wir eine Reihe unglaublich guter Jahre, was Kreditausfälle angeht. Wir können uns aber nicht vorstellen, dass wir so unbedarft auch 2009 überstehen werden", sagte Müller, der seit knapp zwei Monaten Aufsichtsratschef der Commerzbank ist.

"Wir Banken stellen uns darauf ein, dass es künftig zu höheren Kreditrisiken kommt." Geldinstitute müssen bei steigenden Risiken aus Krediten ihre Risikovorsorge erhöhen, was sich letztlich auf das Ergebnis auswirkt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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