Mittwoch, 18. September 2019

Ratingagenturen Strengere Kontrolle

Geht es nach dem Willen der Finanzminister der EU, sollen Ratingagenturen künftig strenger kontrolliert werden. Die Politiker halten die Agenturen für eine Ursache der Kreditkrise.

Brüssel - Die EU-Finanzminister wollen Ratingagenturen in Zukunft genauer auf die Finger schauen. Die Minister unterstützten am Dienstag in Brüssel den Plan der EU-Kommission, die Agenturen in Europa erstmals unter Aufsicht zu stellen.

Im Auge behalten: Ratingagenturen sollen strenger überwacht werden, so die EU
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Im Auge behalten: Ratingagenturen sollen strenger überwacht werden, so die EU
Die französische Finanzministerin und EU-Ratspräsidentin Christine Lagarde sagte, die Kreditwächter müssten sich künftig bei einer Aufsicht registrieren lassen. Diese werde dann überwachen, ob die bisher auf Freiwilligkeit beruhenden Regeln eingehalten würden. Die Agenturen, die die Kreditqualität von Finanzprodukten bewerten, werden für die Finanzkrise mitverantwortlich gemacht. Anders als Banken, Börsen und Versicherungen unterlagen sie bisher keiner Finanzaufsicht. "Sie waren die Quelle dieser Krise, und wir sollten etwas unternehmen", sagte der niederländische Finanzminister Wouter Bos. Die Arbeit der Agenturen gleiche einem schwarzen Loch.

Der britische Finanzminister Alistair Darling warnte jedoch vor Überregelung. EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy will im Oktober den Gesetzesvorschlag vorlegen. Er sagte, der in Paris ansässige Ausschuss der Wertpapieraufseher (CESR) solle die Aufgabe der Aufsicht übernehmen. Bisher ist es Agenturen wie Standard & Poor's, Fitch oder Moody's überlassen, ob sie freiwillig die Standards der Internationalen Vereinigung der Wertpapieraufseher (IOSCO) einhalten. Das hat sich nach Auffassung McCreevys als nicht effektiv erwiesen.

Die Regelung für die Ratingagenturen gehört zu einem umfangreichen Paket von Gesetzesänderungen und Verbesserungen bestehender Prozeduren, mit der die EU die nächste Finanzkrise verhindern will. In den USA sind die Agenturen seit Oktober zur Überwachung bei der Börsenaufsicht registriert.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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