Armutsreport Gute Noten für Deutschland

Hierzulande sind weniger Menschen von Armut bedroht als in vielen anderen Staaten Europas. Selbst im Vergleich mit den vermeintlichen Sozialparadiesen Skandinaviens schneidet Deutschland beachtlich ab. Deutlich schlechter als im europäischen Schnitt ist allerdings die Lage vieler hiesiger Arbeitsloser.

Brüssel - In der Bundesrepublik ist jeder Achte arm oder von Armut bedroht, in der gesamten Europäischen Union allerdings fast jeder Sechste. Ebenfalls besser als im europäischen Durchschnitt und weit vor den skandinavischen Ländern liegt in der Bundesrepublik die Armutsquote bei den jungen Leuten zwischen 18 und 24 Jahren mit 15 Prozent gegenüber 20 Prozent europaweit und sogar 35 Prozent in Dänemark, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.

Unter dem Strich ist die erwerbstätige Bevölkerung Deutschlands im Vergleich weniger stark armutsgefährdet als die in vielen anderen europäischen Staaten. So ist in Deutschland nur jeder Zwanzigste ab 16 Jahren trotz Erwerbstätigkeit armutsgefährdet. Im europäischen Schnitt sind jedoch rund jeder Dreizehnte, in der Euro-Zone etwa jeder Fünfzehnte und in den zehn neuen Mitgliedstaaten etwa jeder Elfte gefährdet.

Überdurchschnittlich ist dagegen in Deutschland die Armutsgefährdung bei Arbeitslosen. Während sie hier 43 Prozent beträgt, liegt sie in der gesamten Europäischen Union bei 41 Prozent und in der Euro-Zone sogar nur bei 38 Prozent.

Das sind die Ergebnisse der Statistik EU-SILC 2006, der neuen europaweit vergleichbaren Datenquelle über Armut und soziale Ausgrenzung, wie das Bundesamt weiter mitteilte. Für die jährliche amtliche Erhebung wurden insgesamt rund 200.000 private Haushalte in der Europäischen Union befragt, darunter in Deutschland 13.799.

Zur Berechnung der Armutsgefährdungsquote wird zunächst das von allen Haushaltsmitgliedern tatsächlich erzielte Haushaltseinkommen des Vorjahres nach Abzug von direkten Steuern und Sozialbeiträgen herangezogen. Dieses Haushaltseinkommen wird auf die Personen des Haushalts nach einem Gewichtungsschlüssel verteilt. Um das mittlere Einkommen zu ermitteln, wird der Zentralwert verwendet, den die Hälfte der Bevölkerung erreicht. 60 Prozent dieses Medianwerts wiederum stellt die Armutsgefährdungsgrenze dar.

manager-magazin.de mit Material von ap

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.