Steuerlast Für den eigenen Geldbeutel

Die Bundesbürger haben deutlich mehr als ein halbes Jahr gearbeitet, um überhaupt ihre Steuern bezahlen zu können. Doch ab heute um 7.57 Uhr geht es rechnerisch auf eigene Rechnung. Immerhin: Dank sinkender Sozialabgaben kommt dieser Moment des Jahres fünf Tage früher als 2007.

Berlin - Deutschlands Steuerzahler arbeiten von diesem Dienstag an nur noch für den eigenen Geldbeutel und nicht mehr für die Staats- und Sozialkassen - allerdings nur rein rechnerisch. Das vor dem 8. Juli erwirtschaftete Einkommen der Steuer- und Beitragszahler haben nach dem Berechnungsmodell des Steuerzahlerbundes zunächst der Staat und die Sozialversicherungen behalten.

Damit hat sich der alljährliche "Steuerzahlergedenktag" um fünf Tage nach vorn verschoben, wie der Steuerzahlerbund am Montag in Berlin mitteilte. 2007 war er auf den 13. Juli gefallen. Das heißt, die sogenannte Einkommensbelastungsquote ist gesunken - vor allem infolge niedrigerer Beiträge zu den Sozialkassen sowie der Steuersenkung für Unternehmen. Die Schritte seien aber "bei Weitem nicht ausreichend", sagt der Steuerzahlerbund.

Die Ermittlung des "Steuerzahlergedenktages" wird beispielhaft auf Basis der volkswirtschaftlichen Einkommensbelastungsquote ermittelt. Es zeigt an, wie viel der Staat vom Einkommen der Bürger und Betriebe über Steuern und Sozialabgaben zunächst einbehält. Für 2008 sind dies laut Steuerzahlerbund 51,73 Prozent. Daraus lasse sich der 8. Juli, 07.57 Uhr, als exakter Zeitpunkt berechnen.

Deutschlands Politiker sind regelmäßig empört über den Gedenktag und werfen dem Steuerzahlerbund unseriöse Berechnungen vor. Aber auch Ökonomen kritisieren die Quote. Sie verweisen beispielsweise darauf, dass die Beitragszahler für ihre Einzahlungen in die Sozialkassen konkrete Gegenleistungen erhalten.

Einbezogen werden bei der Berechnung nicht nur direkte Steuern wie die Einkommen-, Lohn-, Körperschaft-, Kapitalertrag- und Kfz-Steuer. Zugrunde gelegt werden auch indirekte wie die Mehrwert-, Mineralöl-, Tabak-, Strom- oder Biersteuer. Der Steuerzahlerbund bezieht auch den Wegfall der Pendlerpauschale oder die Kürzung des Sparerfreibetrages ein.

Zu Buche schlägt zudem die Abschaffung von Steuerschlupflöchern. Unter dem Strich werden alle Faktoren berücksichtigt, die bei gleichbleibendem Volkseinkommen das Steueraufkommen erhöhen. Der bisherige Höchstwert fiel in das Jahr 2000 mit 56,3 Prozent. Vor etwa 50 Jahren wurde der 1. Juni als Gedenktag ermittelt.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa

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