Razzien Kartellamt nimmt Kaffeeröster ins Visier

Das Bundeskartellamt ist einem mutmaßlichen Preiskartell unter Kaffeeherstellern auf der Spur. Von den Untersuchungen betroffen sind offenbar auch Dallmayr und der Handelskonzern Tchibo.

Bonn - Beamte des Kartellamts hätten am Donnerstag Firmenräume bei Herstellern von Röstkaffee durchsucht, sagte eine Sprecherin der Bonner Behörde am Donnerstag.

Die Wettbewerbshüter gingen dem Verdacht nach, dass es zwischen Herstellern zu Preisabsprachen gekommen sei. Diese reichten möglicherweise sogar bis ins Jahr 2004 zurück. Namen der betroffenen Unternehmen wollte die Sprecherin nicht nennen.

Der Münchener Kaffee-Röster Dallmayr räumte aber ein, von den Razzien betroffen gewesen zu sein. "Ja, es hat Hausdurchsuchungen gegeben - bei uns wie bei allen anderen großen Kaffeeröstern", sagte eine Sprecherin. "Wir arbeiten mit den Behörden voll und lückenlos zusammen, um die Vorwürfe aufzuklären", kündigte sie an.

Beim auch durch seine Kaffees bekannten Handelskonzern Tchibo wurden die Bonner Beamten ebenfalls vorstellig. Ein Tchibo-Sprecher sagte, das Kartellamt stelle Fragen. Tchibo unterstütze die Untersuchung.

Bußgeld bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes möglich

Von anderen Herstellern wie Melitta oder Kraft war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Beim Hamburger Produzenten Darboven wurden die Wettbewerbshüter nach dessen Angaben nicht vorstellig.

Sollte sich der Kartellverdacht bestätigten, drohen den betroffenen Firmen empfindliche Strafen. Das Kartellamt kann ein Bußgeld von bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes verhängen.

Die Kartellwächter haben in den vergangenen Monaten verstärkt den deutschen Lebensmittelmarkt ins Visier genommen. Sie hatten unter anderem Mehlproduzenten und Schokoladenhersteller durchsucht. Betroffen waren dabei unter anderem Kraft Foods und Nestle.

In Kreisen der Kaffee-Produzenten hieß es, es habe in der Branche bereits Vermutungen gegeben, dass das Kartellamt auch die Röstereien ins Visier nehmen könnte. Da der Handel die Preise diktiere, seien diese immer wieder in Stufen angeglichen worden.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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